Smartphones oder Roboter sind aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Um sie zu entwickeln, braucht es Spezialisten wie Ingenieure, Informatikerinnen oder Softwareentwickler.

Doch solche Fachkräfte fehlen den technologieaffinen Branchen immer mehr. Mittlerweile haben die Firmen sogar grosse Mühe, die offenen Stellen zu besetzen. «Und keine Besserung ist in Sicht, weil bald viele Fachkräfte in Pension gehen», sagt Peter Kels, Projektleiter am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie der Hochschule Luzern (HSLU).

Um den Mangel abzufedern, hat man bisher den Nachwuchs mit Programmen an Schulen gefördert oder zusätzlich Experten aus dem Ausland rekrutiert.

«Jetzt muss sich auch in den Firmen etwas verändern», sagt Kels. Denn er hat in einer Studie zusammen mit der Berner Fachhochschule gezeigt, dass 36 Prozent der Fachleute in Unternehmen mit ihrer Stelle unzufrieden sind und sich nach etwas Besserem umsehen. Diese hohe Kündigungsbereitschaft hängt mit falschen Anreizsystemen in den Firmen zusammen. Die Personalverantwortlichen wollen die Fachkräfte zum Teil nur mit Lohnerhöhung oder Beförderungen verpflichten. «Doch das reicht nicht», sagt Kels.

Denn Ingenieure und Entwickler wünschen sich auch herausfordernde Arbeiten. Sie sind dann zufrieden, wenn sie an komplexen Projektaufgaben tüfteln können. Wichtig ist ihnen auch eine Führungskultur, die auf Kollegialität und Augenhöhe setzt anstatt auf «Hire and Fire»-Mentalität. Daneben sind flexible Arbeitszeitmodelle hoch im Kurs, wozu einzelne Tage im Homeoffice gehören.

Lohn ist nicht das Wichtigste

Warum Fachleute nicht nur auf finanzielle Anreize anspringen, weiss die Geschäftsführerin von IngCH, Andrea Leu, die mit ihrer Organisation etwa Mathematik oder Informatik in der Schule fördert: «Sie wählen ihren Beruf aus Interesse. Lohn spielt zuerst einmal keine Rolle.» Die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz überrascht sie dennoch, genau wie Jonas Lang, stellvertretender Kommunikationschef von Swissmem. Der industrielle Branchenverband beklagt den Fachkräftemangel häufig. Doch der Handlungsspielraum in den Unternehmen sei momentan eingeschränkt, sagt Lang, «weil unsere Mitgliederfirmen mit den Folgen des starken Frankens kämpfen». Gerade deswegen sollten die Manager die Ergebnisse der Studie beherzigen, erklärt HSLU-Forscher Kels: «Denn sonst laufen die klügsten Köpfe zur Konkurrenz über.»

Die Erstversion dieses Beitrags erschien am 23. September 2016.
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