Das musst du wissen

  • Unter 65-jährige Personen können sich in der Schweiz noch nicht ein drittes Mal gegen das Coronavirus impfen lassen.
  • Die Empfehlung für diese Altersgruppe durch die Eidgenössische Impfkommission folgt ungefähr Ende November.
  • Aktuell wäre die Impf-Infrastruktur für die Drittimpfung der Allgemeinbevölkerung nicht gerüstet.

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Wer eine Booster-Impfung wünscht, aber noch keine 65 Jahre alt ist, muss sich noch gedulden. Doch worauf wartet die Eidgenössische Impfkommission noch? «Die über 65-jährigen haben klar erste und höchste Priorität», sagt Christoph Berger, Präsident der Impfkommission am Dienstag 16. November an der Pressekonferenz. Bei dieser Altersgruppe gebe es eine klare Evidenz, dass der Schutz vor schweren Infektionen sechs Monate nach der zweiten Dosis von 95 auf rund achtzig Prozent abgenommen hat. Jüngere hingegen seien nach wie vor vollständig vor schweren Erkrankungen geschützt. «Bei ihnen nimmt nicht der Schutz vor schweren Erkrankungen ab, sondern jener vor milden Infektionen», sagt Berger. Für sie sei die dritte Impfdosis damit weniger dringend, sie können gut auch sieben, acht oder neun Monate zuwarten.

Zuerst sollen nun also alle über 65-Jährigen die Gelegenheit zur Auffrischungsimpfung erhalten. Erst wenn diese Gruppe geimpft ist, sind jüngere Personen aus dem Gesundheitswesen und besonders Gefährdete unter 65 an der Reihe – schliesslich alle anderen. Der beschränkende Faktor sei nicht die Verfügbarkeit des Impfstoffs. Davon sei genug für alle da, betont Christoph Berger. Der Flaschenhals sei die Infrastruktur.

Aufrüsten für den Ansturm

Begründung: Wenn die Booster-Impfung für die Gesamtbevölkerung geöffnet wird, ist die Infrastruktur, also Impfzentren, wieder deutlich mehr gefordert: Viele davon sind aufgrund der geringen Zahl der Impfungen in den vergangenen Monaten geschlossen oder verkleinert worden. Man sei allerdings für die Reaktivierung vorbereitet, heisst es von der Zürcher Gesundheitsdirektion: «Die Impfinfrastruktur im Kanton Zürich ist flexibel ausgerichtet, sodass sie der Nachfrage entsprechend angepasst werden kann.» Zu gegebener Zeit könne man die Auffrischungsimpfung dann auch der breiten Bevölkerung anbieten. Abzuwarten, bis alle über 65-jährigen die Drittdosis erhalten haben, gibt den Kantonen also Zeit sich auf einen erneuten Ansturm vorzubereiten.

Dass die Nachfrage nach der Impfung wieder deutlich steigen wird, zeigt ein Blick auf die Statistik der Altersverteilung: Per 22. November 2021 gibt es schweizweit bereits eine Million Menschen über 65, deren zweite Impfung ein halbes Jahr zurück liegt. Damit ist schon jetzt ein Achtel der Schweizer Bevölkerung aufgrund des Alters für die dritte Dosis qualifiziert. Wie viele von ihnen den dritten Piks bereits erhalten haben, weist das Bundesamt für Gesundheit BAG bislang nicht aus. Im Kanton Zürich haben per 18. November 19 000 über 65-Jährige die dritte Dosis bereits erhalten – das sind gerade einmal 15 Prozent derjenigen über 65, die sich aktuell für den Booster qualifizieren würden. Es seien noch viele Impftermine für die Booster-Impfung frei, erklärt die Zürcher Gesundheitsdirektion.

Per 22. November gab es ausserdem bereits 500 000 Menschen unter 65, deren letzte Impfung ein halbes Jahr und mehr zurück liegt. Unter ihnen befinden sich jüngere Personen, die aufgrund von Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehören und bereits für die Drittimpfung zugelassen sind. Ihre Zahl ist nicht genau bezifferbar.

Zuwarten erhöht die Wahrscheinlichkeit für Warteschlangen

Vor genau einem halben Jahr nahm die Impfkampagne gerade so richtig Fahrt auf – Woche für Woche wurden damals bis zu 600 000 Impfungen verabreicht. Das bedeutet, mit jeder Woche, die nun vergeht, steigt die Zahl derjenigen Menschen, die sich für die dritte Dosis qualifizieren deutlich. Oder anders gesagt: Wird der Booster für unter 65-Jährige erst an Weihnachten zugelassen, werden es in dieser Alterskategorie bereits 1,5 Millionen Menschen sein, die den Booster erhalten könnten. Je nachdem, wie viele davon die dritte Impfdosis tatsächlich haben wollen, könnte der Ansturm die Dimensionen des Frühsommers erreichen. Das heisst, je länger die Freigabe des Boosters hinausgezögert wird, desto wahrscheinlicher werden Engpässe beim Impftermin.

Bis Weihnachten dürfte es mit der Empfehlung der Eidgenössischen Impfkommission für Jüngere aber nicht mehr dauern. Sie soll etwa Ende November erfolgen, sagt Christoph Berger. Sie müsse sorgfältig erstellt werden, da sie für gesunde Personen unter 65 aktuell ausserhalb der Zulassung von Swissmedic liegt – da Swissmedic die Drittimpfung bisher nur für besonders gefährdete Personen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem genehmigt hat. Somit wird die Impfkommission mit ihrer Empfehlung «ein bisschen über den aktuellen Rahmen von Swissmedic hinaus gehen», sagt Berger. Das wichtigste Element sei jedoch weiterhin die Impfung der gänzlich Ungeschützten, betont Christoph Berger, also jene, die noch gar keine Impfung erhalten haben. Die Erstimpfung habe im Vergleich zur Auffrischimpfung einen grösseren Effekt auf die Eindämmung der Pandemie.

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