Im Jahr 2018 konsumierten Wirtschaft und Bevölkerung in der Schweiz 1,3 Prozent weniger Elektrizität als im Vorjahr. Gegenüber dem Spitzenjahr 2010 sank der inländische Stromkonsum sogar um 3,3 Prozent. Das lässt sich aus den Daten des Bundesamtes für Energie (BFE) von Januar bis November 2018 und dem Witterungsverlauf im Dezember abschätzen. Die offiziellen Daten über das Kalenderjahr 2018 folgen voraussichtlich Ende März; sie werden diese Schätzung mit plus/minus 0,2 Prozent bestätigen.

Noch stärker als der Stromverbrauch sank 2018 erneut der gesamte Energiekonsum in der Schweiz; die offiziellen Zahlen dazu wird das BFE in einigen Monaten publizieren. So setzte sich der langjährige Trend, dass der Anteil der Elektrizität am gesamten Energiemix zunimmt, auch 2018 fort. Fachleute bezeichnen diese Entwicklung als Substitution von Erdöl und Erdgas durch Elektrizität. Das geschieht unter anderem durch den vermehrten Einsatz von Elektro-Wärmepumpen oder – in noch sehr geringem Mass – durch Förderung der Elektromobilität.

Drei Gründe für tieferen Stromkonsum

Im Unterschied zum Strom- und gesamten Energiekonsum wuchsen Wirtschaft und Bevölkerung 2018 weiter, seit dem Jahr 2010 um rund 12 Prozent (Wirtschaft) respektive 8 Prozent (Bevölkerung). Das heisst: Noch stärker als absolut ist in der Schweiz der Strom- und der Gesamt-Energiekonsum pro Kopf der Bevölkerung und pro Einheit des Bruttoinlandprodukts (BIP) gesunken. Für diese Entwicklung gibt es drei Gründe:

1. Die Energieeffizienz wuchs und wächst in der Schweiz. Das liegt am technischen Fortschritt. Den Einsatz von effizienterer Energietechnik haben staatliche Verbrauchsvorschriften, etwa für Elektrogeräte, Motoren, Anlagen und Gebäude, in den letzten Jahren zusätzlich gefördert. Allerdings hinken diese Vorschriften weiterhin dem Stand der besten Technik hinterher.

2. Warme Witterung: Ein Teil des Minderverbrauchs von Strom und Energie ist auf das milde Klima, insbesondere die wärmere Witterung während der Heizperiode (Oktober bis April) zurückzuführen. Ein Indikator dafür ist die Zahl der Heizgradtage (HGT). Die HGT-Zahl lag 2018 auf dem zweittiefsten Wert aller Zeiten und war deutlich tiefer als in den Vergleichsjahren 2017 und 2010. Wenn die Zahl der Heizgradtage tief ist, müssen wir für die gleiche Raumtemperatur weniger Heizöl und Strom verheizen.

3. Verlagerung ins Ausland: Ein wachsender Teil des einst inländischen Energiebedarfs wird durch die Globalisierung ins Ausland verlagert, weil die Schweiz mehr energieintensive Rohstoffe, Halb- und Fertigfabrikate importiert und damit mehr graue Energie konsumiert. Beispiel: Schwellenländer wie China oder Indien, die sich zu globalen Fabriken entwickeln und einen hohen Exportüberschuss ausweisen, ersparen uns einen Teil des inländischen Energiebedarfs.

Inländische Stromproduktion nahm 2018 stark zu

Während der Stromkonsum im Inland abnahm, stieg die Produktion von Elektrizität in der Schweiz 2018 gegenüber dem Vorjahr um stolze 10 Prozent. Grund: Mehr Wasser, davon viel aus schmelzenden Gletschern, floss auf die Turbinen der Wasserkraftwerke. Die Atomkraftwerke, die in den Vorjahren oft stillstanden, erzeugten 2018 ebenfalls wieder mehr Strom. Zudem förderte das sonnenreiche Jahr – auf tiefem Niveau – die solare Stromproduktion. Vor allem dank dieser höheren Produktion hielten sich 2018 Import- und Export von Elektrizität etwa die Waage, nachdem die Schweiz in den beiden Vorjahren einen hohen Importüberschuss an Strom verzeichnet hatte.

Langfristig hingegen dürfte die Abhängigkeit der Schweiz von Stromimporten wieder zunehmen, wenn die alten Atomkraftwerke aus Altersgründen abgestellt werden müssen. Denn die zusätzliche Stromproduktion aus Fotovoltaik-Anlagen und Windkraftwerken kann den Wegfall des Atomstroms nur teilweise ersetzen. Vor allem im Winterhalbjahr wird die Abhängigkeit der Schweiz von Importstrom stark steigen.

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