Benedikt Meyer


Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.

Wuchtige Riffs, steile Soundwände, komplexes Geklimper: Frank Zappa und die «Mothers of Invention» spielten im Casino von Montreux. Plötzlich gab ein Fan einen Schuss aus einer Leuchtpistole ab. Die Decke fing Feuer und der Saal wurde evakuiert. Zu schaden kam glücklicherweise niemand, aber das Casino brannte nieder – auch das Equipment der «Mothers» wurde komplett zerstört.

Wahrscheinlich wäre die Geschichte bloss eine Anekdoten in Zappas bunter Biografie geblieben, aber die Musiker von «Deep Purple» beobachteten das Feuer von ihrem Hotel aus. Sie hatten im Casino ihr nächstes Album aufnehmen wollen – nun sahen sie Rauch auf dem Wasser und Feuer am Himmel; «Smoke on the Water, Fire in the Sky».

«Deep Purple» kamen in einem anderen Gebäude unter, aber dort fühlten sich die Nachbarn gestört. Sie fanden ein altes Hotel, quartierten sich ein, mieteten von den «Rolling Stones» das nötige Material und nahmen ihr Album «Machine Head» auf, das 1972 erschien. Auf diesem findet sich auch «Smoke on the Water», ein Song mit einfachem, aber extrem eingängigem Intro, der bald zum Welterfolg, ja zur Ikone der Popkultur wurde. Dem berühmten Intro folgt die Zeile «We all came out to Montreux …»

Der kleine Ort am Léman avancierte zum Musikmekka. Gründe dafür waren vor allem die Ruhe, die Landschaft, die Patina der Belle-Epoque und die Gastgeberqualitäten von «Monsieur Montreux», Claude Nobs. Nobs‘ Jazzfestival wurde zum internationalen Geheimtipp, auf dem Musikgrössen von «Led Zeppelin» bis Leonard Cohen, von Keith Jarrett bis Miles Davis, von Ella Fitzgerald bis Aretha Franklin, von BB King bis «ZZ Top» spielten.

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«Queen» richteten hier ein eigenes Studio ein, in welchem bei einer Jam-Session mit David Bowie auch der Song «Under Pressure» entstand. Auch ihr allerletztes Album spielten die britischen Glam-Rocker in Montreux ein. «Made in Heaven» erschien vier Jahre nach Freddy Mercurys Tod. Auf dem Cover prangt die drei Meter grosse Statue des Sängers am Genfersee. Montreux wurde zum Fixpunkt der Musikgeografie. Nicht nur, aber auch weil 1971 das Casino in Flammen stand.

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