Von Hand abwaschen, statt den Geschirrspüler benutzen, duschen statt baden, Kleider bei höchstens 40 Grad waschen. Das sind bekannte Massnahmen, um den Wasserverbrauch im eigenen Haushalt zu reduzieren. Dies betrifft jedoch nur die direkte Wassernutzung.
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Eine grosse Rolle spielt aber auch die sogenannte virtuelle Wassernutzung, die für die Herstellung von Waren und Dienstleistungen aufgewendet wird. Zusammen ergeben die beiden Messwerte den sogenannten Wasserfussabdruck. Dieser kann für einzelne Personen, Unternehmen und Staaten berechnet werden. In der Schweiz beläuft er sich gemäss dem Bundesamt für Umwelt auf knapp 4 800 Liter pro Person und Tag – das entspricht 32 Badewannen. Davon werden zwei Prozent im eigenen Haushalt verbraucht, 17 Prozent in der Industrie und 81 Prozent in der Landwirtschaft.

Abschlussarbeiten Wissenschaftsjournalismus


higgs unterstützt Ausbildung. Deshalb bringen wir hier in einer Serie die diesjährigen Abschlussarbeiten des CAS Wissenschaftsjournalismus der Schweizer Journalistenschule MAZ. Hier findest du die Ausschreibung des nächsten Kurses.

Eine Studie vom WWF und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) zeigt: Der Konsum von Fleisch, Getreide, Zucker und Milch machen 59 Prozent des landwirtschaftlichen Wasserfussabdrucks der Schweiz aus. Spitzenreiterin unter den Lebensmitteln ist aber die Schokolade. Für die Herstellung eines Kilogramms braucht es über 17 000 Liter. Das liegt daran, dass der Kakaobaum eine Regenwaldpflanze ist, die eine feuchte und schattige Umgebung braucht. Im Vergleich benötigt man für die gleiche Menge Rindfleisch knapp 15 500 Liter. Dabei geht man davon aus, dass ein Rind nach drei Jahren schlachtreif ist und ungefähr 200 Kilogramm knochenloses Fleisch liefert. In diesem Zeitraum frisst es 1 300 Kilogramm Getreide und 7 200 Kilogramm Raufutter. Hinzu kommt das Wasser, das die Rinder trinken und jenes, das für die Reinigung der Ställe benötigt wird. Das folgende Diagramm zeigt die Wasserfussabdrücke von weiteren Lebensmitteln.

Cyrille Planner

Bei der Interpretation dieser Werte sei aber Vorsicht geboten, sagt Stephan Pfister, Dozent für ökologisches Systemdesign an der ETH Zürich. Denn es kommt darauf an, woher das verwendete Wasser stammt. Man unterscheidet zwischen drei Quellen.

  • Grünes Wasser bezeichnet das Regenwasser, das im Boden gespeichert ist und von Pflanzen aufgenommen wird.
  • Blaues Wasser wird von Oberflächenwasser und Grundwasser entnommen. Dabei wird in das Ökosystem eingegriffen.
  • Graues Wasser zeigt wie viel Süsswasser benötigt wird, um die Schadstoffbelastung aufzunehmen und die Wasserqualität zu halten. Es entsteht beispielsweise durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
Cyrille Planner

Güter mit kleinem Fussabdruck, die aus blauen Ressourcen hergestellt werden, können schädlicher sein, als wasserintensive Produkte, die aus grünen Quellen produziert werden. Die folgende Infografik zeigt wieviel grünes, blaues und graues Wasser prozentual in zwei der wasserreichsten und -ärmsten Lebensmittel fliessen.

Die Schweiz importiert das virtuelle Wasser

Die Schweiz erzeugt nur 18 Prozent ihres eigenen Wasserfussabdrucks. Die restlichen 82 Prozent gehen auf das Konto von importierten Waren und Dienstleistungen. Das ist grundsätzlich nichts Schlimmes, sofern die Produkte nicht aus wasserarmen Regionen kommen. «Hundert Liter haben in der Schweiz nicht den gleichen Wert wie in Ägypten», sagt Pfister. Die folgende Karte zeigt die Wasserressourcen der verschiedenen Länder pro Person. Indien, Usbekistan und Bangladesch zählen zu den wasserärmsten Regionen. Gleichzeitig sind sie wichtige Importpartner der Schweiz für Weizen, Zuckerrohr und Baumwolle.

An dieser Stelle sollte man vereinfachte Schlussfolgerungen, wie etwa den Boykott von Gütern aus wasserarmen Regionen, vermeiden. Denn «der Wasserfussabdruck berücksichtigt die ökonomischen und sozialen Faktoren eines Produkts nicht», sagt Christoph Studer, Professor an der Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften. Schwellenländer haben oft knappe Wasserressourcen, gleichzeitig sind sie besonders auf ihre Exportwirtschaft angewiesen. Dank ihr können Unternehmen wachsen, es entstehen Arbeitsplätze und die Wohlfahrt nimmt zu. «Statt diese Regionen zu meiden, sollte man in das Knowhow der Bauern und in die Infrastruktur vor Ort investieren», sagt Pfister.

Regionale Unterschiede machen das Messen und Interpretieren des Fussabdrucks schwierig. «Er kann im Gegensatz zu CO2-Emissionen nicht global gemessen werden», sagt Studer. Ausserdem basieren die Werte auf durchschnittlichen Schätzungen, die unter Annahmen getroffen werden. «Wegen der Komplexität ist es schwierig Pauschalaussagen zu machen», sagt Pfister. Dennoch vermittelt der Fussabdruck einen Eindruck über den virtuellen Wasserverbrauch und kann so zur Sensibilisierung von Konsumenten ausserhalb der eigenen vier Wände beitragen.

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