Das musst du wissen

  • In der Schweiz infizieren sich immer mehr Menschen nach einem Zeckenstich.
  • Eine App der ZHAW hilft dabei, die Stiche richtig zu kontrollieren.
  • Das macht bisher aber nur jeder Vierte.

In der Schweiz haben sich im letzten Jahr so viele Menschen nach einem Zeckenstich mit der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) infiziert wie seit 18 Jahren nicht mehr. Insgesamt wurden 377 Fälle gemeldet, wie das BAG schreibt.

Das müsste nicht sein, haben sich Forschende der ZHAW vor rund vier Jahren gedacht und deshalb eine App namens «Zecke» entwickelt. Diese App hilft dir dabei, deinen Zeckenstich richtig zu kontrollieren. Denn mit dem blossen Entfernen des kleinen Biestes ist das Risiko einer Infektion noch lange nicht gebannt. Zwar gäbe es für die FSME auch eine Impfung, für Borreliose jedoch nicht.

So ruft dich die App fünf Tage nach dem Stich zu einer ersten Kontrolle auf, um den Zeckenstich an deinem Körper wieder zu finden und diesen mit den Symptombeschreibungen abzugleichen. Diese helfen dir beispielsweise dabei, zwischen Hautirritationen, Eiterung und der mit Borreliose einhergehenden Wanderröte unterscheiden zu können. Das macht jedoch nur rund ein Drittel der App-Userinnen und -User, wie die Forschenden in einem Fazit schreiben. Die dritte und letzte Symptomkontrolle nach 28 Tagen sogar nur noch jeder Vierte. «Diese Resultate zeigen, dass in der konsequenten Symptomkontrolle noch viel Präventionspotenzial steckt», erklärt App-Mitentwickler und ZHAW-Zeckenforscher Werner Tischhauser in einer Mitteilung. Denn mit regelmässig durchgeführten Zecken-Checks am Abend und Symptomkontrollen habe es jede Nutzerin und jeder Nutzer selbst in der Hand, das Risiko für zeckenübertragbare Krankheiten zu minimieren.

Bereits 20 000 Zeckenstiche erfasst

ZHAW

Die orange Fläche zeigt die totalen Stichmeldungen (19’646), die grüne Linie die total gemeldeten Zeckensichtungen (3’072).

Seit Lancierung der ZHAW-App «Zecke» vor vier Jahren wurden nahezu 20’000 Zeckenstiche erfasst. Die Auswertung der Daten belegt, dass die Zahl der eintreffenden Zeckenstichmeldungen am Morgen deutlich ansteigt und bis 17 Uhr ungefähr auf demselben Niveau bleibt. Zwischen 17 und 23 Uhr kommt das Tagebuch der Präventions-App besonders oft zum Einsatz. Zu dieser Zeit werden 45,5 Prozent aller Zecken nach Entdeckung und Entfernung erfasst. Der Zeckenexperte Werner Tischhauser von der ZHAW sieht die Gründe dafür im menschlichen Verhalten: «Der abendliche Anstieg kann mit der Dusche nach einer Outdoor-Aktivität erklärt werden. Für den Anstieg am Morgen ab 6 Uhr könnten während der Morgentoilette entdeckte Zeckenstiche des Vortages verantwortlich sein.» Bei den Zeiten handelt es sich immer um den Zeitpunkt der Erfassung in der App. Der effektive Zeckenkontakt kann Stunden bis Tage vorher passiert sein.

Generell rät die ZHAW in der Medienmitteilung, die Zecke so rasch wie möglich zu entfernen, um die Übertragung der Borrelien zu verhindern. Ein Arztbesuch sei jedoch erst nötig, wenn kreisrunde Wanderröte um den Stich herum erscheint oder grippeartige Symptome auftreten. Statistisch betrachtet musst du wegen eines Zeckenstichs
aber keine Angst haben. Nur aus drei Prozent aller Zeckenstiche resultiert eine Borreliose, bei weniger als einem Prozent findet eine FSME-Infektion statt.

Die Daten der App wollen die ZHAW-Forschenden in den nächsten zwei Jahren für die Entwicklung eines dynamischen-räumlichen Risikomodells verwenden. Also für tagesaktuelle Visualisierungen der Zeckensituation in der Schweiz sowie für Prognosen, die dabei helfen sollen, das Risiko für zeckenübertragene Krankheiten zu verringern und beispielsweise Lehrpersonen bei der Planung einer Waldprojektwoche unterstützen.

Die App für Android und für iOS.
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