Das musst du wissen

  • Forschende der ZHAW empfehlen im Umgang mit ADHS einen Perspektivenwechsel. Die Frage muss sein: Was hilft dem Kind?
  • Bisher wollte man vor allem, dass Kinder mit ADHS nicht auffallen. Und bezog sie zu wenig in mögliche Lösungen ein.
  • Dabei könnten den vergesslichen Kindern mit ADHS simple Massnahmen helfen wie Reservematerial in der Schule zu haben.

Luca kann kaum stillsitzen und fällt der Lehrerin dauernd ins Wort. Als der Kinderarzt ADHS diagnostiziert, stehen vor allem Lucas Defizite im Zentrum. «Bisher legten die Experten den Fokus darauf, dass das Kind nicht mehr auffällt und weniger darauf, dass es Hilfe erhält», sagt Sandra Hotz vom Institut für Familienforschung und -beratung an der Universität Freiburg.

Nun haben Sandra Hotz und ihre Kollegen der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) das Kindeswohl ins Zentrum gerückt. Aus den Ergebnissen von «Kinder fördern – eine interdisziplinäre Studie zum Umgang mit ADHS» ziehen sie folgendes Fazit: ADHS-Tests und einseitige Diagnosen werden der Komplexität der Verhaltensstörung nicht gerecht. Denn sie lassen die Lebenswelt der Betroffenen ausser Acht. Es bestehe die Gefahr, dass Kinder wie Luca vorschnell medizinisch versorgt würden oder unbehandelt blieben, sagt Sandra Hotz.

Die Forschenden haben ihre Resultate in einen Ratgeber einfliessen lassen. Sie empfehlen Treffen in Form eines Runden Tisches, an dem nicht nur Eltern, Lehr- und Fachpersonen teilnehmen, sondern auch die Kinder. «Wenn das Kind einbezogen ist, kann man den Umgang mit ADHS besser auf seine Bedürfnisse ausrichten und feststellen, wo es Unterstützung braucht», sagt Sandra Hotz. Kleine Hilfestellungen wie Hausaufgaben in elektronischer Form, ein Satz an Reservebüchern in der Schule – Betroffene von ADHS vergessen vieles – oder auch ein Banknachbar, der das Kind ermahnt, nicht dazwischenzureden, könnten Kindern mit ADHS das Leben sehr erleichtern.

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