Das musst du wissen

  • Immer wieder sterben Menschen in Mengen, die sich stauen. So forderte 2015 eine Massenpanik in Mekka 700 Tote.
  • Zur Erhöhung der Sicherheit können mathematische Berechnungen dienen.
  • Nun schlagen Physiker vor, Menschen nicht wie Individuen zu betrachten, sondern die ganze Masse als eine Flüssigkeit.

Flüchten viele Leute in Panik durch einen Notausgang, wird die Menschenmenge selbst zur Gefahr. Der Knallkörper-Streich in einem Dortmunder Einkaufszentrum am dritten Adventssamstag des vergangenen Jahres endete mit nur einigen Leichtverletzten relativ glimpflich. Doch die Massenpanik von 2015 im Hadsch in Mekka wurde für über 700 Menschen zur Todesfalle.

TV-Beitrag zur Massenpanik in Mekka

Darum suchen Forschende nach Methoden, um den Fluss von Menschenströmen besser vorauszusagen – oder Infrastrukturen und Notausgänge zu konstruieren. Schon frühere Studien versuchten, Regeln für das Verhalten einer Menschenmenge zu entwickeln, indem sie jede Person als Individuum behandelten. Doch um zu verstehen, wie Wein in einem Glas wirbelt, muss man nicht den Weg jedes einzelnen Moleküls in der Flüssigkeit kennen – so überlegten die Physiker Nicolas Bain und Denis Bartolo von der École Normale Supérieure de Lyon in Frankreich. In ihrem neuen Modell behandeln sie die Menschenmenge wie eine Flüssigkeit.

Entwickelt haben sie das Modell mit Filmmaterial von Marathonläufern. Vor dem Rennen ordnen sich die Läufer in Leistungsgruppen ein, die einzeln an den Start vorgelassen werden. Dazu bilden die Helfer des Anlasses vor jeder dieser Gruppen eine Reihe und halten die Teilnehmer zurück, bis es davor Platz zum Losrennen gibt. Diesen Start-Vorgang haben die Forschenden bei vier Läufen gefilmt – darunter jene von Chicago in den Jahren 2016 und 2017 – und fanden, dass das Verhalten der Helfer die Dichte der Menschenmenge und deren Geschwindigkeit beeinflusst, wie wenn man in einer Flüssigkeit Wellen schlägt. Überprüft wurde die Methode bei den Marathons in Paris und Atlanta im Jahr 2017.

So empfehlen die Forschenden nun, dass man eine Menschenmenge besser wie eine Flüssigkeit als wie eine Ansammlung von Kügelchen betrachten soll. Dies soll das Verhalten von Menschenmengen besser voraussagbar und oder Fluchtwege besser planbar machen.

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