Benedikt Meyer


Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.

Neun Jahre waren vergangen, seit in Paris die Bastille gestürmt und die Monarchie gestürzt worden war. Neun Jahre, in denen Europa gebannt auf Frankreich geblickt hatte. Ungläubig und bestürzt hatte man auch in der Schweiz die Berichte von der Hinrichtung Louis XVI. gelesen, von der Schreckensherrschaft der Jakobiner und vom Aufstieg Napoleons zum ersten Konsul der Republik. Der Korse hatte sich bereits Norditalien unter den Nagel gerissen, nun wandte er sich der Schweiz zu. Manche sehnten sich auch hier nach einer Revolution, andere wollten an der alten Ordnung festhalten.

Ende Januar 1798 überschritt Napoleons General Schauenburg die Schweizer Grenze und zog in Richtung Bern. Seine Streitkräfte waren den hiesigen geradezu erdrückend überlegen. Die Berner Regierung dankte Anfang März ab, Schauenburgs Truppen plünderten den Staatsschatz und brachten Berns Bären als Siegesbeute nach Paris. Fast überall lief es gleich ab. Schauenburg eroberte die Schweiz ohne grösseren Widerstand, rief die Helvetische Republik aus und verpasste dem Land eine zentrale Regierung. Diese tagte in Aarau. Im Aargau, der bis anhin ein Untertanengebiet Berns gewesen war, aber auch in der Waadt, wurde der Umsturz durchaus begrüsst, aber das war nicht überall der Fall. Uri, Schwyz und Nidwalden lehnten die von Frankreich diktierte Verfassung ab, bevor sie nach weiteren Gefechten zur Annahme gezwungen wurden. In Nidwalden allerdings gärte es weiter.

Ein Fahnenträger mit der Trikolore der Helvetischen Republik.Wikimedia

Ein Fahnenträger mit der Trikolore der Helvetischen Republik.

Hier störte man sich am Fehlen Gottes in der Verfassung und an der Niederlassungs- und Religionsfreiheit. Die örtlichen Priester heizten die Stimmung zusätzlich auf. Schliesslich stellte die helvetische Regierung ein Ultimatum, welches die Nidwaldner verstreichen liessen. Also bat die Regierung Schauenburg, einzugreifen. Am 9. September kam es zum Kampf. Eine heroische oder anders gesagt: eine sinnlose Schlacht. Denn die Nidwaldner waren dramatisch unterlegen. Beiderseits fanden an die hundert Männer den Tod. Dreihundert weitere Menschen starben, als anschliessend Buochs und Stansstad zerstört und weitere Dörfer verwüstet wurden.

Darstellung von Balthasar von Schauenburg.Wikimedia

Der Elsässer Balthasar von Schauenburg war Napoleons verlängerter Arm in der Eidgenossenschaft.

Die Nidwaldner hatten bis zuletzt auf eine Intervention Österreichs gehofft, aber dessen Armee marschierte erst im Oktober in Graubünden ein. Ein Jahr später attackierten auch die Truppen des russischen Generals Suworow die Franzosen. Es folgte ein zähes Hin und Her der Armeen, Leidtragende war die Schweizer Zivilbevölkerung. Und der Regierung gelang es nicht, die Not der Menschen zu lindern

Digital in die Vergangenheit

Der Blog des Schweizerischen Nationalmuseums publiziert regelmässig Artikel über historische Themen. Diese reichen von den Habsburgern über Auslandschweizer bis hin zu heimischer Popmusik, die es zu Weltruhm gebracht hat. Der Blog beleuchtet viele Facetten der Landesgeschichte in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Mehr dazu gibt es unter: blog.nationalmuseum.ch

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