Das musst du wissen

  • Die erste Schweizer Nähmaschine aus dem Jahr 1864 galt lange als verschollen.
  • Eine alte Fotografie war der einzige Hinweis auf die Maschine.
  • Nun ist die «älteste Schweizerin» wieder aufgetaucht und wurde restauriert.

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Sie gilt als die «älteste Schweizerin» und niemand wusste, ob sie nicht irgendwann im Altmetall gelandet war: die älteste Nähmaschine aus Schweizer Produktion, die Rebsamen 1. Gebaut hat sie der damals erst 21-jährige Albert Rebsamen im Jahre 1864 in Hadlikon-Hinwil im Zürcher Oberland.

Albert Rebsamen-Pfister (1842-1921).naehmaschinen-museum.ch

Albert Rebsamen-Pfister (1842-1921).

Seine einfache aber robuste Eigenkonstruktion stellte er nur für kurze Zeit und in einer sehr kleinen Serie her. Wahrscheinlich gab es nie mehr als 300 Exemplare. Rebsamen konnte als Kleinbetrieb gegen die grosse Konkurrenz aus dem Ausland nicht bestehen. So wurde er schliesslich erfolgreicher Importeur und Händler anderer Produzenten.

Nur noch auf einem Bild vorhanden

Vom ersten Rebsamen-Modell war lange Zeit nur eine alte Fotografie erhalten geblieben. Dieses Bild zeigten die Inhaber des Schweizer Nähmaschinen-Museums in Dürnten immer wieder während Führungen durch ihre mehr als 300 Maschinen umfassende Sammlung. Und sie wiesen dabei darauf hin, dass es ein grosses Glück wäre, wenn jemand beim Aufräumen des Dachbodens diese Maschine finden und dann an das Museum weitergeben würde.

Diese Fotografie war lange Zeit der einzige Hinweis auf die Rebsamen 1.naehmaschinen-museum.ch

Diese Fotografie war lange Zeit der einzige Hinweis auf die Rebsamen 1.

Sie ahnten nicht, dass sie selbst den wohl wichtigsten Hinweis auf die verschollene Nähmaschine im eigenen Haus finden würden. Roni Schmied, einer der Museumsleiter, hatte als 11-jähriger Junge begonnen, Nähmaschinen zu sammeln. Vor etwa drei Jahren fand er in einer Schublade seines Schreibtisches ein Foto, das ihn in Teenagerjahren bei einem Besuch einer Nähmaschinesammlung zeigte. Auf dem unscharfen Bild fiel dem nun erwachsenen und professionellen Blick etwas auf, das die verschollene Maschine sein könnte. Die Sammlung, die Schmied als Junge besucht hatte, war längst aufgelöst. Eine Suche begann, die mehrere Jahre dauerte.

Jahrelange Suche

Mit unzähligen Gesprächen, Telefonaten, Briefen und E-Mails verfolgten die Betreiber des Museums die Spur dieser alten Sammlung über mehrere Besitzer der letzten Jahrzehnte. Viele Hinweise verliefen im Sand. Dann, Anfangs 2018, meldete sich ein Radio-Sammler, der eine für ihn wertlose Nähmaschine mit einer Ladung von Radios hatte übernehmen müssen. Es war die Rebsamen 1 und der Radiosammler war bereit, sie dem Nähmaschinen-Museum zu verkaufen.

Die mehr als 150 Jahr dauernde Reise war nicht spurlos an der «ältesten Schweizerin» vorüber gegangen. Aber Schmied und sein Partner Tino Jaun restaurierten das Gerät über mehrere Monate hinweg. Am vergangenen Freitag wurde sie erstmals dem Publikum präsentiert. «Der Fund ist nicht nur für uns Nähmaschinen-Liebhaber ein grosses Glück», sagt Tino Jaun. «Denn die Maschine gehört zur Geschichte des Zürcher Oberlands, welches eine Jahrzehnte lange Tradition mit der Textilindustrie hat.» Damit repräsentiert die einfache Maschine ein Stück Schweizer Industriegeschichte.

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