Wenn du ans vergangene lange Wochenende oder die letzten Ferien denkst, kommt im Hirn das sogenannte episodische Gedächtnis zum Einsatz. Es ermöglicht, dass du dich nicht nur an Ereignisse in der Vergangenheit erinnern kannst, sondern auch an deren Reihenfolge. Ob sich auch Tiere solche Abfolgen merken können, war bisher unklar. Doch nun zeigt eine neue Studie von US-Forschenden der Indiana University: Ratten sind offenbar dazu in der Lage.

Das entdeckten die Neurowissenschaftler, indem sie 13 Ratten ein Jahr lang trainierten, sich bis zu zwölf verschiedene Gerüche einzuprägen. Mit einem ausgeklügelten Versuchsaufbau konnten die Forschenden testen, ob die Ratten sich die Reihenfolge der geschnupperten Gerüche merken konnten – welches etwa der letzte, vorletzte oder den viertletzte Duft war. Resultat: Die Nager lagen in fast 90 Prozent der Fälle richtig. Daran änderten auch längere Wartezeiten zwischen Lernen und Test und die Änderung der Reihenfolge nichts. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass die Ratten über ein episodisches Gedächtnis verfügen.

Um ihre Annahme zu überprüfen, verabreichten die Forscher den Versuchstieren einen Wirkstoff, der kurzfristig den Hippocampus stört. Das ist der Hirnbereich, der Erinnerungen ins Langzeitgedächtnis überführt und bei Menschen eine wichtige Rolle für das episodische Gedächtnis spielt. Und tatsächlich: Unter Einfluss der Substanz scheiterten die Ratten an der Aufgabe.

Dank dem Nachweis des zeitlichen Gedächtnisses bei Ratten könnten an ihnen neue Substanzen gegen Alzheimer getestet werden, meinen die US-Forscher. Denn bei der Demenzkrankheit funktioniert gerade das episodische Gedächtnis nicht mehr gut. Bisher gab es allerdings keine Möglichkeit, dieses bei Tieren zu untersuchen. Mit den neuen Erkenntnissen aber, so die Forscher, lässt sich künftig in Tierexperimenten testen, wie mögliche Wirkstoffe auf das episodische Gedächtnis wirken. Die Forscher hoffen, dass ihre Studie damit die Entwicklung von Medikamenten gegen Alzheimer ermöglicht.

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