Benedikt Meyer


Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.

Man nehme eine Europakarte, Farbstifte und ein Kleinkind und lasse das Ganze zehn Minuten allein. Schon erhält man eine detaillierte Darstellung des Dreissigjährigen Kriegs.

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Es begann damit, dass ein paar katholische Gesandte 1618 in Prag aus einem Fenster geworfen wurden. Zwar wurden sie von einem Miststock (protestantische Quellen) oder von Engeln (katholische Quellen) aufgefangen, dennoch entwickelte sich aus dem Vorfall eine blutige Kettenreaktion. Ein Gerangel um religiöse Prinzipien – und um politische Macht. Letzteres führte beispielsweise dazu, dass das katholische Frankreich sich mit dem protestantischen Schweden verbündete, um die katholischen Habsburger zu bekämpfen. Und es führte zu Biografien wie jener Jörg Jenatschs.

Bild von Jörg JenatschWikimedia

Um den reformierten Pfarrer ranken sich Mythen. Gerne wird er als Freiheitsheld Graubündens dargestellt.

Jenatsch war reformierter Pfarrer im Veltlin, einem katholisch dominierten Untertanengebiet der reformierten Bündner. Als sich die katholischen Veltliner gegen die Bündner erhoben, griff Pfarrer Jenatsch zum Schwert, verbündete sich mit den katholischen Franzosen und eroberte das Gebiet zurück. Da Frankreich die Talschaft aber nicht an die Bündner übergab, konvertierte er zum Katholizismus und führte eine weitere Revolte an, mit der die Veltliner die Franzosen aus dem Tal warfen. Kurz darauf wurde Jenatsch an der Churer Fasnacht von Maskierten ermordet.

Die Schweiz war vom Dreissigjährigen Krieg vergleichsweise wenig betroffen. Nebst den «Bündner Wirren» gab es schwedische und französische Überfälle in der Nordschweiz, ausserdem verdingten sich zahlreiche Schweizer als Söldner. Wirklich aktiv beteiligte sich die Schweiz aber nicht am Kriegsgeschehen und das aus einem einfachen Grund. Man konnte sich nicht entscheiden, auf welche Seite man sich schlagen sollte. Die katholischen Kantone wollten dieses, die protestantischen jenes und beides hätte die Schweiz zerrissen. Aber nicht nur der innere Zusammenhalt motivierte zur Neutralität auch das Geld erleichterte die Zurückhaltung. Getreide, Geräte, Vieh: alles liess sich zu stolzen Preisen exportieren.

Der Krieg wütete insbesondere im Gebiet des «Heiligen Römischen Reichs», einem Gebilde, welches das heutige Deutschland, Österreich, die Schweiz, die Niederlande sowie Teile Italiens, Sloweniens, Tschechiens und Polens umfasste. Als 1648 der «Westfälische Friede» geschlossen wurde, war die Bevölkerung im heutigen Süddeutschland um ein Drittel geschrumpft. Mit den Friedensverträgen akzeptierten die europäischen Mächte das Patt zwischen den protestantischen und den katholischen Kräften.

Ölbildnis des Basler Bürgermeisters Johann Rudolf Wettstein. Es wurde ca. 1636 von Samuel Hofmann gemalt.Samuel Hofmann/Wikimedia

Ölbildnis des Basler Bürgermeisters Johann Rudolf Wettstein. Es wurde ca. 1636 von Samuel Hofmann gemalt.

Einer, der auf eigene Initiative an den Verhandlungen teilnahm, war der Basler Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein – er erreichte eine wichtige Veränderung. Die Eidgenossenschaft wurde 1648 aus dem Heiligen Römischen Reich herausgelöst und als unabhängiges Land anerkannt.

Digital in die Vergangenheit

Der Blog des Schweizerischen Nationalmuseums publiziert regelmässig Artikel über historische Themen. Diese reichen von den Habsburgern über Auslandschweizer bis hin zu heimischer Popmusik, die es zu Weltruhm gebracht hat. Der Blog beleuchtet viele Facetten der Landesgeschichte in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Mehr dazu gibt es unter: blog.nationalmuseum.ch

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