Wenn dieser Tage der Mais ausgesät wird, kommen auf den Feldern tonnenschwere Traktoren zum Einsatz – und die Maschinen werden immer grösser. Das ist ein Risiko für die Böden: Das hohe Gewicht kann sie so stark zusammendrücken, dass Wurzeln Mühe haben, einen Weg zu finden.

Auf nationaler Ebene gibt es keine Statistik, doch Zahlen aus der Zentralschweiz zeigen, dass dort durch diese Verdichtung ein Drittel der Landwirtschaftsfläche erheblich gefährdet ist. Und ein weiteres Drittel ist bereits so stark verdichtet, dass Massnahmen nötig sind. Auch im Rest des Landes dürfte die Lage bedenklich sein, sagt der Bodenwissenschaftler Peter Weisskopf von der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz bei Zürich. «Kritisch ist vor allem, mit Maschinen über nasse Böden zu fahren», sagt er, «denn das schädigt den Boden sehr stark.»

Wie diese Schäden behoben werden können, ist bislang aber kaum erforscht. Deshalb startete die Agroscope im Jahr 2014 einen Langzeitversuch. Auf einem zwei Hektar grossen Acker verdichteten Wissenschaftler den Untergrund absichtlich und untersuchten die Folgen.

Im ersten Jahr nach der Verdichtung nahm der Ertrag an Feldfrüchten um 20 bis 80 Prozent ab, je nach Pflanze und Witterungsverhältnissen. Wasser versickerte dreimal schlechter und die Zahl der Regenwürmer halbierte sich innerhalb von zwei Monaten. Doch zur Überraschung der Forscher passte sich das angepflanzte Getreide an: Es übernahm Funktionen des Bodens und transportierte Luft durch verändertes Wurzelgewebe in den Boden. Allerdings erreichten die Wurzeln tiefere Schichten nicht mehr.

Tief liegendes Problem

Um den Boden zu regenerieren, pflügten die Forscher den Testacker anschliessend um. Dadurch verbesserte sich zwar die Grobstruktur des Bodens – fast wie vor der Verdichtung. Doch die feinen Porennetzwerke liessen sich nicht wiederherstellen, der Luft- und Wasserhaushalt blieb problematisch. Und: «Das wahre Problem ist der Unterboden», sagt Weisskopf. Solange dieser zu dicht ist, gelangen Wurzeln kaum dort hin – die Pflanzen sind anfällig auf trockene Phasen. Zwar sei ein stark verdichteter Unterboden hierzulande eher selten, sagt Weisskopf. Doch dort wo das Problem bestehe, sei es lange anhaltend: Mindestens zehn Jahre lang bleibt der Ertrag eingeschränkt.

«So schwere Schäden sollten besser gar nicht erst entstehen», sagt Weisskopf. Bauern sollten nasse Äcker nach Möglichkeit nicht befahren und ihre Felder ganzjährig bepflanzen, damit die Wurzeln die Bodenstruktur verbessern. Auch Organisationstalent und Ideen seien gefragt: Zum Beispiel liesse sich Gülle mit Schläuchen anstatt mit schweren Fässern ausbringen.

Für die bereits verdichteten Felder möchten die Forscher die optimale Kombination von Massnahmen finden, um den Boden möglichst schnell zu regenerieren. Weitere sechs Jahre soll der Versuch dauern.

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