Das musst du wissen

  • Der Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist geht in diesem Jahr an Lars-Erik Cederman.
  • Cederman fand heraus, wie man gewaltsame Konflikte in Zukunft vermeiden könnte.
  • Laut seiner Forschung muss man ethnische Minderheiten an politischer Macht teilhaben lassen, um Gewalt zu verhindern.

Lange waren Konfliktforscher davon ausgegangen, dass sich gewaltsame Konflikte wie jene in Katalonien, der Ukraine oder Syrien vermeiden lassen, indem man die jeweiligen Regierungen unterstützt. Zum Beispiel, durch militärische oder wirtschaftliche Hilfe. Doch Lars-Erik Cederman und seine Kollegen konnten aufzeigen, dass sich solche Konflikte anders vermeiden lassen. Nämlich indem man dafür sorgt, dass ethnische Minderheiten Teil von Regierung und Politik werden. Für seine Arbeit zur Vermeidung von gewaltsamen Konflikten und Bürgerkriegen wurde Cederman heute mit dem Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist ausgezeichnet.

«Gewaltsame Konflikte und Kriege entstehen oft dann, wenn Menschen ungleich behandelt werden», erklärt Cederman. Vor allem, wenn die Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft bestimmte, klar abgegrenzte ethnische Minderheiten betrifft. «Häufig haben solche Minderheiten weniger politisches Mitspracherecht und weniger Zugang zur Macht.» Und sie seien oft auch wirtschaftlich schlechter gestellt als der Rest der Bevölkerung. «So kommt es oft zu gewaltsamen Konflikten.» Um das zu vermeiden, sollten internationale Organisationen wie UN oder EU ihren Einfluss nutzen, um von Konflikt bedrohte Staaten zur Integration ihrer ethnischen Minderheiten zu bringen.

Die Erkenntnisse Cedermans beruhen nicht nur wie allgemein üblich auf der Auswertung von Statistiken und Befragungen, sondern auch auf der Big-Data-Analyse von Satelliten-Daten. Denn häufig wisse man nicht genau, wie die Ungleichheit in einem Land wie zum Beispiel Birma verteilt sei, sagt Cederman. Die offiziellen Statistiken seien oft lückenhaft oder schlicht falsch. Mehr und verlässlichere Informationen könne beispielsweise die Lichtemission auf Satellitenbildern liefern. Denn dort wo es viel Licht gibt, ist die wirtschaftliche Aktivität am grössten. Im Dunkeln leben die ärmeren und ausgegrenzten Teile der Bevölkerung – und diese decken sich oft mit den Siedlungsgebieten ethnischer Minderheiten.

In Zukunft will der Forscher Deep-Learning-Algorithmen anwenden, um sowohl Satellitenbilder als auch historische Karten auszuwerten. Ausserdem möchte er seine Forschung vermehrt aus der Universität heraustragen: Sie soll Politikern und Entwicklungshelfern bei Kriseninterventionen oder Massnahmen zur Konfliktprävention unterstützen. Cederman: «Durch den Marcel Benoist Preis erhält unsere Forschung viel mehr Sichtbarkeit – und kann so hoffentlich helfen, Bürgerkriege in Zukunft zu vermeiden.»

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