Benedikt Meyers Zeitreise

Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catillons tragischem Ende und von Henri Dunant bis Iris von Roten.

Um das Jahr 1000 v. Chr. kam neben der Bronze das Eisen in Mode. Zur selben Zeit tauchten die Kelten aus den Urwäldern Zentraleuropas auf. Trotzdem müssen wir noch 500 Jahre auf die ersten schriftlichen Quellen warten, denn die Kelten lehnten die Schrift strikt ab. Das zumindest berichten die griechischen und römischen Chronisten, auf die wir uns wohl oder übel verlassen müssen. Aus ihrer Feder stammt auch der Name, unter dem sie die vielen Stämme zusammengefassten: Das griechische «Keltoi» bedeutet «die Tapferen».

Der Siedlungsraum dieser Tapferen erstreckte sich von Ostfrankreich über Süddeutschland und die Schweiz bis zum Wienerwald und der Pannonischen Tiefebene. Die frühe Phase der keltischen Kultur erschliesst sich uns heute vor allem aus archäologischen Funden. Sie wird (nach einem wichtigen Fundort) als Hallstattzeit bezeichnet. Bereits damals handelten die Kelten mit griechischen und etruskischen Städten. Ein Gut, das leicht zu transportieren, vielseitig verwendbar und deshalb nicht nur bei den Kelten begehrt war, war Metall. Die Kelten lagerten es in unzähligen kleinen Festungen. Eine solche lag wenige Kilometer südwestlich von Freiburg auf einem Felssporn beim Zusammenfluss von Saane und Glâne. Auf drei Seiten von steilen Felswänden geschützt, musste das vier Hektar grosse Gelände nur gegen den offenen Westen befestigt werden.

Dort erhebt sich noch heute ein 12 Meter hoher Wall, der die Siedlungsfläche abriegelt. Vor über 2500 Jahren war der Graben allerdings noch tiefer und die Wallkrone noch höher, sodass sich Angreifer einem gut 20 Meter hohen Hindernis gegenübersahen. Die eindrückliche «Schatzkammer» war jedoch nur während relativ kurzer Zeit von überregionaler Bedeutung. Die Funde zeigen eine Hauptbesiedelung zwischen 535 und 480 v. Chr. und der Grund dafür könnte in Griechenland zu finden sein. Möglicherweise rüsteten die dortigen Stadtstaaten aufgrund der Querelen im Vorfeld der Perserkriege massiv auf und benötigten deshalb viel Bronze. Châtillon-sur-Glâne lag an der Handelsroute, auf der das für die Bronze-Herstellung unentbehrliche Zinn aus Cornwall und der Bretagne nach Griechenland gebracht wurde. Dieser Handel dürfte irgendwann um das Jahr 500 herum langsam versiegt sein. Denn mit dem Übergang von der Hallstatt- zur La-Tène-Zeit wurde die Bronze endgültig durch das Eisen verdrängt.

Digital in die Vergangenheit

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