«Generation Chillstand» heisst das neuste Buch des Juristen und Publizisten Milosz Matuschek. Er zitiert einen tausendfach geteilten Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina:

Twitter

Der Tweet von Naina.

Für die meisten Absolventen von Hochschulen und Universitäten gilt das Gleiche. Für Matuschek, der als Student und Dozent 17 Jahre an Universitäten verbrachte, sind Schulen und Hochschulen Kaderschmieden zur Produktion kleiner Rädchen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.

«Woher kommt das Geld?»

«Hast Du jemals in der Schule gelernt, wo das Geld herkommt?», fragt Matuschek rhetorisch. Das Geldsystem soll nach dem Willen der Mächtigen für die meisten eine Magie bleiben. Dabei sei die grundlegende Wahrheit eine einfache: Unser Geldsystem bestehe zu über 90 Prozent aus Geld, das im Computer aus dem Nichts entsteht. Es sei durch keinen Wert wie beispielsweise Gold oder Silber gestützt oder gesichert. Weder ein Weltreich noch ein Staat habe historisch auf einem reinen Papiergeldsystem überlebt: «Mit 1 Milliarde Reichsmark kannst du heute ein Loch in der Wand stopfen. Mit einer kleinen Goldmünze aus der Zeit Alexander des Grossen hingegen kannst du auch heute noch für ein halbes Jahr die Miete deines WG-Zimmers zahlen.»

Wer ist Milosz Matuschek?


Milosz Matuschek, geboren 1980, ist Jurist, Publizist, Autor mehrerer Bücher sowie langjähriger Kolumnist der «Neuen Zürcher Zeitung». Er lebt in Berlin und Paris.

Die Frage nach der Herkunft des Geldes gelte heute als ketzerisch, weil diese Frage die Stabilität und Legitimität des Staates berühre: «Wir sind Teil eines globalen Experiments, dessen Ende langsam aber sicher naht.»

Seit 1971 sei der Dollar nicht mehr durch Gold gedeckt, der Euro war es nie. Unser Finanzsystem sei heute ein Glaubenssystem: «Es funktioniert, so lange es genug Gläubige gibt.»

«Lebensversicherungen sind Schrottpapiere»

Für die Regierenden sei es besser, wenn auch die «Studierten» nicht viel von Geld und Versicherungen verstehen. Denn wer würde in Lebensversicherungen oder Pensionskassen investieren, die den Staat mit dem Kauf von Staatsanleihen finanzieren, dabei aber Verluste schreiben? Das sei heute mit einer Inflation von 2 Prozent [Deutschland] und einer Verzinsung von weniger als 1 Prozent der Fall.

Die Bürgerinnen und Bürger seien nur deshalb bereit, mit solchen Versicherungen Geld zu verlieren, weil man ihnen mit den Slogans «Altersvorsorge!», «Versorgungslücke!» oder «Altersarmut!» Angst einflösse. Die beste Werbung sei die Angst.

Von einer Lebensversicherung hätten die Einzahlenden ohnehin nichts, weil der Tod das Risiko des Lebens ist. Der Vorsorgende habe nichts davon. Doch Millionen von Menschen würden solche «Versicherungen» kaufen, die eigentlich «Schrottpläne» seien.

In Deutschland würde die Hälfte aller Lebensversicherungen im Laufe der Jahre mit garantiertem Verlust wieder aufgelöst. Denn der Rückkaufswert betrage weniger als man einbezahlt habe.

In Deutschland würden die Versicherungen die meisten Prämien, die man ihnen zahle, in Staatsanleihen anlegen. Das sei eine der wichtigsten Finanzierungsquellen des Staates: «Am schlimmsten wäre aus Sicht des Staates ein bedingungsloses Grundeinkommen.» Es würde den Bürgerinnen und Bürgern die Angst vor Armut und Alter nehmen.

Matuschek schliesst diesen Buchabschnitt mit einem Zitat von Henry Ford: «Wenn die Bürger wüssten, wie unser Geld- und Wirtschaftssystem funktioniert, hätten wir noch vor Tagesanbruch eine Revolution.»

Zum Buch

«Generation Chillstand»
von Milosz Matuschek
dtv
2018

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