Aufstehen, frühstücken, an den Schreibtisch sitzen, mit der Arbeit beginnen – so sieht momentan wohl der Arbeitstag vieler Schweizerinnen und Schweizer aus. Nach dem Tagwerk gibt es kein Feierabendbier in der Gartenbeiz und kein Picknick am Seeufer. Und das, obschon seit einem Monat nun Tag für Tag die Sonne von einem fast wolkenlosen Himmel scheint.
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Einige Dermatologen wird das zwar freuen, denn sie warnen unablässig vor den Schäden, die UV-Strahlung unserer Haut zufügen kann. Und das zurecht, denn durch Sonnenbrand verursachter Hautkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in der Schweiz. Doch zu wenig Sonnenlicht ist ebenfalls nicht gesund.

Vitamin D für die Knochen

In gewissen Mengen ist die UV-Strahlung unentbehrlich für die Herstellung von Vitamin D. Im Gegensatz zu anderen Vitaminen produziert der menschliche Körper diesen Mikronährstoff nämlich selbst: Das passiert in der Haut, aus hormonellen Vorgängerstoffen und unter der Einwirkung von UV-B-Licht. Zehn Minuten in der sommerlichen Mittagsonne reichen aus, um das benötigte Vitamin D für einen Tag zu produzieren. Fehlt dieses bisschen Tageslicht und wird das entstehende Defizit an Vitamin D auch durch die Ernährung, zum Beispiel durch den Verzehr von Fisch, Eiern oder Käse, nicht vollständig ausgeglichen, so kommt es zu Mangelerscheinungen.

Ohne Vitamin D kann der Darm nur einen Bruchteil des Kalziums aus dem Essen aufnehmen. Das bringt den Kalziumhaushalt im Körper aus dem Gleichgewicht und hat Folgen auf die Knochen. Bei Kindern ist die Knochenkrankheit Rachitis besonders verheerend. Es handelt sich um eine Störung des Knochenstoffwechsels: Die Mineralstoffe Kalzium und Phosphat werden in zu kleinen Mengen in die Knochen eingebaut. Diese bleiben deshalb weich und können sich verformen. Bei Erwachsenen führt ein Vitamin-D-Mangel ebenfalls zu weichen Knochen und schmerzenden Gelenken, man spricht in diesem Fall von einer Osteomalazie. Eine weitere Knochenkrankheit, die bei zu wenig Vitamin D droht, ist die Osteoporose. Der fortwährende Aufbau der Knochenzellen funktioniert nicht richtig und dadurch sind die Knochen weniger dicht, was sie anfälliger macht für Brüche.

Ein Experiment mit haarlosen Mäusen lässt vermuten, dass Sonnenlicht die Gesundheit auch noch in einer weiteren Hinsicht stärkt. Während vier Tagen waren die Mäuse schwacher UV-B-Strahlung ausgesetzt. Davon wurde ihre Epidermis, die äusserste Schicht der Haut, dicker und schützte sie besser vor Allergie auslösenden Stoffen und Mikroorganismen.

Das Immunsystem profitiert möglicherweise noch auf andere Art von der UV-B-Strahlung im Sonnenlicht: Mäuse, die nach viertägigem Strahlenbad zusätzlich mit dem Parasiten Leishmania amazonensis infiziert wurden, zeigten geringere Hautverletzungen als Mäuse, die kein Licht erhalten hatten. Das führt zu einer paradoxen Situation: Die UV-Strahlung im Sonnenlicht schadet und nützt unserer Haut also gleichzeitig.

Guter Schlaf dank der Sonne

Sonnenlicht spielt ausserdem eine fundamentale Rolle für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus, denn es steuert den Melatoninspiegel in unserem Körper. Die Ausschüttung dieses hormonellen Botenstoffs setzt mit beginnender Dunkelheit ein und lässt uns müde werden. Sobald uns das morgendliche Sonnenlicht erreicht, sinkt die Melatoninkonzentration und wir erwachen. Personen, die vom Tageslicht abgeschirmt werden, brauchen länger, um einzuschlafen und berichten von schlechterem Schlaf. Und schlechter Schlaf drückt auf die Stimmung.

Das ist ein Faktor, der zu einer sogenannten saisonal-affektiven Störung führen kann, einer emotionalen Störung also, die von den Jahreszeiten abhängt. Weniger Sonnenlicht kann zudem ein Rückgang von Serotonin zur Folge haben, das auch als Glückshormon bekannt ist. Dadurch kann es zu einer Depression kommen, die typischerweise im Herbst einsetzt und während den Wintermonaten anhält.
Und noch ein Hormon ist vom Sonnenlicht abhängig: Wenn die UV-Strahlen bei einem Spaziergang unsere Haut erreichen, steigt in uns die Konzentration an Beta-Endorphinen. Wenn dieser Botenstoff in unserem Körper ausgeschüttet wird, können wir Schmerzen leichter ertragen, besser mit Stress umgehen und werden glücklicher.

Unsere Haut also im richtigen Mass der Sonne auszusetzen, ist auf jeden Fall empfehlenswert. Noch entspannender wird der Spaziergang, wenn du den Wald erreichst: Ähnlich wie das Sonnenbad lindert auch das «Waldbad» die Anspannung. Nach einem Aufenthalt im Wald fühlt man sich gemäss einer statistischen Studie weniger feindselig und niedergeschlagen, dafür umso lebhafter. In einer anderen Studie kamen die Forschenden zum Ergebnis, dass die Konzentrationen von Stresshormonen wie Kortisol und Adrenalin sowie von entzündungsauslösenden Botenstoffen bei einem Waldbesuch zurückgehen.

Ein Spaziergang allein oder mit Personen aus dem gleichen Haushalt ist also auch in Zeiten der Corona-Pandemie empfehlenswert. Wer das Haus nur in dringenden Notfällen verlassen möchte, dem sei zu einem Sonnenbad am offenen Fenster geraten. Und die wohltuende Wirkung eines Waldes lässt sich mit Zimmerpflanzen nachahmen: Gemäss einer Studie können Interaktionen mit Zimmerpflanzen nämlich physiologisch und psychologisch zu Stressabbau führen. Warum also nicht die Arbeit am PC zwischendurch unterbrechen und einen Gummibaum umpflanzen.

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