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Der Podcast verschriftlicht:

 

(Ausgelassen: Die Diskussion über die aktuellen Fallzahlen und die Trends, die Effekte der Massnahmen.)

Jan Vontobel: Die Frage der Masken: Was bringt etwas, und für wen?

Aktuell wird die Verwendung von Masken eben so häufig wie kontrovers diskutiert. Laut BAG braucht es nur schon über 1,2 Millionen Gesichtsmasken pro Tag um das Gesundheitspersonal ausreichend zu schützen. Es hat also im Moment noch zu wenige Masken in der Schweiz, als dass die ganze Bevölkerung, auch diejenigen ohne Symptome, diese tragen könnten. Die Gesichtsmasken müssen also umsichtig eingesetzt werden. Beat Glogger, ist es sinnvoll eine Maske zu tragen, auch wenn ich gar keine Symptome habe?

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Beat Glogger: Das kommt sehr auf den Maskentyp an. Die gängigen Staubmasken, die man im Baumarkt kaufen kann, oder auch die günstigen Masken, die man im Multipack für etwa 50 Rappen pro Stück kaufen kann, schützen die Gesunden nicht vor dem Virus.

Wenn sich aber eine infizierte Person kurz in die Öffentlichkeit begeben muss – zum Beispiel zum Arzt gehen muss – ist es sicherlich nützlich, eine Maske zu tragen. Auch wenn es nur eine billige Wegwerfmaske ist, die man im Multipack für etwa 50 Rappen kaufen kann. Dann gibt es die Masken für das Gesundheitspersonal. Diese filtern die Viren sicherlich heraus, sind aber nicht einfach in der Anwendung. Diese sollte man den Profis überlassen.

Jan Vontobel: Das renommierte Wissenschaftsjournal Lancet hat kürzlich versucht, die verschiedenen Empfehlungen zusammenzustellen, denn da gibt es ja unterschiedliche Ansätze. China zum Beispiel empfiehlt Masken zu tragen, andere Länder sind da zurückhaltender. Wir haben Urs Pauli, Biosicherheitsbeauftragter vom Institut für Immunologie und Virologie des BAG dazu befragt.

Was ist die wissenschaftliche Sicht auf die Maskenfrage? Sind auch billigere Gesichtsmasken sinnvoll?

Urs Pauli: Grundsätzlich muss man betonen, dass unsere Hände der wichtigste Faktor der Übertragung des Virus auf unsere Schleimhäute sind, weil wir uns pro Stunde fünfzehn bis zwanzig Mal an den Kopf greifen und so auch Mund oder Nase berühren. Das Tragen der Maske schützt uns also vor allem über die Nebenwirkung, dass der Virus nicht mehr so einfach von den Händen auf unsere Schleimhäute gelangt. Noch besser ist es allerdings, sich die Hände oft zu waschen.

Die Maske kann dann nützlich sein, wenn die Nähe zu anderen Leuten nicht vermieden werden kann. Wenn sie aber alleine im Wald unterwegs sind brauchen sie keine Maske.

Jan Vontobel: Sie haben verschiedene Maskentypen untersucht – welche sind denn nützlich?

Urs Pauli: Wir haben untersucht, wie nützlich die verschiedenen Maskentypen als Schutz vor dem Virus sind, weil wir im Labor hohen Konzentrationen von Keimen ausgesetzt sind.

Da gibt es einerseits die sogenannten chirurgischen Masken, die weitverbreitet sind. Dann haben wir Masken, die Partikel herausfiltern, von FFP1 bis FFP 3.

Die chirurgischen Masken haben fast keine Filterwirkung, wenn es darum geht, das Eindringen des Virus zu verhindern. Anstelle von 200 Partikeln gehen noch 180 Partikel durch die Maske. Das entspricht auch dem Resultat anderer wissenschaftlicher Studien.

Wenn wir hingegen die FFP 3 Atemschutz Masken analysieren, so sind diese effektiv: Es gelangen 100 bis 1000-mal weniger Partikel in die Atemwege hinein. Aber: Diese sind nicht einfach zu handhaben, machen das Atmen schwierig und sollten dem Gesundheitspersonal vorbehalten bleiben.

Jan Vontobel: Wir haben jetzt über den Schutz vor einer Ansteckung gesprochen. Wie sieht es aber aus, wenn es um die Verbreitung des Virus geht? Halten die günstigen Hygienemasken die Viruströpfchen zurück, wenn eine infizierte Person hustet?

Urs Pauli: Ja – genau in dieser Situation hilft auch die günstige Hygienemaske. Natürlich kommen auf der Seite immer noch Tröpfchen hinaus, aber der grösste Teil von dem, was man raushustet, wird durch die Maske zurückgehalten.

Jan Vontobel: Beat Glogger, das wäre doch ein Grund, um das allgemeine Maskentragen zu empfehlen?

Beat Glogger: Wenn alle eine solche Maske tragen, auch wenn es keinen Verdacht auf Ansteckung gibt, hätten wir bald ein Problem mit der Verfügbarkeit. Wie gesagt, die Masken nützen, wenn eine Person infiziert ist. Aber dass Gesunde die Maske tragen, könnte die Knappheit verschärfen.

Jan Vontobel: Herr Pauli, es gibt ja auch Anleitungen zum Selbstherstellen von Masken, Empfehlungen das auch nur das Tragen von einem Schal um den Mund hilfreich sein kann.

Urs Pauli: Das ist eigentlich die gleiche Situation wie mit den chirurgischen Masken. Diese Tücher können vom Virus leicht durchdrungen werden. Aber auch hier gäbe es den indirekten Effekt, dass man sich nicht ins Gesicht greifen kann, dass das Virus also weniger schnell auf die Schleimhäute gelangen kann.

Jan Vontobel: Wenn man jetzt so eine selbstgemachte Maske hat kann man diese waschen und wieder verwenden?

Urs Pauli: Wenn Sie eine Maske auf 90 Grad waschen können oder für eine halbe Stunde bei hundert Grad in den Ofen stecken können, dann ist sie danach sicherlich virenfrei.

Jan Vontobel: Wenn ich Sie jetzt recht verstehe, Herr Pauli, wäre es doch sinnvoll, wenn die ganze Bevölkerung ein Tuch oder eine Maske tragen würde?

Urs Pauli: Das ist dort sinnvoll, wo wir uns unter Leuten bewegen. Wenn ich alleine unterwegs bin, bringt das nichts.

Beat Glogger: Ich sehe das auch so. Im Wald schwirren keine Viren herum. Die Viren werden in kleinen Wassertröpfchen ausgeschieden und diese sinken relativ schnell zu Boden. Wer also in den Wald geht braucht keinen solchen Schutz.

Und nochmals zu den selbstgenähten Masken: Auch bei mir zu Hause haben wir solche Anleitungen bekommen. Wenn das den Leuten ein Gefühl vermittelt, dass sie etwas gegen das Virus tun, dann ist das in Ordnung. Aber man darf sich deswegen nicht in falscher Sicherheit wiegen.

Jan Vontobel: Das wäre dann die grosse Gefahr, dass die Leute den Abstand zu anderen Personen nicht mehr einhalten, weil sie ja eine Maske tragen.

Urs Pauli: Das ist definitiv ein Problem.

Jan Vontobel: Das Fazit. Am wichtigsten ist immer noch, Distanz zu halten und die Hände waschen.

Dieser Podcast wurde verschriftlicht von unserer Leserin Corinne Pernet. Falls du auch Zeit und Lust hast, eine Episode des Coronavirus-Podcasts zu transkribieren – melde dich bei uns via info@higgs.ch. Vielen Dank!

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higgs produziert in Kooperation mit Radio 1 einen täglichen Podcast zur Corona-Pandemie. higgs-Gründer Beat Glogger und Radio-1-Chefredaktor Jan Vontobel analysieren das aktuelle Geschehen möglichst unaufgeregt mit Hintergrundinformationen aus der Wissenschaft. Auf Radio 1 wird die Sendung täglich von Montag bis Freitag nach den 16-Uhr-News ausgestrahlt.
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