Das musst du wissen

  • Bei der Xenotransplantation wollen Mediziner Schweineherzen in andere Tiere transplantieren – auch in Menschen.
  • Dass dafür Tiere als Organspender und Testsubjekte hinhalten müssen, geht Tierschützern gegen den Strich.
  • Gegen ihre Vorwürfe wehren sich Experten der Xenotransplantation.

Das Thema Tierversuche erhitzt die Gemüter. Der Verein zur Abschaffung der Tierversuche, ansässig in Zürich, wirbt mit schockierenden Inseraten gegen Tierversuche jedweder Art. So auch kürzlich in einem Schweizer Konsumentenmagazin. «Müssen gentechnisch vermenschlichte Schweine als Organspender für schwerkranke Menschen bald herhalten?», fragt der Verein im Inserat vorwurfsvoll. Nun, was sagen Experten dazu?

«Ich bin der Überzeugung, dass man Menschen helfen soll, wenn man kann. Und gewissen Menschen kann man dank des technischen Fortschritts helfen», sagt Jürg Steiger vom Universitätsspital Basel, der seit vielen Jahren im Gebiet der Transplantation forscht und arbeitet. Wenn Zellen einer Spezies in den Körper einer anderen Spezies implantiert werden, dann spricht man von Xenotransplantation. Doch die Forschung ist noch nicht so weit, dass Organe beispielsweise vom Schwein in den Menschen eingesetzt werden. Und genau das spricht das Inserat an.

Schweine eignen sich besonders gut als Organspender für Menschen, weil ihre Organe eine ähnliche Grösse haben und sie auch Allesfresser sind. Eine Hürde bei der Xenotransplantation ist aber, dass das menschliche Immunsystem Organe von anderen Spezies angreift und abstösst. «Um das zu umgehen, versucht man, die fremden Organe genetisch so zu verändern, dass der Körper des Empfängers sie nicht oder nur teilweise als fremd erkennt. Dadurch werden die zu transplantierenden Organe verträglicher und die Immunreaktion weniger heftig», sagt Steiger.

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Dass für die Forschung im Bereich Xenotransplantation Tiere missbraucht werden, finden Tierschützer verwerflich. Denn Forschende verpflanzen Schweineherzen testweise in Paviane, um zu sehen, ob die Primaten damit überleben können. Einige Tiere lebten mit gespendetem Herz länger als ein halbes Jahr, und zwar aktiv und fit. Dann mussten sie aus rechtlichen Gründen eingeschläfert werden. Doch der Tierschutzverein wirft den Wissenschaftlern vor, Tierversuche würden nichts bringen, weil sie nichts darüber aussagten, wie eine Methode beim Menschen funktionieren würde. «Paviane sind keine Menschen», deklarieren sie.

Dass Tierversuche keine klinischen Versuche am Menschen ersetzen können, stimme, sagt Robert Rieben, Immunologe an der Universität Bern, der seit zwanzig Jahren im Bereich der Xenotransplantation forscht. «Allerdings gehören Tierversuche zum wissenschaftlichen Standardprozedere und sind absolut unerlässlich. Alle unsere heutigen Medikamente beruhen auf Tierversuchen, von der Transplantation bis zur Krebsmedizin», so Rieben.

Der Spezialfall Xenotransplantation stellt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber vor eine weitere Herausforderung: Viren, Bakterien und Parasiten. Um die Erreger im Schweinekörper machen sich auch die Tierschützer in ihrem Inserat Sorgen. Denn bei einer Transplantation könnten die Krankheitserreger in den menschlichen Körper übertreten und ihn krank machen, monieren sie. «Früher hat uns das tatsächlich Sorgen bereitet», sagt Experte Robert Rieben dazu, «doch mittlerweile haben wir herausgefunden, was es braucht, damit Viren von Schweinen menschliche Zellen infizieren, und können das geschickt umgehen». Ausserdem lebe der Mensch schon seit Jahrtausenden auf engstem Raum mit dem Schwein zusammen und habe natürliche Abwehrmechanismen gegen dessen Erreger entwickelt. Gemäss Rieben ist das Infektionsrisiko bei Schweine-Organen sogar kleiner als bei Spenderorganen von verstorbenen Menschen.

Jürg Steiger vom Universitätsspital Basel sagt abschliessend: «Auch zur Erzeugung von Fleisch werden Tiere gebraucht und ein lebensrettendes Organ finde ich einen sinnvolleren Nutzen als ein Steak».

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