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Es ist wahr: Geht es ums Thema Impfen, werden wir für dumm verkauft. Profitgierige Bösewichte treiben ein dreckiges Geschäft mit dem Impfen. Und gefährden damit die Gesundheit unserer Kinder.

Was für ein Skandal. Nur: Bei diesem Skandal ist alles umgekehrt als man uns glauben machen will. Die bösen Geldgierigen sind nämlich nicht die Pharmafirmen. Und eine Gefahr für die Gesundheit geht nicht von den Impfstoffen aus, sondern vom Entscheid, sich oder seine Kinder nicht zu impfen.

Lasst uns die Fakten anschauen.

Ist Impfen ein Geschäft, das Pharmafirmen aus purer Geldgier betreiben?

Nein.

Natürlich macht die Pharmabranche mit Impfstoffen Umsatz. 33 Milliarden Dollar weltweit waren es beispielsweise im Jahr 2016. Das mag nach viel klingen. Doch im Vergleich mit Verkäufen von Medikamenten zur Behandlung von Krankheiten sind Impfstoffe ein kleines Business. So steht den 33 Milliarden aus Impfstoffen ein Umsatz von 777 Milliarden Dollar für Medikamente gegenüber, und ungefähr weitere 40 Milliarden Dollar für medizinische Geräte und Labortests. Insgesamt machen Impfstoffe also nicht mehr als 4% des Umsatzes der Pharmaindustrie aus.

Und überhaupt: die Pharmaindustrie könnte sogar wohl mehr Geld verdienen, wenn sich die Leute nicht impften – und dafür krank würden. Dann könnte sie nämlich mehr Medikamente verkaufen.

Womit wir beim zweiten Punkt sind:

Gibt es überhaupt einen Beweis, dass Impfungen wirken?

Ja.

Ein mit Pocken infiziertes Kind (Bangladesh 1973).Wikimedia Commons

Ein mit Pocken infiziertes Kind (Bangladesh 1973).

Und der wurde schon vor 222 Jahren erbracht. Damals, 1796, entdeckte der englische Landarzt Edward Jenner, dass Kinder, die er mit den ungefährlichen Kuhpocken impfte, gegen die tödlichen Pocken geschützt waren. Damals waren die Pocken allgegenwärtig und forderten jedes Jahr 400’000 Todesopfer in Europa – vor allem Kinder. Doch die Entdeckung Jenners war der Beginn eines unvergleichlichen Siegeszuges gegen die Infektionskrankheit. Bereits 1803 waren 17’000 Menschen in Deutschland geimpft, und die Todesfälle durch Pocken sanken rapide. Aber erst mit der modernen Medizin und der Möglichkeit, Impfstoffe in grossen Mengen herzustellen, gelang das medizinische Meisterstück: Im Jahr 1977 waren die Pocken auf dem ganzen Planet ausgerottet.

Und damit geschah etwas, das auch nicht gerade ein Markenzeichen für Profitgier ist: die Pockenimpfung hatte sich selbst abgeschafft. Die Welt war pockenfrei, der Impfstoff wurde nicht mehr benötigt.

Masern sind nicht zu verniedlichen. Sie können auch für Kinder aus der Schweiz mit schweren Komplikationen enden.Dave Haygarth

Masern sind nicht zu verniedlichen. Sie können auch für Kinder aus der Schweiz mit schweren Komplikationen enden.

Das könnte auch bei anderen Krankheiten gelingen. Und eigentlich sind wir auf gutem Weg dazu. Zum Beispiel bei Masern. Die Krankheit ist nicht so harmlos, wie du vielleicht denkst. Auch für Kinder in der Schweiz, die im Fall einer Erkrankung auf ein engmaschiges Sicherheitsnetz zählen können, gewoben aus Spitzenmedizin und Krankenversicherungen, kann Masern tödlich enden. Deshalb haben sich weltweit Länder der Ausrottung der Masern verschrieben. Und der Plan geht auf.

Bevor man impfen konnte, starben in den USA pro Jahr 400 Menschen an Masern. Dann wurde 1963 die Impfung eingeführt und die Zahl der Todesfälle sank auf nahezu Null.

Wikimedia Commons

Schon bald könnte deshalb auch Masern ausgerottet sein. Aber nur, wenn alle mitmachen.

Und genau darum geht es. Impfen ist etwas Globales. Es ist ein solidarischer Akt, den Millionen Individuen auf der ganzen Welt begehen, mit einem gemeinsamen Feind: eine Krankheit. Und einem gemeinsamen Ziel: Gesundheit.

Also, glaub nicht jeden Mist. Halt dich an die Fakten. Und geh deine Kinder impfen.

Danke.

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