Das musst du wissen

  • Phagen sind Viren, die nicht den Menschen, sondern Bakterien befallen.
  • Sie könnten genutzt werden, um Infektionen zu stoppen, wenn die Bakterien gegen Antibiotika resistent sind.
  • Diese Therapie wurde nun versuchsweise angewendet und hat einem Mädchen in England das Leben gerettet.

Die Ärzte hatten Isabelle Holdaway schon fast aufgegeben. Der Körper der britischen Teenagerin war nach einer Lungentransplantation beinahe vollständig von Bakterien in Besitz genommen. Diese infizierten ihre Operationswunde, ihre Leber und bahnten sich sogar einen Weg durch die Haut nach aussen. Eine übliche Therapie mit Antibiotika konnte die Mikroben nicht abtöten – sie waren resistent. Anfang 2018 war das Mädchen extrem abgemagert und die Ärzte konnten nur noch seine Schmerzen behandeln.

Doch ganz hatte sie die Hoffnung nicht aufgegeben. Zusammen mit Forschern aus den USA wagten die Ärzte in London einen Versuch: Statt wie üblich mit Antibiotika, wollten sie die lebensbedrohlichen Bakterien mit sogenannten Phagen bekämpfen. Phagen – das sind Viren, die nicht Menschen, sondern nur Bakterien befallen. Sie sind sozusagen deren natürliche Frassfeinde. Forschende der US-amerikanischen Universität Pittsburgh haben eine Sammlung solcher natürlich vorkommenden Phagen angelegt. Diese durchsuchten sie dann nach solchen, die genau den Mikrobenstamm erlegten, der Isabelle zu schaffen machte.

Schliesslich fanden die Forschenden einen Phagen, der die Bakterien infizierte und tötete. Doch ein Phage allein reichte nicht, denn er liess das Risiko offen, dass die Bakterien resistent würden. Zwei weitere Phagen infizierten die Keime zwar auch, waren beim Abtöten aber wenig effizient. Um diese beiden Phagen für die Bakterien tödlicher zu machen, griffen die Forscher in deren Erbgut ein. Sie entfernten jeweils ein einzelnes Gen – so wurden sie effizientere Bakterien-Killer. Ein Cocktail aus dem natürlichen und den zwei genmanipulierten Phagen wurde Isabelle daraufhin zweimal täglich verabreicht.

Sechs Wochen nach Beginn der Behandlung im Juni 2018 war die Infektion fast vollständig verschwunden, wie die Forschenden nun im Fachblatt Nature Medicine berichten. Zwar wird an der Phagen-Therapie schon lange geforscht, die Behandlung Isabelles stellt aber einen Durchbruch dar – doch noch ist es ein Einzelfall. Ob eine Phagen-Therapie funktioniert, hängt stark von der Art der zu bekämpfenden Bakterien ab und generalisierte Anwendungen sind schwierig.

Isabelle wird unterdessen noch immer mit dem Phagen-Cocktail behandelt. Inzwischen geht sie aber, wie der Guardian berichtet, wieder zur Schule, hat einen Nebenjob und macht ihren Führerschein.

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