Das musst du wissen

  • Der Bericht zum globalen Kohlenstoffbudget prognostiziert den jährlichen weltweiten Ausstoss des Treibhausgases CO2.
  • Demnach sah das Jahr 2020 den grössten Rückgang der CO2-Emissionen seit 150 Jahren.
  • Grund sind die weltweiten Lockdowns und vor allem ein Rückgang des fossilen CO2-Ausstosses im Transportsektor.
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Einen guten Teil des Jahres verbrachten viele Menschen im Home-Office statt im Büro, Alpen statt Balearen stand auf dem Ferienprogramm. Die eingesparten Flugreisen und Pendelwege machen sich nun tatsächlich bemerkbar: 2020 war der weltweite CO2-Ausstoss auf einem Rekordtief. Zu diesem Resultat kommt das «Global Carbon Budget» (GCB), das am 11. Dezember im Fachmagazin «Earth System Science Data» veröffentlicht wurde, und das die Emissionen für das laufende Jahr prognostiziert.

Science-Check ✓

Studie: Global Carbon Budget 2020KommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDas «Global Carbon Budget» stützt sich für seine Vorhersagen auf vier verschiedene Studien. Eine davon nutzt direkte Emissionsdaten verschiedener Länder, die drei anderen nutzen indirekte Daten. Indirekte Daten leiten Emissionen zum Beispiel aus der Auswertung von Navigationssystemen wie TomToms ab, die eine Auskunft über die Mobilität der Menschen geben.Mehr Infos zu dieser Studie...

Demnach sank der fossile CO2-Ausstoss 2020 weltweit um 2,4 Milliarden Tonnen oder 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. «So ein Rückgang ist nie zuvor gesehen worden in den letzten hundertfünfzig Jahren. 2,4 Milliarden Tonnen, das ist einzigartig», kommentiert Julia Pongratz vom Department für Geographie der Ludwig-Maximilians-Universität München und Co-Autorin des Reports die Ergebnisse anlässlich eines Press-Briefings.

Dabei verringerten einzelne Regionen der Welt ihren Ausstoss unterschiedlich stark. Während die USA um 12 Prozent und 27 EU-Länder um 11 Prozent reduzierten, sank der Ausstoss in China um nur 1,7 Prozent. Das liege vor allem daran, dass der Lockdown in China früh im Jahr geschehen sei und sich die Wirtschaft danach schnell wieder erholt habe, so Pongratz.

Einsparung im Transportsektor

Einen grossen Effekt auf die Emissionen hatte die erste Aprilhälfte, als sich weltweit viele Länder im Lockdown befanden. Damals lag der CO2-Ausstoss sogar 17 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.

Hauptverantwortlich für die erfreuliche Nachricht ist der Transportsektor. Der Transport über Land macht etwa 21 Prozent der globalen fossilen Emissionen aus und sein Anteil sank 2020 auf dem Höhenpunkt der Covid-Lockdowns um etwa die Hälfte. Mit von der Partie ist selbstverständlich das Flugwesen, hier sanken die Emissionen gar um 75 Prozent, was allerdings nicht so stark ins Gewicht fällt, da nur etwa 3 Prozent der weltweiten Emissionen auf die Fliegerei zurückgehen.

Auf den ersten Blick sind das gute Nachrichten fürs Klima. Allerdings: Zwar sanken die Emissionen. Doch wir pumpten auch im letzten Jahr Kohlendioxid aus der Verbrennung fossiler Energieträger in die Luft, nur nicht so viel wie sonst. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nahm daher weiter zu, um 2,5 Teile pro Million (ppm). Damit wird die Konzentration des Treibhausgases, so prognostiziert das GCB, 2020 im Mittel einen Spitzenwert von 412 ppm erreichen.

Tropfen auf den heissen Stein

Wenn wir das Klimaziel von Paris, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreichen wollen, dann müsste es eigentlich so weitergehen wie im laufenden Jahr. Allerdings ist die Lahmlegung unserer Wirtschaft keine besonders praktische Lösung um die Emissionen zu senken. Und auf die Jahrhundertdimension gesehen, ist dieses eine Jahr Erholung ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Emissionen näherten sich in der letzten Jahreshälfte schon wieder den Werten von 2019, so Pongratz. So habe sich die Industrie in China und Brasilien schon wieder gut erholt und den Rückgang der Industrie-Emissionen im Rest der Welt wieder wettgemacht. «Es ist jetzt zu früh zu sagen, wie die Emissionen 2021 ausfallen und ob sie auf niedrigem Niveau bleiben.»

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Experten sind sich einig: Um die Emissionen dauerhaft zu senken, ist ein systematischer Wandel nötig, unter anderem in der Energienutzung. Dass dieser Wandel theoretisch möglich ist, zeigt ebenfalls das Coronajahr. Pongratz verweist auf eine Studie, die einen Kostenvergleich machte zwischen Massnahmen zur Erholung der Wirtschaft nach Corona und Massnahmen, die jährlich nötig wären, um den Energiesektor so zu transformieren, dass er mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatibel ist. Demnach kostet die Transformation des Energiesektors nur ein Zehntel von dem was derzeit in den Wiederaufbau der Wirtschaft gesteckt wird. Das zeige, dass die Möglichkeiten für einen Wandel bestünden, so Pongratz. «Es ist eine Frage des Willen.»

Es komme nun darauf an, wie man die Wirtschaft wieder hochfahre. Ob man den Fokus wieder auf fossil-lastige Wirtschaftszweige lege oder ob man diese Chance nutze, für den «Green Recovery», also eine klimafreundliche Erholung der Wirtschaft.

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