Benedikt Meyer


Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.

Es lag nicht nur an der Sommerzeit : Die Schweiz hatte verschlafen. Im Jurabogen tickten die Uhren zwar nicht langsamer, aber immer leiser. Ihre feingliedrige Technologie, war aus der Mode gekommen. Die Japaner hatten die Schweiz mit ihren Digitaluhren kalt erwischt.

Dabei hatte die Horlogerie hierzulande eine lange Tradition. Seit dem 17. Jahrhundert wurden zunächst in Genf und später im Jurabogen Uhren gefertigt. Nicht so gute wie in Paris oder London natürlich, aber immerhin. Dann brach in Frankreich die französische und in England die industrielle Revolution aus und die Schweiz avancierte zum Zentrum der Uhrmacherei.

Diese war lange Zeit Heimarbeit. An dunklen Abenden und in langen Wintern fertigten die Bauern im Schein ihrer Öllampen Zeiger, Zahnräder, Schrauben und Gehäuse. Selbständig, in Eigenregie und mit der Zeit immer professioneller. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlagerte sich die Produktion zusehends in Fabriken, und die Markennamen gewannen an Glanz.

Uhren waren unerlässlich: sie schlugen den Takt der Industrialisierung, tickten die Rhythmen der Moderne. 1870 produzierte die Schweiz drei Viertel aller Uhren weltweit. Die Uhrmacherei wurde zum Nationalsymbol; Pünktlichkeit und Präzision galten als «schweizerisch».

Allerdings: Die Krisen der 1920er- und 1930er-Jahre führten zu Kartellen und diese bewirkten, dass die Uhrmacher bequem wurden. 1967 wurde in Neuenburg die erste Quarzarmbanduhr entwickelt. In der Folge wurden aber bloss einige tausend Stück produziert. Ganz anders in Japan: dort produzierte Seiko bald Millionen von Quarzuhren mit Display und Digitalanzeige. Daraufhin gingen im Jurabogen die Fabriken zu. Rund zwei Drittel der 90 000 Arbeitsplätze in der Schweizer Uhrenbranche gingen verloren, die Tage der Uhrmacherei schienen gezählt.
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Die Rettung war klein, rund und hatte eine grosse Nase. Nicolas Hayek war 1949 aus dem Libanon in die Schweiz gekommen, er wurde als Berater beigezogen, investierte aber bald selbst und war 1983 massgeblich an der Fusion von SSIH und Asuag zur späteren Swatch-Group beteiligt. Hayek sorgte für eine billigere Produktion, wirklich entscheidend war aber das Marketing. Swatch lancierte poppige Plastikuhren, die Kinderuhr Flik-Flak sowie viele weitere, schnell wechselnden Moden unterworfene Modelle. Und Swatch setzte auf den Begriff «Swiss Made», für den der Bund 1971 genaue Definitionen erlassen hatte.

Hayek gelang es, die Uhr der Zeit anzupassen. Stück für Stück kämpften sich die Schweizer Uhrmacher zurück und sorgten so dafür, dass die Schweizer Uhren – vielleicht mit Ausnahme jener eines Berner Liedermachers – nicht stehenblieben.

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