Benedikt Meyer


Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.

Aufwärtsfahren! Auf die Bretter stehen und einfach den Berg hinaufgleiten! Davon träumten die keuchenden, staksenden und stolpernden Skifahrerinnen und Skifahrer rund 54 Minuten pro Stunde. Nur die übrigen sechs Minuten fuhren sie bergab. Bis 1934 in Davos der Bolgen-Lift eröffnet wurde (für Bilder hier klicken) Der erste Skilift der Welt – und eine mittlere Sensation.

Skis erreichten die Schweiz erst Ende des 19. Jahrhunderts. Nach der Geschichte über einen Meisterschützen waren sie bereits der zweite wichtige Kulturimport aus der norwegischen Telemark. Und die dazugehörigen Worte lieferten die Skandinavier gleich mit: «ski», «slalåm», «løype».

Für die Wintersportler war der Davoser Lift ein Segen. Die Tageskarte für den 270 Meter langen Lift kostete 50 Rappen. Schon im ersten Jahr transportierte er 70 000 Personen. Im zweiten wurden die J-Bügel durch T-Bügel ersetzt und so die Kapazität verdoppelt. Und in den nächsten Jahren wurden im ganzen Alpenraum Dutzende weitere Lifte installiert.

Ein Segen war der Bolgen-Lift auch für Kinder wie Paul Accola. Dieser sammelte im Frühling jeweils das Kleingeld von der Wiese, welches den Skifahrenden bei Stürzen aus den Taschen gefallen war (Reissverschlüsse waren damals noch unüblich).

Vor allem aber war der Lift ein Segen für die Hoteliers. Der Sport ermöglichte es ihnen, die Hotels auch im Winter offen zu halten. Und die Tourismus-Organisationen druckten einige ihrer schönsten Plakate, um den Leuten das Skifahren schmackhaft zu machen.

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Zunächst ging es dabei vor allem um Gäste aus dem Ausland. Erst als diese im Zweiten Weltkrieg ausblieben, wurde das Skifahren als Volkssport idealisiert. Sogar die Winterferien wurden deshalb 1941 verlängert. Mit Erfolg: Dank Werbung, Skilagern, Musik und natürlich dem Skirennsport wurde das Selbstbild der Schweiz als Skination gefestigt.

Einer, der diesen Rennsport mitprägte, war Paul Accolas Sohn, Paul junior. Der vierschrötige Querkopf wuchs nahe der Piste auf und lernte am Bolgen-Lift so ausserordentlich gut Skifahren, dass er 1992 den Gesamtweltcup gewann und 1988 eine olympische Medaille. Leider in der von ihm ungeliebten Kombination. Jener Disziplin, von der er einmal gesagt hatte, dass sie «keinen Schwanz interessiert». Dementsprechend lapidar war «Päulis» Kommentar: «Bringt nüt, schadt nüt.»

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