Unter dem Titel «Klimaschutz oder das Märchen vom 6-Liter-Auto» berichtete Infosperber letzten Sommer über den Treibstoffverbrauch von neuen Autos auf dem Prüfstand sowie auf der Strasse. Dabei stützten wir uns unter anderem auf die langjährigen Erhebungen des «International Council on clean Transportation» (ICCT), die den CO2-Ausstoss von in Europa neu zugelassenen Personenwagen auf dem Prüfstand und in der Praxis vergleichen; es handelt sich um die umfassendste Erhebung zu diesem Thema. Die damaligen Resultate:

  • Die Differenz zwischen Prüfstand und Praxis im Jahr 2016 betrug 42 Prozent. Sie war seit 2001 (Differenz 9%) kontinuierlich angestiegen, weil die Autohersteller ihre Autos für den Prüfstand zunehmend optimierten, um die strengeren CO2-Vorschriften zu erfüllen.
  • Umgerechnet auf hundert Kilometer Fahrt verbrauchte 2016 ein durchschnittlicher Neuwagen in der Schweiz auf dem Prüfstand 5,8 Liter Benzin, auf der Strasse aber 8,2 Liter, also in der Praxis 2,4 Liter/100 km mehr.
  • Differenz zum Grenzwert Noch etwas grösser (2,5 Liter/100 km) war die Differenz des Praxisverbrauchs im Vergleich zu den zulässigen CO2-Grenzwerten, weil die zugelassenen Neuwagen in der Schweiz 2016 den CO2-Grenzwert (130 Gramm pro km) auf dem Prüfstand leicht überschritten.

Soweit die negativen Informationen.

Differenz 2017 von 42 auf 39 Prozent gesunken

Inzwischen gibt es aber eine – relativ – gute Nachricht: Die neuste ICCT-Erhebung (Update) über das Jahr 2017 zeigt: Die Differenz zwischen Prüfstand und Praxis hat entgegen dem langfristigen Trend und erstmals seit 2013 wieder leicht abgenommen. Die im Jahr 2017 neu zugelassene Autoflotte in Europa erzeugte auf der Strasse «nur» noch 39 Prozent mehr CO2 als auf dem Prüfstand (Vorjahr: 42%). Darüber informierten in den letzten Tagen auch NZZ und Tamedia-Zeitungen. Bei den 39 Prozent handelt es sich um den Durchschnitt aus mehreren Einzelerhebungen.

Überträgt man die ICCT-Europaerhebung auf die Schweiz, dürfte sich der mittlere Spritverbrauch in der Fahrpraxis von 8,2 auf 8,1 Liter vermindert haben. Der Konjunktiv steht hier, weil die europäische und die schweizerische Neuwagenflotte nicht identisch sind.

So sind in der Schweiz die neu verkauften Autos im Schnitt schwerer und leistungsstärker als im übrigen Europa; darum überschritten sie den zulässigen CO2-Grenzwert auf dem Prüfstand 2017 erneut um drei Prozent. Grössere Autos legen im Schnitt mehr Kilometer zurück als Kleinwagen, die oft als Zweitwagen eingesetzt werden. Zudem ist die Differenz zwischen Prüfstand- und Praxisverbrauch bei grösseren Autos tendenziell höher, zeigen Einzelerhebungen.

Das Fazit bleibt damit unerfreulich: Der durchschnittliche Praxisverbrauch von Neuwagen in der Schweiz dürfte 2017 die Marke von 8 Litern/100 Kilometern weiterhin deutlich überschritten haben. Diese Neuwagen bleiben im Schnitt zehn Jahre im Verkehr.

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