Das musst du wissen

  • Ein homöopathisches Präparat lindere Nervenschmerzen genauso gut, wie das Medikament Gabapentin, sagt eine Studie.
  • Allerdings wird die Studie von mehreren Wissenschaftlern angezweifelt, die Fehler in den Daten der Studie aufdeckten.
  • Das Fachmagazin «Scientific Reports», das die Arbeit publizierte, hat angekündigt, diese nochmals genau zu überprüfen.

Befürworter der Homöopathie können sich scheinbar auf eine neue Studie stützen. Die kürzlich im renommierten Fachjournal «Scientific Reports» publizierte Arbeit von indischen Forschenden ergab, dass ein homöopathisches Pflanzenpräparat gegen Nervenschmerzen wirke, zumindest bei Ratten.

Dieses Ergebnis hat die homöopathische Community begeistert aufgenommen. Doch nun steht die Studie in der Kritik: Mehrere Wissenschaftler bemängeln den Versuchsaufbau und haben ausserdem schwerwiegende Fehler in Grafiken und Zahlen der Publikation aufgedeckt.

Die Studie untersuchte einen Extrakt des Eichenblättrigen Giftsumachs, häufig Rhus toxicodendron oder kurz Rhus Tox genannt. In der Homöopathie sollen solche Extrakte Entzündungen hemmen und Schmerzen lindern. Das scheint die Arbeit auf den ersten Blick zu bestätigen: Das homöopathische Präparat lindere Nervenschmerzen genauso gut wie das rezeptpflichtige Medikament Gabapentin, so das Ergebnis.

Die Forschenden hatten extreme Verdünnungen des Rhus-Tox-Extrakts an Zellkulturen und an lebenden Ratten getestet. In den Zellkulturen senkte Rhus Tox die Konzentration von entzündungs- und schmerzfördernden Botenstoffen. Bei den Ratten testeten die Forscher die Schmerzempfindlichkeit. Nachdem jeweils acht Versuchstiere zuerst zwei Wochen lang entweder den Rhus-Tox-Extrakt, das Schmerzmedikament Gabapentin oder eine Salzlösung erhalten hatten, beobachteten die Forschenden, wie die Tiere auf schmerzhafte Stimuli reagierten. Das Ergebnis: Die Behandlung mit Rhus Tox erhöhte die Schmerzschwelle der Ratten, was auf einer Verringerung des Nervenschmerzes hindeute, berichten die Forschenden.

Doch schon bald zogen mehrere Wissenschaftler die Studie in Zweifel. Unter anderem wegen der kleinen Anzahl an Versuchstieren und weil die Studie nicht vollständig blind durchgeführt wurde. Bei einer Blindstudie ist sichergestellt, dass die Forschenden selbst nicht wissen, welches Versuchstier welche Substanz erhalten hat, sodass sie das Ergebnis nicht beeinflussen.

Und mehr noch: In der Publikation der Resultate erscheint die gleiche Grafik zweimal, obschon sie Messungen mit unterschiedlichen Rhus-Tox-Verdünnungen darstellen soll. Und die Datenpunkte von zwei Rattenversuchen sind sich so ähnlich, dass sie kaum von zwei verschiedenen Experimenten kommen können, kritisieren Wissenschaftler.

Die Studienautoren um den Pharmakologen Chandragouda Patil liessen verlauten, die Fehler seien durch Verwechslungen von Grafiken und Tippfehler entstanden. Sie würden aber nicht die wissenschaftlichen Schlussfolgerungen verändern. Allerdings räumt Patil selbst ein, dass sich die Resultate nicht auf den Menschen übertragen lassen.

Inzwischen hat das Fachjournal «Scientific Reports» – es gehört übrigens zum selben Verlag wie das renommierte «Nature» – die Studie mit einem Hinweis auf die fachliche Kritik versehen und will die Arbeit noch einmal gründlich prüfen. Es sieht danach aus, als würde sich ein vermeintlicher Beweis für die Wirksamkeit von Homöopathie wieder mal in Rauch auflösen.

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