Bild: HSR Der neue Simulator, hier am Tag der offenen Tür an der Hochschule für Technik Rapperswil HSR, begeistert ab der ersten Sekunde.
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Das Wasser des oberen Zürichsees glitzert im Sonnenlicht, der Seedamm zieht langsam vorbei, ein Blick nach links bietet ein einmaliges Panorama des Rapperswiler Schlosshügels. Der Propeller dröhnt laut, der Sitz ruckelt im Takt und folgt jeder Flugbewegung – die Illusion wirkt. Denn dieses Erlebnis ist seit Kurzem nicht mehr nur Hobbypiloten vorbehalten. Ein an der Hochschule für Technik Rapperswil HSR entwickelter Virtual-Reality-Simulator bietet ein Simulationserlebnis der besonderen Art. Mit einer Kombination aus Kopfhörer, Virtual-Reality-Brille, Windmaschine und einem speziellen, über sechs Achsen elektrisch bewegten Sitz, simuliert der «VR Motion» die Realität in einer neuen Detailtreue. Von der Rodelbahn Floomzer am Flumserberg über einen Propellermaschinen-Flug über den Zürichsee bis hin zum Wingsuit-Sprung ins Lauterbrunnental. Jedes Erlebnis kann der Simulator in Bewegungen übersetzen – zusammen mit VR-Brille, Kopfhörern und Wind aus der Windmaschine wähnt man sich direkt im Erlebnis und vergisst schon nach wenigen Sekunden, dass alles nur eine Simulation ist.

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Die Bildschirme dienen nur zur Visualisierung für die Zuschauer – wer selbst auf dem Sitz Platz nimmt, erlebt das virtuelle Geschehen mit jeder Faser des Körpers.

360-Grad-Videos in 3D-Simulationen verwandeln

Der geistige Vater des Simulators ist Guido Schuster, Elektrotechnik-Professor für digitale Signal- und Bildverarbeitung an der HSR. Zusammen mit Ingenieurinnen und Ingenieuren des ICOM Institut für Kommunikationssysteme und dem Start-up VR Motion hat er das bisherige Simulator-Modell auf den heutigen Stand weiterentwickelt. Besonders bemerkenswert ist dabei die Software, die für den Simulator entwickelt wurde. Nicht nur, dass der Simulator 360-Grad-Videos zum fühlbaren Erlebnis macht. Die Software geht so weit, dass sie einen beliebigen Film, beispielsweise den Sprung eines Gleitschirmfliegers auf Youtube, in ein Simulationserlebnis verwandeln kann. «Jedes Video kann mit der Software so animiert werden, dass sich der Sitz des Simulators genauso bewegt, wie die Kamera des Videos bewegt wurde», erklärt Guido Schuster.

Fliegen, Reiten, Fahren lernen

An Ideen und Möglichkeiten, den neuen Simulator einzusetzen, mangelt es nicht. Aktuell laufen Verhandlungen mit einer Firma aus der Flugbranche, die Interesse an dem Simulator hat. Auch mit Google wurde bereits während eines informellen Treffens darüber gesprochen, so Schuster. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind der Reitsport, Fahrschulen oder die Medizin. Die ersten Fahr- oder Reitstunden liessen sich mit einem entsprechend angepassten Cockpit oder Sattel-Sitz realitätsgetreu absolvieren. Patienten mit Gleichgewichtsstörungen könnten in Therapie-Settings mit dem Simulator arbeiten, ganz ohne Verletzungsgefahr. Auf diversen Messen durfte der neue Simulator bereits auch gestandene Militärpiloten begeistern. Welche Anwendungen in Zukunft auf das Gerät warten, zeigt sich in den nächsten Monaten.

 

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Dieser Beitrag stammt von der Hochschule für Technik Rapperswil HSR. Er erschien erstmals im HSR-Magazin 2017/2
Kontakt zum Forschenden: guido.schuster@hsr.ch
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