Das musst du wissen

  • Die Waldbrände im Amazonas sind in diesem Jahr besonders intensiv.
  • Der tropische Regenwald ist ein CO2-Speicher. Brennt er, entweicht das Treibhausgas in die Atmosphäre.
  • Es ist aber nicht so, dass wegen der Brände weniger Sauerstoff für uns zur Verfügung steht.

Der Amazonas brennt so intensiv wie lange nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Feuer um 83 Prozent gestiegen. Ein Problem, tweetet der französische Präsident, denn der Wald sei unsere Lunge, die 20 Prozent des Sauerstoffs auf unserem Planeten produziere. Das legt nahe, dass mit den Bränden auch die Luft zum Atmen knapp wird.

Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Zwar stimmt es, dass 34 Prozent des Sauerstoffs, der weltweit von Pflanzen auf dem Land abgegeben wird, aus dem Regenwald stammen – die Hälfte davon, also knapp 20 Prozent, aus dem Amazonas. Das Gas kommt aus der Photosynthese der Pflanzen, die CO2 und Wasser zu Sauerstoff und Zucker umwandelt – und dies mit Hilfe von Sonnenlicht. Den Kohlenstoff speichern die Pflanzen, beispielsweise in Holz, den Sauerstoff geben sie in die Luft ab.

Doch Pflanzen scheiden nicht nur Sauerstoff aus, sie atmen ihn auch wieder ein. Denn nachts, ohne Sonnenlicht, kann keine Photosynthese stattfinden. Dann brauchen auch Pflanzen Sauerstoff, um zu überleben. Ausserdem sterben in dem Wald als Ökosystem auch immer Bäume ab, verfaulen und werden durch Insekten und Mikroorganismen zersetzt – diese verbrauchen ebenfalls Sauerstoff.

«Im gesamten Lebenszyklus produziert ein Wald genau soviel Sauerstoff wie er auch wieder verbraucht», sagt Jürgen Blaser, Dozent für internationale Forstwirtschaft und Klimawandel an der Berner Fachhochschule. «Es ist ein Nullsummenspiel.»

Es ist als nicht so, dass uns wegen des brennenden Amazonas die Luft zum Atmen ausgeht. Denn: Sauerstoff gibt es in unserer Luft zu genüge. Ungefähr ein Fünftel besteht aus Sauerstoff. «Da spielt es keine grosse Rolle, ob ein Wald da ist oder nicht», sagt Blaser. Denn neben Wäldern stellen auch Kleinstlebewesen im Meer, das Phytoplankton, einen grossen Teil des Sauerstoffs her.

Viel wichtiger, so Blaser, sei die Funktion des Waldes, Kohlenstoff aus der Luft abzusondern und es zu speichern. Wird der Wald durch Brände oder Rodungen zerstört, dann wird dadurch der gespeicherte Kohlenstoff frei. Weil sein Anteil an der Luft aber sehr gering ist – etwa 500-mal geringer als Sauerstoff – haben, anders als beim Sauerstoff, bereits kleine Schwankungen einen grossen Effekt. Das freiwerdende CO2 trägt zum Beispiel zur Erderwärmung bei.

Deswegen wird das Bewalden von zuvor unbewaldeten Flächen auch oft als Ansatz vorgeschlagen, um langfristig Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu ziehen und so die Erderwärmung zu begrenzen.

Allerdings: «Man kann den Verlust von tropischen Wäldern nicht mit Aufforstungen im Norden, zum Beispiel der russischen Taiga kompensieren», sagt Blaser. Denn der Wald im Norden wachse dreimal langsamer als jener im Süden. «Wichtig wäre es, den tropischen Regenwald wieder aufzuforsten oder ihn gar nicht erst zu zerstören.»

Dass er im Moment aber dennoch durch die Flammen zerstört wird, ist also wirklich ein Problem. Aber nicht, weil wir dann weniger Sauerstoff, sondern noch mehr CO2 in der Atmosphäre haben.

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