Das musst du wissen

  • Ein Nickerchen von mehr als 60 Minuten erhöht das Risiko frühzeitig zu sterben und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Das Risiko ist aber nur dann erhöht, wenn die Person in der Nacht mehr als sechs Stunden schläft.
  • Warum ein Schläfchen den Körper beeinträchtigt und wie sich dessen Häufigkeit auswirkt, ist noch unklar.
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Ein Mittagsschlaf kann Wunder wirken: Wir fühlen uns danach oft leistungsfähiger und erholter, sind besser gelaunt und können uns auch besser konzentrieren. Er kann uns aber auch schaden: Wer tagsüber länger als eine Stunde schläft, hat ein erhöhtes Risiko frühzeitig zu sterben und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies zeigt eine aktuelle Metaanalyse, in der Wissenschaftler der medizinischen Universität Guangzhou die Daten von insgesamt mehr als  313 000 Probanden aus 20 sogenannten Kohortenstudien auswerteten. In solchen Studien werden Personen aus zwei Gruppen oft über mehrere Jahre hinweg beobachtet. Dabei machte die eine Gruppe regelmässig Mittagschlaf, die andere nicht. So liess sich auch der Gesundheitszustand der Probanden verfolgen und erkennen, ob und woran sie erkranken oder gar sterben.

Science-Check ✓

Studie: Association of napping and all-cause mortality and incident cardiovascular diseases: a dose–response meta analysis of cohort studiesKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsMit 20 miteinbezogenen Studien ist diese Metaanalyse die bisher umfassendste ihrer Art auf diesem Gebiet. Je nach Untergruppe wie beispielsweise Alter, Geschlecht oder Dauer, beruht die Auswertung aber auf einer kleineren Zahl Studien. Unklar ist, ob zwischen längeren Nickerchen und Sterben wirklich ein kausaler Zusammenhang besteht oder nicht eher andere Faktoren ausschlaggebend sind. So könnte es sein, dass beispielsweise depressive Menschen mehr schlafen und aufgrund ihrer Depression ein höheres Sterberisiko haben.Mehr Infos zu dieser Studie...

Für ihre Metaanalyse wählten die chinesischen Mediziner nun all jene solcher Kohortenstudien aus, die den Effekt von Tagesschlaf auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder allgemeine Sterblichkeit untersuchten. Insgesamt schliefen rund 40 Prozent aller Probanden tagsüber. Die Analyse zeigt: Personen die mehr als 60 Minuten schliefen, hatten gegenüber denjenigen die kein Nickerchen machten, ein 30 Prozent höheres Risiko frühzeitig zu sterben. Die Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Erkrankungen war um 34 Prozent erhöht. Ein kurzes Schläfchen von bis zu dreiviertel Stunden hingegen, konnte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar leicht senken.

Ähnliche Ergebnisse zeigte bereits eine Studie aus dem Jahr 2015. Mit der aktuellen Metaanalyse erhärtet sich diese Erkenntnis nun aber, da sie fast doppelt so viele Studien auswertet. Gleiches gilt für die Beobachtung, welchen Einfluss die nächtliche Schlafdauer hat: Nur bei Personen die Nachts mehr als sechs Stunden schliefen, erhöhte ein über einstündiges Nickerchen das Sterberisiko. Der Tagesschlaf scheint damit einen nächtlichen Schlafmangel auszugleichen – der seinerseits negative gesundheitliche Folgen, wie etwa Diabetes haben kann.

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Wieso genau ein langes Nickerchen unserer Gesundheit aber schaden könnte, bleibt auch mit der aktuellen chinesischen Studie weiterhin unklar. Unbeantwortet bleibt auch die Frage, welchen Einfluss es hat, wie oft wir uns pro Woche tagsüber hinlegen. Genau dies könnte aber eine wichtige Rolle spielen: So hatten Probanden, die ein- bis zweimal die Woche Mittagschlaf machten, sogar ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als jene die sich nicht hinlegten – unabhängig von der Schlafdauer. Die Studie basiert jedoch auf einer relativ geringen Zahl Probanden und muss damit durch grössere Untersuchungen bestätigt werden. Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich bei der nächsten Siesta unbedingt einen Wecker stellen.

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