Benedikt Meyer


Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.

Frauenrechte und ein Erbstreit: Das waren die Gründe, weshalb Johann von Schwaben seinen Onkel Albrecht von Habsburg ermordete. Johann fühlte sich um die Güter Lenzburg und Baden betrogen – das Erbe seiner Mutter, welches Onkel Albrecht verwaltet hatte, solange Johann ein Kind gewesen war. Nur: Seit Johann alt genug war, das Erbe anzutreten, behauptete Albrecht, Johanns Mutter habe die Güter gar nie besessen – weil Frauen gar nicht erben könnten. Sein Machismo kostete Albrecht das Leben. Doch weil man einen Albrecht von Habsburg nicht einfach so ungestraft zur Strecke brachte, lag auch Johann wenig später im Grab.

Dass Albrechts Besitz ausgerechnet an seine älteste Tochter Agnes ging, war Ironie der Geschichte. Agnes war 1281 in Windisch geboren worden und wurde als 15jährige in Wien mit König Andreas von Ungarn verheiratet. Mit 20 war sie dessen Witwe. In Ungarn brachen Thronfolgewirren aus, vor denen sich Agnes in Wien in Sicherheit brachte. Sieben Jahre vergingen – ohne dass Agnes eine zweite Ehe einging. Als ihr Vater Albrecht dann 1308 bei Brugg ermordet wurde, kehrte sie in den Aargau zurück und kümmerte sich um die Verwaltung der habsburgischen Stammlande.

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Am Ort des Verbrechens (auf den sogenannten Königsfeldern) liess sie ein kleineres Mönchs- und ein grösseres Nonnenkloster errichten. Dort residierte Agnes, legte aber kein Gelübde ab. Vielmehr war sie damit beschäftigt, Klosterregeln zu definieren, Abgaben festzulegen und Macht und Einfluss ihres Klosters und ihrer Familie Stück für Stück auszuweiten. Nebenbei korrespondierte die kleine und eher unscheinbare Agnes mit Grafen, Königen und dem Papst, aber auch mit Intellektuellen wie Meister Eckhart, einem Mystiker und Philosophen, der ihr eines seiner Bücher widmete.

Als eine der mächtigsten Figuren auf dem Gebiet der heutigen Schweiz wurde Agnes wiederholt als Vermittlerin angerufen. Erfolgreich erwirkte sie 1333 und 1340 einen Landfrieden zwischen Bern und Freiburg; der Vermittlungsversuch im Streit zwischen Zürich und den Waldstätten scheiterte 1351.

Agnes war eine erfolgreiche Herrscherin – aber durch die Schweizer Geschichte spukte lange Zeit ein anderes Bild von ihr. Als hinterhältig, blutrünstig und brutal wurde sie beschrieben. Tausende habe sie ermorden lassen. Sogar Schiller erwähnte Agnes in seinem Wilhelm Tell als grausame Rächerin. Der Grund für die Verleumdung ist relativ einfach: Die starke Frau, eine Habsburgerin obendrein, war den Schreiberlingen einfach nicht geheuer.

Digital in die Vergangenheit

Der Blog des Schweizerischen Nationalmuseums publiziert regelmässig Artikel über historische Themen. Diese reichen von den Habsburgern über Auslandschweizer bis hin zu heimischer Popmusik, die es zu Weltruhm gebracht hat. Der Blog beleuchtet viele Facetten der Landesgeschichte in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Mehr dazu gibt es unter: blog.nationalmuseum.ch

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