Das musst du wissen

  • Es gibt verschiedene Maskentypen, die unterschiedlich gut vor Ansteckungen schützen.
  • Um vor Infektionen zu schützen, ist der korrekte Umgang mit den Masken enorm wichtig.
  • Masken ersetzen andere Hygienemassnahmen wie Händewaschen und Abstand-Halten nicht.
Lesehilfe: In Fett sind jeweils die letzten Aktualisierungen gekennzeichnet.
Letztes Update: 6. Juli

Zu Beginn der Pandemie wusste niemand so genau, wie man Masken für den Einsatz gegen Covid-19 am besten nutzt. Inzwischen hat sich das geändert und das Tragen von Masken wird von verschiedenen Seiten für alle Personen im öffentlichen Raum, vor allem im öffentlichen Verkehr, empfohlen. In der Schweiz gilt seit dem 6. Juli Maskenpflicht in allen öffentlichen Verkehrsmitteln.
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Dass Masken das Übertragungsrisiko von Sars-CoV-2 senken, ist unbestritten, wie auch eine Übersichtsstudie zeigte. Die Übersichtsstudie kam zum Schluss: Trägt eine Person eine Maske, ist ihr Risiko, sich anzustecken, nur noch einen Drittel so gross wie ohne Maske.

Lange war unklar, wie gut Masken gegen Ansteckungen mit Covid-19 schützen. Dafür fehlten belastbare Studien. Und: die Masken sind bisher in Experimenten und nicht im Alltag wissenschaftlich getestet worden.

Auch kommt es stark darauf an, wie gross die Tröpfchen und die darin enthaltenen Viren, die es zu filtern gilt, sind. Sars-CoV-2 ist zwischen 60 und 140 Nanometer gross. Das wichtigste vorab: Die Masken für den Alltäglichen gebrauch, also OP-Masken und Stoffmasken, können Viren zwar nicht aus der Luft filtern, denn diese sind zu klein. Die Tröpfchen, in denen die Viren aber in der Luft überleben, bleiben aber, in unterschiedlichem Mass, hängen. Sie schützen also vor allem die Umwelt – in geringerem Mass aber auch den Träger – davor, die Viren in Form von Tröpfchen weiter- oder aufzunehmen. Das ist vor allem auch deshalb wichtig, weil es viele asymptomatische Träger des Virus gibt.

Eine Modellierung zeigte aber, dass eine zweite Pandemiewelle durch das allgemeine Tragen von Masken verhindert werden könnte. Die effektive Reproduktionszahl Re, also wie viele Personen eine infizierte Person ansteckt, könne doppelt so effektiv eingedämmt werden, als wenn eine Maske erst bei ersten Symptomen getragen werden, so die Autoren einer neuen Studie der Universität Cambridge. Diese Zahl R muss unter 1 bleiben, um eine zweite Welle zu verhindern. Mittels Modellierungen kommen die Forschenden zum Schluss, dass, würden 100 Prozent einer Bevölkerung Masken tragen, die 75 Prozent Filtereffektivität aufweisen, dann könne selbst eine extrem hohe Reproduktionszahl von 4 auf unter 1 gedrückt werden – und das ohne Lockdown-Massnahmen. Und selbst wenn die Masken nur 50 Prozent Effektivität aufwiesen, sei ein Effekt zu erwarten.

Die Effektivität von Masken

Unbestritten ist die Filterwirkung der FFP-Masken (N95). Diese filtern mindestens 95 Prozent der Viren beim Einatmen und je nach dem auch beim Ausatmen aus der Luft. Weniger klar ist die Wirkung von OP-Masken und einem selbstgenähten Mundschutz.

In einer Labor-Studie konnten Forschende der Universität Hong Kong aber feststellen, dass OP-Masken die Menge an Corona-Viren beim Ausatmen von sehr kleinen Flüssigkeitstropfen, sogenannten Aerosolen, und bei grösseren Tröpfchen verringern konnten.

Science-Check ✓

Studie: Respiratory virus shedding in exhaled breath and efficacy of face masksKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des Autors Die Anzahl Probanden ist relativ klein, zudem konnten während des Experiments bei der Mehrheit der Corona-Infizierten auch ohne Maske keine ausgestossene Viren nachgewiesen werden – weil nicht alle husteten. Es handelte sich nicht um Sars-CoV-2 sondern um saisonale Coronaviren. Zudem kamen die Autoren auch zum Schluss, dass es zwischen verschiedenen Individuen beträchtliche Unterschiede geben könne, wie gut sie die Viren weiterverbreiteten. Die Studie gibt also Hinweise, muss aber durch weitere Studien bestätigt werden.Mehr Infos zu dieser Studie...

Doch bei OP-Masken scheint die Bandbreite der Effektivität sehr gross zu sein. Laut amerikanischen Behörden filtern sie zwischen zehn Prozent und 90 Prozent der Tröpfchen beim Ausatmen. Auch eine neue Studie, die noch nicht peer-reviewed ist, kam zu sehr unterschiedlichen Wirkungsgraden der OP-Masken (50 bis 75 Prozent Filterwirkung von Partikeln kleiner als 300 Nanometer).

Die eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) hat deshalb die Prüfmethoden zur Untersuchung von Masken und Schutzsystemen ausgebaut, um mehr Klarheit zu schaffen. Das unabhängige Schweizer Prüf- und Zertifizierungsunternehmen Testex in Zürich hat nun ein Label für Community Masken lanciert. Empa-Forschende haben gemeinsam mit der Schweizer Textilbranche Technologien und Qualitätsstandards für textile Masken entwickelt. Sicher gestellt wurden die Luftdurchlässigkeit, die Undurchlässigkeit für Speichelspritzer und die Filtrationseffizienz von mindestens 70 Prozent bei einer Partikelgrösse von 1 Mikrometer. Die Maske schütz dabei die Aussenwelt vor Tröpfchen, die der Tragende ausspucken könnte. Verschiedene einheimische Textilunternehmen gehen jetzt daran, die Stoffmasken in Massen zu produzieren.

In der Schweiz sind ausserdem neue, transparente Masken entwickelt worden. Forschende des EssentialTech Center der EPFL und der eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) haben diese in den letzten zwei Jahren entwickelt. Das Startup HMCARE soll die Masken ab 2021 vertreiben. Die Masken bestehen aus einem speziell entwickelten Polymer, das hauptsächlich aus Biomassederivaten gewonnen wird. Sie sind rezyklierbar.

Doch wie steht es mit selbstgemachten Masken? Eine Studie der Universität Cambridge hat 2013 untersucht, wie gut diese funktionieren. Eine selbstgemachte Maske aus einem Baumwoll-T-Shirt filterte dort rund die Hälfte der virenähnlichen Mikroorganismen, eine OP-Maske hingegen fast 90 Prozent.

Science-Check ✓

Studie: Testing the Efficacy of Homemade Masks: Would They Protect in an Influenza Pandemic?KommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDie Probandenzahl ist extrem klein und kaum aussagekräftig. Auch machten alle Probanden ihre Masken selber, die Masken könnten also Unterschiede aufweisen. Die Baumwoll-T-Shirts, aus denen die Masken gemacht wurden, waren zudem neu. Und: Sie trugen die Masken nicht längere Zeit, sondern husteten lediglich zweimal hindurch. Die Viruslast im Husten war bei allen Probanden relativ gering. Die Aussagekraft diese Studie ist deshalb sehr beschränkt.Mehr Infos zu dieser Studie...

Eine weitere Studie kam zum Schluss, dass mehrlagige Stoffmasken, vor allem bestimmte Materialkombinationen, für Partikel kleiner als 300 Nanometer eine Filterwirkung von über 80 Prozent erreichen können. Entscheidend war hier, wie auch bei allen anderen Masken, wie gut der Stoff anliegt. Lücken, durch die Luft an den Rändern ein- oder ausgeatmet wird, können die Effektivität der Maske um bis zu 60 Prozent verringern.

In einer weiteren, chinesischen Studie untersuchten die Autoren, welche Faktoren die Übertragung von Sars-CoV-2 innerhalb von Familien beeinflussen. Gegenstand der Untersuchung waren 335 Personen in 124 Familien mit mindestens einem im Labor bestätigten Covid-19-Fall. Das Tragen von Gesichtsmasken, bevor der Erstinfizierte Symptome entwickelte, verringerte die Übertragung hier um 79 Prozent, das tragen von Masken nach Ausbruch der Krankheit hatte keinen signifikanten Einfluss.

Zu einem ganz anderen Resultat kam eine südkoreanische Studie – diese wurde allerdings an lediglich vier Patienten durchgeführt, was die Aussagekraft sehr stark einschränkt. Das Resultat zeigte hier, dass die Viren sowohl durch OP-Masken, als auch Baumwoll-Masken kaum gefiltert wurden.

Zwar ist konsequenter physischer Abstand die sicherste Methode, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Aber es gibt trotzdem Situationen, in denen der empfohlene Mindestabstand von eineinhalb Metern nur schwerlich einzuhalten ist. Im Tram, beim Einkaufen oder im Wartezimmer beim Arzt. In Situationen wie diesen entstehen durch Husten, Niesen oder Sprechen feine Tröpfchen, die das Virus enthalten und andere anstecken können. Um das zu vermeiden, können Schutzmasken ein geeigneter Weg sein. Doch dafür müssen sie richtig angezogen werden:

  • Vor dem Aufsetzen: Hände für 20 bis 30 Sekunden mit Seife waschen. Beim Anziehen darauf achten, dass die Innenseite der Maske nicht berührt wird.
  • Die Maske sollte so sitzen, dass die Ränder möglichst eng anliegen und Nase sowie Mund bedeckt sind. Bei OP-Masken sollte der Drahtbügel oben sein und eng an der Nase anliegen, während die Unterseite unter dem Kinn liegt. Dabei gilt: Die blaue oder grüne Seite sollte nach aussen zeigen, die weisse nach innen.
  • Um Infektionen über die Hände zu vermeiden, sollte man sich nicht ins Gesicht fassen oder die Maske berühren.
  • Sobald die Maske feucht ist, oder die Situation sie nicht mehr nötig macht, ausziehen.
  • Vor dem Ausziehen: Hände wieder für 20 bis 30 Sekunden mit Seife waschen.
  • Beim Abnehmen der Maske, sollte man darauf achten die Aussenseite, die eventuell kontaminiert sein könnte, nicht zu berühren. Dafür nutzt man am besten die Schlaufen der Maske.
  • Nach dem Ausziehen: Hände erneut für 20 bis 30 Sekunden mit Seife waschen.

Aber: Maske ist nicht gleich Maske. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte teilt Schutzmasken in drei Typen ein: Filtrierenden Halbmaske, Mund-Nasen-Schutz und «Community-Maske». Diese Typen unterscheiden sich in ihrer Anwendung und Wirksamkeit.

FFP Maske mit gelbem AtemschutzventilPixabay/Ri_Ya

Filtrierende Halbmaske (FFP-Maske) mit Atemschutzventil.

Filtrierende Halbmaske

Filtrierende Halbmasken, in der Schweiz auch als FFP-Masken (filtering face piece), in den USA als N95-Masken bezeichnet, eignen sich vor allem für den medizinischen Gebrauch. Sie sind zertifiziert nach der Norm DIN EN 149 und verfügen über eine CE-Kennzeichnung.

Es gibt sie in zwei grundlegend unterschiedlichen Macharten: mit und ohne Atemventil. Wenn eine FFP-Maske kein Atemventil hat, filtert sie sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen die Luft. Das führt dazu, dass die Maske den Träger oder die Trägerin selbst aber auch Fremde schützt. Eine solche Maske erschwert allerdings das Atmen. Hier hilft ein Atemventil. Das führt aber dazu, dass die Luft beim Ausatmen nicht mehr gefiltert wird. Der Träger der Maske wird also geschützt, die Aussenwelt aber nicht vor ihm.
Filtrierende Halbmasken eignen sich nicht zur Wiederverwendung – ausser sie sind mit einem «R» gekennzeichnet. In dem Falle kann die Dichtlippe, also der Rand der Maske, gereinigt und desinfiziert werden.

OP-MaskePixabay/Vesna_Pixi

Mund-Nasen-Schutz, die klassische OP-Maske.

Mund-Nasen-Schutz

Mund-Nasen-Schutz: Mit dem Begriff werden die klassischen OP-Masken bezeichnet. Diese sollten nach der Europäische Norm 14683 zertifiziert sein. Sie sind dazu geeignet, die Abgabe von Partikeln zu verringern. Sie schützen also das Umfeld vor der Ansteckung durch die Trägerin oder den Träger. Zum Selbstschutz eignen sich diese Masken nur bedingt. Das liegt daran, dass die Luft beim Einatmen meist an den Rändern der Maske vorbei angesaugt wird – ausgeatmet wird hingegen direkt durch das filternde Vlies. Nach maximal acht Stunden, respektive sobald die Maske feucht wird, gehört sie in den Müll.

Falls das aber nicht möglich ist, weil zum Beispiel kaum Masken mehr zur Verfügung stehen, empfiehlt der Virologe Christian Drosten in seinem Podcast, die Maske bei 70 Grad in den Ofen zu legen, bis sie vollständig trocken ist. Vorsicht bei der Mikrowelle: Der Drahtbügel in OP-Masken kann dazu führen, dass sie Feuer fangen. Für die Zellulosestoffe, aus denen die Masken sind, sollte die Hitze allerdings kein Problem sein.

Im medizinischen Umfeld gibt es verschiedene Methoden, um den Maskenverbrauch zu senken. Eine Möglichkeit ist, die Masken mehrfach oder länger zu nutzen. Aber auch die Desinfektion mithilfe von Dampf, Strahlung oder Chemikalien sind Möglichkeiten. Wie gut diese Methoden funktionieren, wird derzeit untersucht.

Frau mit selbstgenähter Gesichtsmaske schiebt einen EinkaufswagenPixabay/Anrita1705

Selbstgemachte Masken können eine Alternative sein, wenn man keine andere zur Hand hat.

Community-Maske

Der Begriff Community-Maske bezeichnet alle Masken, die offiziell nicht als Medizinprodukte gelten und deswegen auch nicht einheitlich zu bewerten sind. Generell gilt aber: Ähnlich, wie bei den OP-Masken sind sie vor allem für den Fremdschutz geeignet. Solche Masken kann sich jeder und jede selbst nähen. Eine Anleitung dazu findest du zum Beispiel hier.

Selbst hergestellte Masken fangen zwar weniger Tröpfchen ab als medizinische OP-Masken, können aber dennoch die Geschwindigkeit des Atemstroms und die Menge des Tröpfchenauswurfs verringern. Abhängig vom Material können sie das besser oder schlechter.

Besonders geeignete Materialien sind Küchenhandtücher, Baumwollshirts und antimikrobielle Kissenbezüge. Denn: die Stoffe sollten eng gewoben oder gestrickt, atmungsaktiv, heiss waschbar und anschmiegsam sein. Das letzte Kriterium ist wichtig, da für die Wirksamkeit relevant ist, wie gut eine Maske sitzt. Zwei Schichten Stoff schützen dabei besser als eine.

Die selbstgemachten Stoffmasken können bei 60 Grad, besser noch bei 95 Grad, gewaschen werden. Die Maske sollte vor dem erneuten Gebrauch vollständig trocknen. Die Masken heiss zu bügeln, ist ebenfalls eine Methode, um Viren auf der Maske abzutöten und eine erneute Nutzung möglich zu machen.

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