Benedikt Meyers Zeitreise

Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catillons tragischem Ende und von Henri Dunant bis Iris von Roten.

Das Kloster von Romainmôtier war eines der ersten auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Schon Mitte des 5. Jahrhunderts soll hier der Mönch Romanus eine Klause errichtet haben und das «Romanis Monasterium» entwickelte sich bald zu einem Knotenpunkt religiöser Beziehungen. Hier holte der Burgunderkönig Sigismund Mönche für sein neu gegründetes Kloster in St. Maurice, hier kam im 7. Jahrhundert Columban vorbei und im Jahr 753 verbrachte sogar der Papst persönlich die Weihnachtstage in Romainmôtier.

Als erster Papst überhaupt nahm Papst Stephan die strapaziöse Reise über den grossen St. Bernhard auf sich. In Romainmôtier feierte er Weihnachten, weihte Kirchen, stellte das Kloster unter seinen besonderen Schutz und zog dann weiter in Richtung Norden. In Ponthion (zwischen Paris und Strasbourg) traf er auf den Frankenkönig Pippin. Er hüllte sich in ein Bussgewand, warf sich dem König zu Füssen und bat ihn, ihm im Kampf gegen die Langobarden beizustehen. Diese bedrängten ihn schon seit Langem in Rom. Pippin folgte der Bitte des Papstes, zog nach Italien und besiegte die Langobarden. Das Land rund um die «Vatikan» genannte Anhöhe, das er den Langobarden dabei abnahm, schenkte Pippin dem Papst. Es wurde zum Sitz und Synonym für das Machtzentrum der katholischen Kirche.

Pippins Hilfsbereitschaft hatte gute Gründe. Denn nur dank Rom war Pippin überhaupt erst zum König der Franken geworden. Sein Vater Karl Martell war zwar de facto der mächtigste Mann im Frankenland gewesen, hatte aber bloss das Amt des Hausmeiers, also des Verwalters inne gehabt. Darum hatte Pippin dem damaligen Papst Zacharias einen Brief geschrieben und rhetorisch gefragt, ob es gut sei, wenn einer ein Amt habe und ein anderer die dazugehörige Macht. Der Papst antwortete, es wäre besser, wenn Macht und Amt vereint wären. Damit hatte er Pippin seinen Segen gegeben, den alten König abzusetzen und sich selbst krönen zu lassen. Das war der Beginn der engen Beziehung zwischen den Frankenkönigen und dem Vatikan, die auch für Pippins grossgewachsenen Sohn Karl noch von einiger Bedeutung sein sollte.

Digital in die Vergangenheit

Der Blog des Schweizerischen Nationalmuseums publiziert regelmässig Artikel über historische Themen. Diese reichen von den Habsburgern über Auslandschweizer bis hin zu heimischer Popmusik, die es zu Weltruhm gebracht hat. Der Blog beleuchtet viele Facetten der Landesgeschichte in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Mehr dazu gibt es unter: blog.nationalmuseum.ch

Diesen Beitrag teilen
Unterstütze uns

regelmässige Spende