Das musst du wissen

  • Beim Einkaufen stossen wir zwischen 0.07 und 0.18 Kilogramm CO2-Äquivalent aus.
  • In Grossbritannien ist die Hauslieferung direkt aus dem Laden am ökologischsten.
  • Am wengisten umweltfreundlich ist Shopping via Online-Händler, wenn dieser nicht über einen Verkaufsladen verfügt.

Zwei, drei Mausklicks und schon ist der Einkauf erledigt: Immer mehr Menschen kaufen Produkte für ihr tägliches Leben online. Zugegeben, es ist schon ungemein praktisch. Die Auswahl, die gezielte Suchfunktion und die Lieferung nach Möglichkeit noch am gleichen Tag lassen keine Wünsche offen. Im Berufsalltag kann man sich so den Weg in die Stadt und damit den zusätzlichen Zeitaufwand bequem sparen. Wo man hingegen nicht unbedingt einspart, ist beim Ausstoss von Treibhausgasen. Eine Vergleichsstudie liefert hierzu neue Ergebnisse.

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Science-Check ✓

Studie: Comparative Greenhouse Gas Footprinting of Online versus Traditional Shopping for Fast-Moving Consumer Goods: A Stochastic ApproachKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDie Ergebnisse der Studie sind umstritten, da Autoren einer früheren Studie zum Schluss kamen, Treibhausgas-Emissionen liessen sich durch Online-Shopping senken. Die Modellierung beruht auf vielen Annahmen, dabei wird stark vereinfacht und es kann nie alles berücksichtigt werden. Angaben zu höheren Emissionen durch zurückgeschickte Pakete oder unverkaufte Produkte fehlen beispielsweise. Auch wurden Produktgrösse und -gewicht bei der Emissionsschätzung der letzten Transport-Etappe vernachlässigt. Die Studie ist länderspezifisch und lässt sich so nicht auf die Schweiz übertragen.Mehr Infos zu dieser Studie...

Die Autoren untersuchten die Wirkung von drei verschiedenen Einkaufmöglichkeiten in Grossbritannien auf das Klima. Dazu haben die niederländischen Forschenden die Treibhausgasemissionen der jeweiligen Einkaufsarten verglichen. Die Emissionen wurden in CO2-Äquivalenten berechnet, ein Mass, das den Effekt der unterschiedlichen klimawirksamen Gase vereinheitlicht. Im Zentrum der Untersuchung standen sogenannt schnell drehende Konsumgüter. Das sind günstige Produkte, die oft gekauft werden, wie Zahnpasta, Abwaschmittel oder Snacks. Die folgenden drei Verkaufswege nahmen die Wissenschaftler unter die Lupe: Erstens das traditionelle Einkaufen im Laden, zweitens die Internetbestellung bei einem Laden mit Hauslieferung und drittens die Bestellung bei Online-Händlern wie Amazon oder Zalando, die durch einen Paketverteildienst, zum Beispiel UPS, geliefert wird.

Environmental Science & Technology, ACS.

Die drei Wege der Produktverteilung: der traditionelle Laden (blau), der Laden mit Hauslieferdienst (grün) und der Online-Handel mit Hauslieferdienst durch Paketverteiler.

Die Gesamtemissionen ergeben sich aus der Summe der Emissionen von Transport der Güter zum Lagerort, Energieverbrauch bei der Lagerung und Transport zum Kunden. Die Berechnung ist hochkomplex, da zahlreiche Sonderfälle berücksichtigt werden müssen. Kann ein Paket zuhause beispielsweise nicht entgegengenommen werden, verlängert sich sein Transportweg und dadurch steigen die Emissionen. Die Forschenden versuchten, mit einem mathematischen Modell die Realität möglichst treffend abzubilden. Mit Hilfe von Wahrscheinlichkeitsrechnung und statistischer Häufigkeit liessen sie solche Eventualitäten in die Schätzung des ökologischen Fussabdrucks einfliessen.

100 000 Fälle betrachteten die Forschenden. Das Resultat: Mit durchschnittlich 0.18 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Artikel stösst der Online-Handel am meisten Treibhausgase aus. Auf Platz zwei landet der herkömmliche Gang zum Detailhändler mit 0.1 Kilogramm CO2-Äquivalent. In 81 Prozent der Fälle ist diese Variante uweltfreundlicher, als die erstgenannte. Am wenigsten umweltschädlich ist die Internet-Bestellung bei einem Laden mit anschliessender Lieferung. Das verursacht im Mittel 0.07 Kilogramm CO2-Äquivalent. In 63 Prozent der Fälle waren die Emissionen so geringer, als wenn man sie selbst im lokalen Geschäft besorgt.

Ausschlaggebend waren dabei die zurückgelegten Distanzen. Die Unterschiede der drei Verkaufspfade lassen sich auf die entscheidende letzte Etappe zurückführen. Ein Lieferwagen – manchmal nur halb gefüllt – legt meist einen langen Weg zurück vom Paketverteilzentrum zum Kunden. Fährt der Käufer selbst mit dem Auto zur Verkaufsstelle, ist auch das weniger effizient, als wenn ein Lieferant des Ladens gleich mehrere Kunden auf einmal bedienen kann. Umweltbewusste Briten bestellen ihre Gebrauchsgüter also am besten online und lassen sie sich aus dem Laden nachhause liefern.

Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht verallgemeinern. Ob Internet-Shopping oder der Einkauf im Laden umweltfreundlicher ist, hängt stark von den örtlichen Begebenheiten ab und davon, wie der Konsument den Weg zum Verkaufsort zurücklegt. Die Autoren berechneten deshalb diesen Ausstoss zusätzlich für die Niederlanden, die USA und China. Ein Niederländer geht eher zu Fuss oder mit dem Fahrrad einkaufen. Seine Emissionen lassen sich durch Online-Bestellungen nicht minimieren. Eine Amerikanerin setzt sich dafür häufiger ins Auto. Dort könnte eine Umstellung auf Lieferangebote dem Klima zugute kommen. Wenn man nicht auf den Wagen verzichten kann oder will, können dennoch auch Autofahrer ihre Emissionen verringern. Zum Beispiel, wenn sie den Einkauf auf dem Heimweg von der Arbeit erledigen. Paketlieferdienste wiederum könnten eine Reduktion von 26 Prozent beitragen, wenn sie bei der letzten Lieferetappe von Lastwagen auf elektrische Lastenfahrräder umsteigen würden.

Für die Schweiz müsste eine separate Studie erstellt werden, um genaue Aussagen machen zu können. Eines ist aber klar: Ist der Laden um die Ecke, lohnt es sich aus Klimasicht, mit dem Velo oder zu Fuss einkaufen zu gehen. Ist der Laden weit weg, sollte man besser nicht selbst ins Auto steigen. Dann könnte das Internet die Emissionen tatsächlich reduzieren.

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