Benedikt Meyer


Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.

Wie schon Berchtold IV war auch Berchtold V bestrebt, das Herrschaftsgebiet der Zähringer zu erweitern. Er brachte Schaffhausen unter seiner Kontrolle und initiierte in Zürich (wo er Vertreter des Königs war) den Bau einer grossen Befestigungsanlage. Sein wichtigstes Projekt aber war die Gründung Berns, mit dem er 1191 eine Stadt im Zentrum seines Machtbereichs anlegte.

Aber auch Berchtold hatte mit Konkurrenz zu kämpfen. Schon sein Vater hatte erfolglos versucht den zähringischen Einfluss auch auf das Wallis auszuweiten – aber dieses war fest in der Hand der Grafen von Savoyen. 1211 versuchte Berchtold junior sein Glück. Mit angeblich 13’000 Mann zog er über den Grimselpass.

Sujet Berchtolds V. von Zähringen auf einer Werbekarte für Nahrungsmittel, anfangs des 20. Jahrhunderts.Schweizerisches Nationalmuseum

Werbekarte für ein Nahrungsmittelgeschäft. Darauf dargestellt ist Berchtold V. von Zähringen. Die Karte wurde anfangs des 20. Jahrhunderts produziert.

Oberwald und Obergesteln gingen in Flammen auf, dann kam Berchtold nach Ulrichen, wo ihn die Truppen des Bischofs von Sitten erwarteten. Sie entschieden die Schlacht für sich und Berchtolds Truppen mussten sich in Richtung Grimsel zurückziehen. Die Walliser setzten ihnen nach und stellten sie auf der Passhöhe erneut. Dort gibt es einen kleinen See, in den die zähringischen Kämpfer getrieben wurden. Er verfärbte sich Rot und erhielt den Namen Totensee – so jedenfalls erzählen es die Walliser.

Das Ende der Zähringer kam sechs Jahre später mit Berchtolds Tod. Da er nur Töchter hinterliess, gab es niemanden, der sein Erbe antreten konnte. Seine Schwiegersöhne, die Grafen von Urach und Kyburg sicherten sich einen Teil des Gebiets. Aber auch die Habsburger erhielten mit dem Aussterben der Zähringer mehr Raum.

Druckgrafik von Bern aus dem 19. Jahrhundert. Im Vordergrund die Nydeggkirche.Schweizerisches Nationalmuseum

Druckgrafik von Bern aus dem 19. Jahrhundert. Im Vordergrund die Nydeggkirche.

Eigenartiges geschah nach Berchtolds Tod in Bern. Der Ort wurde zur «reichsfreien» Stadt – und damit direkt dem König der Heiligen Römischen Reiches unterstellt. Kurz darauf zerstörten die Berner Berchtolds Burg Nydegg, ganz unten in der Aareschlaufe und bauten an ihrer Stelle eine Kirche. Der Grund war einfach. Sie wollten verhindern, dass irgendein Graf oder Herzog die Burg besetzte, sich zum Herrscher Berns ausrief und den Wegzoll der Untertorbrücke einstrich. Und die Nydegg-Kirche verhindert bis heute, dass jemand an dieser Stelle eine neue Burg baut. Dazu müsste man nämlich die Kirche abreissen – und dafür käme man bekanntlich direkt in die Hölle.

Digital in die Vergangenheit

Der Blog des Schweizerischen Nationalmuseums publiziert regelmässig Artikel über historische Themen. Diese reichen von den Habsburgern über Auslandschweizer bis hin zu heimischer Popmusik, die es zu Weltruhm gebracht hat. Der Blog beleuchtet viele Facetten der Landesgeschichte in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Mehr dazu gibt es unter: blog.nationalmuseum.ch

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