Rund 55 Millionen Paar Schuhe werden jährlich in Kolumbien produziert und in die ganze Welt exportiert. Die Schuhproduktion gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes. Aufgrund der Konkurrenz aus China steigt jedoch der Druck – vor allem auf kleine Werkstätten. «Für die läuft es alles andere als gut», sagt Catalina Jossen Cardozo vom Departement Design & Kunst der Hochschule Luzern. Die gebürtige Kolumbianerin hat selbst als Unternehmerin und Beraterin in der Branche gearbeitet.

Abhilfe soll das von Jossen Cardozo entwickelte Projekt «By Maria» schaffen. Die dazugehörende Online-Plattform ist seit kurzem online. Um einen Shop à la Zalando geht es dabei nicht, wie die Forscherin betont, sondern vielmehr um ein System, das Kleinproduzenten, Designer und Kunden miteinander verbinden und eine nachhaltige Schuhproduktion fördern soll.

Die Geschichte von «By Maria»

Und so funktioniert «By Maria»:

  • Designerinnen und Designer kreieren ihre Kollektion und stellen sie online. Sie erhalten zehn Prozent des Verkaufspreises (normalerweise ist es ein Prozent).
  • Die Kundschaft wählt ein Design und schickt die Masse ihrer Füsse ein – eine in Entwicklung befindliche App soll diesen Vorgang künftig vereinfachen. Bis dahin erklärt dieses Video, wie man in fünf Minuten die eigene Fussgrösse bestimmt.
  • In Kolumbien produzieren die Schuhmacherinnen und Schuhmacher die Schuhe dann in hochwertiger Handarbeit. Zum Einsatz kommen Materialien, die nach ökologischen Kriterien ausgewählt wurden. Die Kleinproduzenten erhalten einen fairen Lohn und werden ebenfalls direkt am Verkaufserlös beteiligt.
  • Schliesslich erwerben die Endverbraucher die Schuhe zu einem vernünftigen Preis.
Alle Schuhe werden von Hand gefertigt ...Jon Espitia

Alle Schuhe werden von Hand gefertigt …

... und in kleinen Stückzahlen produziert.Jon Espitia

… und in kleinen Stückzahlen produziert.

Potenzial auch fürs Schweizer Handwerk

«By Maria» entstand aus der gleichnamigen Masterarbeit in Service Design, die Catalina Jossen Cardozo am Departement Design & Kunst schrieb. Dafür erhielt sie 2016 eine Auszeichnung für herausragende Absolventen. Überzeugt war auch das Gremium von «Bridge»: Das neue Förderprogramm des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und von Innosuisse richtet sich an junge Forschende, die ihre Erkenntnisse zu konkreten Anwendungen oder Dienstleistungen weiterentwickeln. «By Maria» wurde als eines der ersten Projekte überhaupt ins Programm aufgenommen. Ein Grund für den Entscheid: Es hat auch Potenzial für traditionelle Handwerksindustrien in der Schweiz, die generell stärker im Mittel- bis Hochpreissegment angesiedelt sind.

Schuhvielfalt: Diese und viele weitere Designs sind Im Rahmen von «By Maria» entstanden.Bridge

Schuhvielfalt: Diese und viele weitere Designs sind Im Rahmen von «By Maria» entstanden.

Dank der «Bridge»-Förderung kann die Forscherin ihre Arbeit mit einem kleinen internationalen Team fortführen. «In Bogotá veranstalteten wir Workshops mit interessierten Schuhmachern», sagt sie. «Wir analysierten, wie sie ihre Arbeit bisher organisieren, welche Materialien sie zur Verfügung haben und was sie an zusätzlicher Ausrüstung oder Know-how benötigen.»

Eine Stiftung für Schuhmacher

Eine eigens gegründete Stiftung stellt beteiligten Werkstätten kostenlos Gerätschaften zur Verfügung und übernimmt sogar Sozialleistungen für die Mitarbeitenden der Kleinbetriebe. «Uns ist es wichtig, dass diese das Ganze nicht als blosses Geschenk sehen», betont Jossen Cardozo. Daher verpflichten sich die Schuhmacher, sich längerfristig im Projekt zu engagieren und regelmässig an kostenlosen Weiterbildungen teilzunehmen. «Schliesslich soll der Endkunde hochwertige Produkte erhalten.»

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Der Beitrag stammt von der Hochschule Luzern. Das Competence Center Design & Management (CC D&M) der Hochschule Luzern – Design & Kunst ist eine Forschungsgruppe, die sowohl anwendungsorientierte Forschung als auch Grundlagenforschung zu Design an den Schnittstellen zu Organisation, Management, Business und Verwaltung betreibt.
Kontakt zur Forscherin: Catalina Jossen Carsozo, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin, catalina.jossencardozo@hslu.ch.

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