Das musst du wissen

  • Derzeit explodieren die Zahlen an Masernfällen in Europa.
  • Das ruft Politiker auf den Plan, die eine Impfpflicht fordern.
  • Eine europaweite Umfrage hat gezeigt, dass ein solcher Zwang auch impfskeptisch stimmen kann.

Masernfälle haben in der Schweiz drastisch zugenommen. Mit 160 Erkrankungen übersteigen die seit Anfang Jahr registrierten Fälle jene von 2018 bereits um das Dreifache. Zudem verzeichnete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kürzlich die ersten beiden Todesfälle seit zehn Jahren.

Bei den Maserntoten handelt es sich um einen etwa 70-jährigen Krebskranken und einen rund 30-Jährigen, der nicht geimpft war. Gemäss BAG wurde dieser von Angehörigen angesteckt und zwei Tage nach der Infizierung nachgeimpft – diese Notimpfung kam jedoch zu spät. Das alarmiert. Und heizt der Impfdebatte derart ein, dass die Diskussion definitiv zum Politikum wird.

So macht der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn nun Druck und will Impfungen für Kinder zur Pflicht machen. Um etwa Masern zu verhindern, sei eine Impfrate von 95 Prozent erforderlich, steht als Begründung im Gesetzesentwurf. Diese Quote ist identisch mit der hiesigen Einschätzung des BAG.

Gemäss aktuellen Zahlen liegt die Anzahl Geimpfter weit darunter: Schweizweit sind lediglich 87 Prozent der Zweijährigen und 92 Prozent der 16-Jährigen geimpft. Das führt bei der der Nationalrätin Ruth Humbel zu Unmut: «Wer seine Kinder nicht impft, ist asozial», sagt sie zum «Blick». Sofern die angestrebte Impfquote von 95 Prozent nicht bald erreicht werde, fordert die CVP-Gesundheitspolitikerin die Prüfung eines Impfzwangs im Bussensystem durch den Bund.

Wirkung des Impfzwangs ist umstritten

Während über eine nationale Impfpflicht in der Schweiz und in Deutschland noch diskutiert wird, ist eine solche in anderen europäischen Ländern bereits eingeführt. Gegen Masern besteht aktuell in Tschechien, Ungarn, Frankreich und Italien eine Impfpflicht. Insgesamt kennen zwölf EU-Länder eine Verpflichtung, Kinder gegen mindestens eine Krankheit zu impfen. Einige Länder haben den Impfschutz jüngst auf mehr Krankheiten als bisher ausgeweitet – darunter Frankreich und Italien.

Laut dem «Spiegel» zeigen Erfahrungen, dass eine Impfpflicht durchaus funktionieren kann. Allerdings nur, wenn eine solche mit harten Sanktionen verbunden sei. Zudem könne ein Zwang zum Impfen Misstrauen stärken. Eine EU-weite Befragung hat etwa ergeben, dass sich Bürger in Ländern mit Impfpflicht skeptischer gegenüber dem Impfen zeigen, als solche aus Ländern ohne eine solche Verpflichtung.

Es stellt sich die Frage, ob ein Zwang zur Immunisierung überhaupt etwas bringt. Fest steht: Auch in den Ländern mit Impfpflicht haben die Erkrankungen in den letzten Jahren zugenommen.

So stark haben die Masernfälle in Europa zugenommen

In der Europa-Region, zu der auch Länder wie Russland, Israel oder Usbekistan gehören haben sich im Jahr 2018 fast 83’000 Menschen mit Masern angesteckt. Das sind dreimal mehr als im Vorjahr. Damit haben sich laut Weltgesundheitsorganisation in den 53 Ländern der Region so viele Menschen mit Masern angesteckt wie zuletzt vor zehn Jahren. Mit Abstand am schwersten getroffen hat es die Ukraine mit über 53’000 Fällen. Auch Frankreich mit knapp 3000 Fällen und Italien mit rund 2500 Fällen waren stark betroffen.
In der Schweiz ist der Trend gegenläufig: Nach 105 Masern-Fällen im Vorjahr wurden im Jahr 2018 noch 51 Fälle gemeldet. Seit Anfang 2019 sind die Zahlen aber regelrecht explodiert: Mit 160 Masernerkrankten sind es jetzt schon dreimal so viele Fälle wie im ganzen vergangenen Jahr.

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