2018 erreichte der Wasserstand des Mittelrheins ein Rekordtief. Der wichtigste Pegelstand für die Schifffahrt, der Rheinpegel in Kaub, wurde im Oktober mit gerade noch 25 Zentimetern gemessen – im Normalfall ist er fast zwei Meter höher. Dazu geführt hatte eine extrem trockene Wetterlage, die bis November, und nicht nur hier, zu aussergewöhnlich niedrigen Wasserständen führte.

Die Loreley, die sich einige Kilometer rheinabwärts befindet, glotzte von ihrem Felsen aus auf einen leeren Fluss. Wetterunfall. Vollsperrung auf Europas meistbefahrener Wasserstrasse. Der 800 Kilometer lange, sonst sehr geschäftige Fluss-Highway zwischen Rheinfelden und Rotterdam war teilweise nicht mehr schiffbar. Und viel zu warm.

Vollsperrung auf Europas meistbefahrener Wasserstrasse

Die toten Fische waren dabei das kleinste Problem. Es ist fast unmöglich, die Transportkapazitäten des Rheins auf dem Land zu ersetzen. Versorgungsengpässe im Süden Deutschlands und in der Schweiz waren die Folge. Benzin und Diesel wurden teurer, Süddeutschland und die Schweiz mussten ihre Reserven angreifen. Kraftwerke mussten wegen hoher Temperaturen und fehlendem Nachschub ihren Betrieb drosseln (siehe auch Infosperber: «Strom ohne Ströme?»). Der Gaspreis stieg um 13 Prozent. Die BASF kosteten die niedrigen Wasserstände um die 250 Millionen Euro, andere deutsche Unternehmen hatten deutliche Lieferengpässe, wusste «Bloomberg» zu berichten. Das deutsche Wirtchaftswachstum bekam wegen dieser Untiefen einen wetterbedingten Dämpfer. BASF-Chef Martin Brudermüller forderte umgehend Infrastruktur-Massnahmen.

Der Rhein wird seichter: Durchschnittliche Rheintiefe in Kaub von Juni bis September.WSV

Der Rhein wird seichter: Durchschnittliche Rheintiefe in Kaub von Juni bis September.

Ab November normalisierte sich die Lage wieder, Ende Dezember konnten Tanker wieder mit voller Last fahren. Statistisch gesehen, so das Bundesamt für Umwelt, kommt eine solches Niedrigwasser am Schweizer Abschnitt des Rheins alle fünf bis zehn Jahre oder – bei einigen Messwerten – nur alle 100 Jahre vor. Durch den Klimawandel könnten sich extrem trockene Wetterlagen aber öfter wiederholen.

Dem Wasserschloss Schweiz geht die Batterie aus

Sommerliches Rhein-Niedrigwasser wird auf jeden Fall wahrscheinlicher, das sagten Experten schon vor fünf bis zehn Jahren voraus. Denn da wäre noch das schwindende Gletschereis in den Alpen. Bis Ende des Jahrhunderts wird es nach Schätzungen des NCCS (National Centre for Climate Services) im Einzugsgebiet des Rheins quasi keine Gletscher mehr geben.

In Zukunft wird es im Sommer weniger und im Winter mehr Wasser in den Flüssen haben.Prognose und Grafik: NCCS

In Zukunft wird es im Sommer weniger und im Winter mehr Wasser in den Flüssen haben.

Weil es wärmer wird, wird auch die Schneefallgrenze steigen. Es wird weniger schneien und mehr regnen, eventuell auch heftiger als jetzt. Die Pufferfunktion der Alpen – Schnee und Eis – geht dabei verloren. Die Folge sind niedrigere Wasserstände im Sommer und höhere Wasserstände im Winter. Paradoxerweise steigt dadurch sowohl die Wahrscheinlichkeit für Hoch- wie auch die Wahrscheinlichkeit für Niedrigwasser.

Je trockener es ist, desto grösser ist der Schmelzwasseranteil im Rhein. Bei der extremen Trockenheit 2003 stammte ein Drittel des Wassers im Rhein bei Basel aus Gletschereis, bei Lobith an der deutsch-niederländischen Grenze war es noch ein Fünftel. Besonders hart trifft diese Entwicklung den Mittelrhein, obwohl auch die Schifffahrt bei Basel in den letzten Jahren immer öfter betroffen war.

Der Fährmann Kevin Kilps, den «Bloomberg» auf der Autofähre bei Kaub begleitet hat, hat daraus schon Konsequenzen gezogen und zusätzliche Schwimmer an seiner Fähre angebracht. «Man kann sehen, wie die Pegel jedes Jahr niedriger werden», sagt er.

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