Benedikt Meyer


Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzÀhlt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.

NatĂŒrlich: Napoleon. Der Mann, der in der Schweiz das metrische System und eine zentrale Regierung einfĂŒhrte, verordnete ihr 1799 auch eine einheitliche WĂ€hrung: le franc suisse. 1803 war die Zeit des Korsen in der Schweiz aber schon wieder vorbei – und die MĂŒnzhoheit ging zurĂŒck an die Kantone. Erst 1848, mit der GrĂŒndung des Bundesstaats, wurde einheitliches Geld wieder ein Thema. Und so wurden ab 1850 neue Franken geprĂ€gt – zuerst in Paris, spĂ€ter in Bern.

Weiterhin von den Kantonen ausgegeben wurden die Banknoten, was zeigt: Noten waren im 19. Jahrhundert noch eine ziemlich exotische Sache (und nicht besonders relevant). Viel wichtiger waren MĂŒnzen und deren Wert war in Silber definiert. 1865 trat die Schweiz der Lateinischen MĂŒnzunion bei und das bedeutete, einerseits, dass man auch in Frankreich, Belgien, Italien und spĂ€ter sogar in Griechenland mit Schweizer Franken bezahlen konnte – und in der Schweiz mit MĂŒnzen aus jenen LĂ€ndern. Zum anderen bedeutete der Beitritt zur MĂŒnzunion, dass die Schweizer WĂ€hrungspolitik in Paris gemacht wurde. Dort entschied man sich zunĂ€chst fĂŒr den Gold-/Silber- und dann fĂŒr den Goldstandard.

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Erst 1907 erhielt die Schweiz eine eigene Nationalbank. Diese brachte noch im selben Jahr ihre ersten Noten heraus, orientierte sich ansonsten aber weiterhin an Paris – bis die MĂŒnzunion im Ersten Weltkrieg zerbrach. Die Nationalbank hielt auch nach 1929 – als die meisten anderen LĂ€nder den Goldstandard wegen der Weltwirtschaftskrise aufgaben – an der Umtauschbarkeit des Frankens gegen Gold fest. Diese Tatsache brachte dann im Zweiten Weltkrieg Nazi-Deutschland auf die Idee, geraubtes Gold gegen Schweizer Franken zu tauschen, um mit diesen KriegsgĂŒter zu erwerben. Die Schweiz machte bei diesem hĂ€sslichen Handel mit – wie viel Entscheidungsfreiraum sie dabei hatte, ist umstritten.

Ab 1945 wurde der Franken wie die ĂŒbrigen westeuropĂ€ischen WĂ€hrungen an den US-Dollar gebunden. Das System beflĂŒgelte das Wirtschaftswunder, kenterte aber 1973. Von da an begannen die Kurse frei zu schwanken und der Franken wurde bis 1980 gegenĂŒber den wichtigsten ReferenzwĂ€hrungen um etwa 40 bis 60 Prozent aufgewertet, womit die Schweiz zur «Hochpreisinsel» wurde. Was den Franken so attraktiv machte, war einerseits das Bankgeheimnis und andererseits das auf Langeweile ausgerichtete politische System.

Als Schweizerinnen und Schweizer 1992 den EWR ablehnten, sagten sie damit auch Nein zum Euro. Dass sich die umliegenden LĂ€nder als wichtigste Handelspartner inzwischen die WĂ€hrung teilen, kann allerdings auch die Schweizer Nationalbank nicht ignorieren, weshalb sie seit 2011 Mindestwechselkurse festlegt und (soweit es geht) verteidigt.

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