Über wie viele Duftstoffrezeptoren verfügt ein Mensch?

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Das Riechgewebe ist eines der wenigen Nervengewebe, das sich ständig aus Stammzellen erneuert. Unsere Riechzellen sind in der Nasenhöhle ständig der Aussenwelt ausgesetzt. Sie sterben schon nach wenigen Wochen ab und werden durch neue Riechzellen ersetzt. In den Zellen sind spezielle Rezeptorproteine eingelagert, mit denen wir einen Duftstoff detektieren. Beim Menschen sind es ungefähr 400 verschiedene Duftstoffrezeptoren. Hunde besitzen um die 900 Rezeptorproteine, was ihnen Erstaunliches ermöglicht: Sie folgen Geruchsfährten über lange Strecken, erschnüffeln Substanzen in scheinbar fest verschlossenen Behältern und sogar ob ein Mensch krank ist oder Angst hat, können Hunde riechen. Ratten sind mit einer noch grösseren Vielfalt ausgestattet, über 1200 von den Duftstoffrezeptoren sind in ihren Nasen zu finden. Die Genfamilie, welche die Informationen für den Bau der Rezeptorproteine bereitstellt, ist heute riesig. Doch die vielen Rezeptorproteine stammen vermutlich von nur einem einzigen Duftstoffrezeptor-Gen ab.

Warum können Düfte so lebhafte Erinnerungen wecken?

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Wir riechen an der Sonnencrème und spüren förmlich Sonne, Wärme und Sand auf der Haut. Nase und Gedächtnis sind nämlich auf besondere Weise verknüpft: Unser Geruchssinn ist der einzige, der direkt mit dem Emotionszentrum unseres Gehirns verbunden ist. Duftreize gelangen geradewegs zur sogenannten Amygdala, dem Hirnbereich, der emotionale Erfahrungen und Erinnerungen verarbeitet. Und zum benachbarten Hippocampus, der beim Lernen eine wichtige Rolle spielt. Beide Strukturen sind Teil des limbischen Systems, das allen Säugetieren gemein ist und Gefühle, Antrieb und Lernfähigkeit kontrolliert. Diese Verbindung ist der Grund, wieso Düfte einen unmittelbaren Einfluss auf unsere Laune haben können. In der Psychologie könnte man sie sich zu Nutze machen, um die Stimmung aufzuhellen und die psychische Gesundheit so zu fördern.

Wie nennt man einen eingeschränkten Geruchsinn in der Fachsprache?

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Anosmos stammt aus dem Griechischen und bedeutet geruchlos, analog dazu bezeichnet Anosmie den teilweisen oder vollständigen Verlust des Geruchssinns. Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter einer Riechstörung, mit dem Alter nimmt das Risiko zu. Das Fehlen des Geruchssinns hat schwerwiegende Folgen, denn er warnt zum Beispiel vor Bränden oder verdorbenen Lebensmitteln. In der Diagnostik werden immer öfter Riechtests eingesetzt, da sie bei der Früherkennung von neurodegenerativen Erkrankungen helfen können. Bei Patienten mit Parkinson oder Alzheimer ist der grösste Teil von einer Störung der Geruchswahrnehmung betroffen. Die Störung kann den Symptomen dieser beiden Krankheiten um viele Jahre vorausgehen.

Welche Rolle spielt der Duft bei der Partnerwahl?

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Immunrezeptoren erkennen Krankheitserreger und Körperfremdstoffe. Duftstoffe verraten einem anderen Menschen unterbewusst die Eigenschaften dieser Rezeptoren. Für den Menschen ist ein möglichst breites Spektrum an Immunrezeptoren von Vorteil, denn er ist so gegen viele Parasiten und Viren gewappnet. Auf uns wirken also jene Menschen geruchlich attraktiv, die sich in bestimmten Erbanlagen des Immunsystems stark von uns unterscheiden. Denn das erhöht die Chance, dass der Nachwuchs mit einem vielfältigen Immunsystem ausgestattet wird. In Sachen Immunabwehr gilt bei der Partnersuche also: Gegensätze ziehen sich an!

Mit Düften sind Menschen manipulierbar, clevere Verkäufer haben das längst bemerkt. In welchem Szenario geben Kunden am meisten Geld aus?

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Mit einfachen Gerüchen kann man Kunden am besten dazu animieren, Geld auszugeben, wie die Studie von Schweizer Marktforschern zeigt. Wie leicht sich ein Reiz von aussen verarbeiten lässt, hat einen Einfluss auf das Kaufverhalten und je einfacher das geht, desto grösser ist der Effekt, so zeigten sie. Die Wissenschaftler verglichen drei Versuchsgruppen. Die Teilnehmer der ersten Gruppe waren bei ihrem Einkauf gar keinem Geruch ausgesetzt, die der zweiten einem komplexen Duft und die letzte einem einfachen. Das Ergebnis: Ein simpler Geruch führt zu schnelleren Entscheiden und grösseren Ausgaben des Kunden als ein komplexer oder kein Duft.

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