Es begleitet uns fast überall hin und hat viele fast schon versklavt: Das Smartphone. Doch was führt dazu, dass sich einige Menschen dauernd ablenken lassen und das Gerät zücken, sobald es surrt – andere aber geduldig warten können, bis sie Zeit dafür haben? Dieser Frage sind Wirtschaftswissenschaftler und Psychologen der Uni Bern nachgegangen. Und haben mit wissenschaftlichen Methoden ein gängiges Vorurteil bestätigt: Menschen mit geringer Selbstkontrolle zücken ihr Smartphone, sobald es vibriert.

Das fand das Forscherteam heraus, in dem es mit 108 Teilnehmenden einen Versuch durchführte. Jeder Proband erhielt an drei aufeinanderfolgenden Tagen je fünf SMS-Nachrichten. Darin wurde er aufgefordert, Fragen zur aktuellen Befindlichkeit zu beantworten. An diesen Antworten waren die Wissenschaftler aber eigentlich gar nicht interessiert. Stattdessen massen sie die Zeit, die zwischen dem SMS-Versand und dem Klicken auf den Link in der Nachricht verstrich. Einige Probanden waren sehr schnell: 335 der insgesamt 1493 Antworten kamen innerhalb der ersten Minute rein. Zusätzlich erhoben die Forschenden, wie sehr sich die Testpersonen im Allgemeinen unter Kontrolle haben. Dazu mussten diese bewerten, wie sehr 13 Aussagen auf sie zutrafen, wie etwa «Ich habe eine eiserne Selbstdisziplin» oder «Ich handle oft, ohne alle Alternativen durchzudenken».

Durch die Kombination dieser Antworten mit den gemessenen Zeiten zeigte sich: Wer seine Impulse generell nicht unter Kontrolle hat, hat auch Mühe, nicht sofort auf das Smartphone zu reagieren. Für sie dürfte gelten, was schon Oscar Wilde sagte: «Ich kann allem widerstehen, ausser der Versuchung.»

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