Das musst du wissen

  • Langsam, aber sicher kehrt der Wolf in die Schweiz zurück: Mindestens 68 Tiere leben gegenwärtig hierzulande.
  • Wölfe siedeln sich vor allem in Gebieten wieder an, wo sie viel Beute wie Rehe und Hirsche vorfinden.
  • Auch Landnutzung und Landschaft spielen bei der Auswahl der neuen Heimat eine Rolle.

Der Wolf ist zurück. 68 Exemplare gibt es derzeit in der Schweiz, die genetisch identifiziert sind. Acht Rudel leben insgesamt in den Wäldern des Wallis, Graubündens, im Tessin und in der Westschweiz. Wo sich aber Raubtiere wieder ansiedeln, da lässt Unmut und Konflikt nicht lange auf sich warten. Landwirte zum Beispiel fürchten um die Sicherheit ihrer Weidetiere. Letztes Jahr rissen Wölfe allein im Kanton Wallis über 200 Schafe.
_____________

📬 Das Neuste und Wichtigste aus der Wissenschaft, jeden Dienstag und Donnerstag per E-Mail:
Abonniere hier unseren Newsletter! ✉️

_____________

Forschende der Universität Bern haben nun in einer Studie ermittelt, welche Gebiete den Wolf als neue Heimat besonders anziehen – beziehungsweise, welche Faktoren dabei am wichtigsten sind. Die Studie wurde nun im Fachmagazin Journal of Applied Ecology veröffentlicht.

Science-Check ✓

Studie: Deer density drives habitat use of establishing wolves in the Western European AlpsKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDies ist eine der wenigen Studien, die versucht, den Zusammenhang zwischen der Menge an verfügbarer Beute mit der Ansiedelung von Wölfen zu untersuchen. Das Problem liegt dabei bei der Erhebung der Anzahl Wölfe und der Anzahl Beutetiere. Die Schätzungen, die hier verwendet wurden, basieren auf Fotofallen und Spurensichtungen. Die Spurenbeobachtungen hängen aber stark von den Schneeverhältnissen ab. Es wurden stets die tieferen Schätzungen verwendet, sie sind aber trotzdem mit Unsicherheiten behaftet. Die Studie gibt deshalb Hinweise, muss aber bestätigt werden.Mehr Infos zu dieser Studie...

Die Forschenden untersuchten dabei vor allem den Zusammenhang zwischen Beutevorkommen und Wolfspräsenz – und das im Kanton Wallis. Hier leben gegenwärtig mindestens 18 Wölfe. Hierfür stellten sie im Wallis mehr als 100 Fotofallen auf, um dem Wolf auf die Schliche zu kommen. Zudem führten sie Spurenanalysen auf über 200 Streckenabschnitten von Wildwechseln durch, um Schätzungen über die Anzahl vorkommender Beutetiere zu erstellen. Zu diesen gehören Hirsche, Rehe, Gämsen, Steinböcke, Mufflons und Wildschweine.

Die Beobachtungen erstreckten sich über vier Winter, von 2012 bis 13 und von 2015 bis 16. Im Wallis sind bereits seit 1995 einzelne Wölfe unterwegs, der erste Wurf wurde jedoch erst 2016 nachgewiesen. Der Untersuchungszeitraum umfasste damit genau die Phase der ersten Rudelbildung.

Es wurden nur Gebiete ab 500 Metern und unter 2000 Metern eingeschlossen. Zusätzlich wurden flächendeckend Lebensraumfaktoren wie Wetterbedingungen, Landnutzung und Topografie erhoben.

Resultat: Die Forschenden konnten einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Vorkommen der Beute und der Wolfsansiedlung feststellen. Das tönt selbstverständlich, konnte so aber bisher kaum nachgewiesen werden. Besonderen Einfluss hatte die Rudeldichte von Rothirschen, gefolgt von Rehen. «Dieses Muster ist nicht verwunderlich», sagt Professor Raphaël Arlettaz, Leiter des Forschungsprojekts und Direktor des Departements für Biologie der Universität Bern, in einer Mitteilung. «Während Rehe für einzelne Wölfe die einfachere Beute darstellen, sind Hirsche profitabler, wenn gemeinsam gejagt werden kann und Nahrung für Jungtiere benötigt wird.»
Weitere wichtige Ansiedlungs-Faktoren waren die Art der Landschaft und der Landnutzung.

Die Ergebnisse sind laut den Wissenschaftlern wichtig, um die Wiederansiedlung des Wolfes so zu gestalten, dass es zu möglichst wenig Konflikten mit Bauern und Anwohnern kommt. In den Gebieten, wo Ansiedlungen prognostiziert werden, können gezielt Massnahmen ergriffen werden. Denn auch dies habe eine Studie gezeigt: Obwohl Wölfe für den Menschen praktisch keine Gefahr darstellen, führt ungenügendes Wissen dazu, dass viele Menschen der Rückkehr der grauen Pelzträger mit gemischten Gefühlen entgegen sehen.

Diesen Beitrag teilen
Unterstütze uns

regelmässige Spende