Das musst du wissen

  • Im Labor müssen Dieselautos strenge Abgas-Grenzwerte einhalten, doch im echten Verkehr liegen fast alle weit darüber.
  • Grund: Die Abgasreinigung der Diesler ist für Tests optimiert – im Alltagsverkehr läuft sie dagegen oft nicht mal.
  • Die Dreckschleudern sind weiter im Handel, erst im September 2019 läuft die Übergangsfrist für einen strengeren Test ab.

Dieselautos sind in Verruf geraten, denn sie verpesten die Luft mit Stickoxiden – Schadstoffe, die die Schleimhäute angreifen und zu schweren Erkrankungen der Atemwege führen können. In der Schweiz sterben laut Schätzungen über 1000 Menschen pro Jahr an Schadstoffen in der Luft.

Auch nach dem VW-Abgasskandal pusten neuere Dieselautos aber nach wie vor viel zu viele Stickoxide in die Luft, wie Messungen von unabhängigen Organisationen wie der britischen Emission Analytics im realen Verkehr zeigen: Ein durchschnittlicher Diesler mit der vergleichsweise neuen Abgasnorm Euro-6b bläst beim Fahren fast 400 Milligramm Stickoxide pro Kilometer in die Luft. Zulässig wären 80 Milligramm.

Eine mobile Messanlage: Damit lässt sich der Schadstoffausstoss im realen Strassenverkehr messen. Deutsche Umwelthilfe

Eine mobile Messanlage: Damit lässt sich der Schadstoffausstoss im realen Strassenverkehr messen.

Gesetzeslücke

Wie ist das möglich? «Die Hersteller nutzen Lücken in den Gesetzen schamlos aus», sagt Martin Winder, Emissions-Experte beim Verkehrs-Club der Schweiz. Denn wie sauber die Autos fahren, müssen sie bisher nur in standardisierten Tests im Labor zeigen. Für diese sind die Autos optimiert und dort liegen sie unter dem erlaubten Grenzwert. Doch draussen auf den Strassen sieht es anders aus: Bei kalten Temperaturen funktioniert die Abgasreinigung nur schlecht. Und schlimmer noch: Oft läuft sie gar nicht erst. «Das widerspricht klar dem Sinn und Zweck der Abgasnorm», sagt Winder. Aber die Gesetze sind nicht strikt genug, und das missbrauchen Autokonzerne, um Kosten zu drücken.

So schaltet etwa Fiat die Reinigungsanlage nach circa 23 Minuten normaler Fahrt aus – denn der Labortest dauert nur 20 Minuten.

Messungen der Deutschen Umwelthilfe zeigten denn auch, dass der Fiat 500X 2.0 sagenhafte 17-mal mehr Stickoxide ausstösst, als erlaubt ist. Auch andere Hersteller sind nicht viel besser: Der Renault Captur 1.5 liegt 16-fach über dem Grenzwert und der Mercedes B-Klasse B 180 d pustet 13-mal mehr Stickoxide aus dem Auspuff als zulässig.

Technisch sind saubere Diesler aber schon länger möglich. Der Audi Q3 2.0 TDI quattro und der Mercedes E 220 d beispielsweise unterbieten den Grenzwert auch im Alltag. Doch noch sind eben viele Dreckschleudern im Handel. Und in der Schweiz sind neu gekaufte Autos durchschnittlich 14 Jahre im Verkehr – so lange stossen sie also zu viele Schadstoffe aus. Falls man sich beim Autokauf für einen Diesler entscheidet, empfiehlt Winder deshalb, einen Wagen der neuesten Abgasnorm Euro 6d TEMP zu kaufen. Denn bei dieser messen die Zulassungsbehörden nicht mehr nur im Labor, sondern auch auf der Strasse.

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