Das musst du wissen

  • Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre war in den letzten 800 000 Jahren diversen Schwankungen ausgesetzt.
  • Messungen zu den letzten 450 000 Jahren zeigen, dass die Schwankungen langsamer passierten, als der heutige Anstieg.
  • Diese natürlichen Veränderung geschahen fast zehnmal langsamer als der menschgemachte Anstieg über das letzte Jahrzehnt.

Die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre ist nicht immer gleich hoch – auch ohne menschliches Zutun. Sie erhöhte sich in den vergangenen 800 000 Jahren immer wieder sprunghaft. Der heutige, vom Menschen verursachte CO2-Anstieg ist allerdings mehr als sechsmal grösser und fast zehnmal schneller als die damaligen Sprünge. Zu diesem Schluss kommt ein europäisches Forschungsteam unter der Leitung der Universität Bern. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal «Science» publiziert.

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Studie: Abrupt CO2 release to the atmosphere under glacial and early interglacial climate conditionsKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDie chemischen Analysen von Eisbohrkernen sind sehr zuverlässig. Die Studie hat deshalb eine hohe Beweiskraft.Mehr Infos zu dieser Studie...

Dies fanden die Forschenden heraus, indem sie eine neue Messtechnologie für Eisbohrkerne entwickelten. Damit untersuchten sie Proben aus der Antarktis. Eisbohrkerne sind wie Archive: In ihnen lagerten sich Stoffe aus der Atmosphäre Jahr für Jahr ab – so können Forschende bis zu 800 000 Jahre in die Vergangenheit unserer Atmosphäre blicken.

Die neue Messtechnologie ermöglichte den Forschenden nun einen sehr detaillierten Einblick in die Klimavergangenheit. Dank hochauflösenden Messungen konnten die Forschenden die vergangenen CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre rekonstruieren, und taten dies nun für die letzten 330 000 bis 450 000 Jahre.

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Dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre während der letzten 800 000 Jahre deutlich tiefer lag als heute, konnten die Berner Eiskernspezialisten bereits 2008 aufzeigen. Doch bisher war nicht klar, wie hoch die maximale Geschwindigkeit von natürlichen CO2-Anstiegen sein kann und wie häufig solche Ereignisse überhaupt vorkommen.

Die aktuelle Berner Studie zeigt nun, dass schnelle CO2-Anstiege ein weit verbreitetes Merkmal unseres Klimasystems sind – und dass diese sogar während Warmzeiten stattfinden können. «Bisher hatte man angenommen, dass das Klima während natürlichen Warmzeiten sehr stabil ist und es zu keinen schnellen CO2-Änderungen in der Atmosphäre kam», erklärt Christoph Nehrbass-Ahles, der Erstautor der Studie, in einer Mitteilung. Dass sich schnelle CO2-Sprünge nicht nur während den Eiszeiten, sondern auch während zweier vergangener Warmzeiten nachweisen liessen, überraschte die Forschenden. «Wir haben diese Ereignisse im Eis mehrmals nachgemessen und sind immer zum gleichen Schluss gekommen», erklärt Nehrbass-Ahles. Warum die CO2-Konzentration in der Atmosphäre in vergangen Warmzeiten sprunghaft hochgeschnellt ist, können die Forschenden nicht schlüssig sagen.

Die CO2-Sprünge der vergangenen Warmzeiten werden von dem aktuellen CO2-Anstieg jedoch weit übertroffen: «Diese natürlichen Sprünge der CO2-Konzentration der Atmosphäre geschahen fast zehnmal langsamer als der menschgemachte Anstieg über das letzte Jahrzehnt», sagt Nehrbass-Ahles.

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