Die USA haben 1,13 Millionen bestätigte Corona-Fälle und 66’369 Menschen sind an der Krankheit gestorben.

Italien: 209’000 Fälle und 28’700 Tote.
Spanien: 216’582 Fälle und 25’200 Tote.
Schweiz: 29’900 Fälle und 1’473 Tote.

Was sagen uns diese Zahlen? Recht wenig.

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Denn es ist ja nur logisch, dass die USA mehr Fälle haben als europäische Länder. Sie sind ja auch viel grösser.

Wichtig ist bei Zahlen immer der Bezug. Wenn man die Covid-Todesfälle von Frankeich, Italien und Spanien zusammenzählt, ergibt das etwa 76’000. Also mehr als die USA. Aber die drei Länder haben zusammen nur etwa halb so viele entdeckte Fälle wie die USA. Also ist die Todesrate pro entdeckte Fälle viel höher.

Oder ist die Zahl der entdeckten Fälle der falsche Bezug? Weil man vielleicht einfach zu wenige Leute getestet hat?

Wäre der bessere Bezug die Einwohnerzahl? Dann haben die USA 202 Tote pro Million Menschen, Italien 420 – mehr als doppelt so viel, Spanien sogar 536. Die Schweiz 211. [hier hiess es im Originaltext „17“ statt „173“ (bezogen auf eine Todesfallzahl von 1473). Wir haben den Fehler dank des Hinweises eines Users umgehend korrigiert und dabei gleich noch auf die aktuelle Todesfallzahl von 1795 bezogen] Und China, dort wo die Seuche ausgebrochen ist? Drei!

Also ist auch der Bezug zur Gesamtbevölkerung ein falscher Vergleich. Hingegen ist Covid-19 in Bergamo oder New York ein Desaster.

Und wären alle Corona-Todesopfer der Schweiz in Egliswil gestorben, wäre ein ganzes Dorf ausgelöscht – und wir würden zu Recht von einer Katastrophe sprechen.

Das heisst: wer mit Zahlen argumentiert, kann im Prinzip alles beweisen – und nichts.

Das gilt für jede Diskussion. Zum Beispiel Treibhausgas-Emission. Wie schädlich ist der Flugverkehr? «Kaum schädlich» könnte man mit Zahlen belegen: Weltweit ist er für nur 2,5 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich. Aber diese Betrachtung ist höchst unfair. So hängen wir nämlich Schadstoffe, die wir verursachen, Menschen an, die niemals in ihrem Leben eine Flugreise unternehmen können. Zum Beispiel Slumbewohnern in Brasilien oder Südafrika.

In der Schweiz hat der Flugverkehr einen Anteil von 12 Prozent an den CO2-Emissionen. Aber auch das ist der falsche Bezug. Denn Fliegen oder nicht fliegen beeinflusst den CO2-Ausstoss der Heizungen nicht. Der bessere Bezug wäre das Total der verkehrsbedingten Emissionen. Und hier liegt der Flugverkehr in der Schweiz bei über 30 Prozent. So hätten wir bewiesen, dass Flugverkehr sehr wohl ein Problem ist.

Auch Durchschnittwerte sind sehr häufig falsch: Denn Christoph Blocher und ich haben ein durchschnittliches Privatvermögen von zwei bis drei Milliarden Franken. Wow, bin ich reich.

Also, mit an sich korrekten Zahlen beliebige Bezüge herzustellen, ist äusserst manipulativ, aber leider eine gängige Methode.

Der Faktist

Der Faktist schaut ganz genau hin. Im Dschungel der wissenschaftlichen Studienresultate behält er den Überblick. Zeigt, was zusammenhängt. Und was einfach nicht aufgeht. Der Faktist ist Beat Glogger, Gründer und Chefredaktor von higgs. Jeden Dienstag als Sendung auf Radio 1 und als Video auf higgs.
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