Christian Mensch für «Schweiz am Wochenende», 23. Juni 2018.

Noch ist es nur eine Handvoll unter den 13000 Stiftungen, denen der Journalismus ein Förderanliegen ist. Doch die tiefe Strukturkrise bringt die Medien in den Fokus der gemeinnützigen Organisationen. Gerne würden sie als vermögender Teil der Zivilgesellschaft als Stütze der vierten Gewalt im Staat wirken.

Als möglicher Empfänger bietet sich neu das Online-Medium «Republik» an. Gestartet mit Crowdfunding sowie Risikokapital sollen nun Stiftungen für den nächsten Entwicklungsschritt sorgen. Mit deren Geld will «Republik»-Autor Daniel Binswanger einen Kulturteil aufbauen. Dies erzählte der designierte Kulturchef im Rahmen eines Symposiums der Branchenvereinigung Swissfoundation, die stiftungsfinanzierten Journalismus auf ihre Agenda setzte.

Die Akquisition von Geldgebern gestalte sich schwierig, erzählt Binswanger. Die Probleme sind strukturell. Zum einen sehen sich Stiftungen lieber als Anschubfinanzierer neuer Projekte, zum anderen exponieren sie sich ungern zugunsten einzelner Titel. Bei der «Republik» können Stiftungen sich deshalb zusichern lassen, dass ihr Geld nicht für politische Kulturtexte, sondern ausschliesslich für vordergründig unproblematische Kulturrezensionen eingesetzt wird.

Fehlende Nachhaltigkeit

Ein weiterer Punkt: Die bisherigen Erfahrungen mit stiftungsfinanziertem Journalismus sind durchzogen. So hat die Gebert Rüf Stiftung rund drei Millionen Franken für Wissenschaftsjournalismus aufgewendet. Die Kommunikationsagentur von Beat Glogger bereitet mit dem Geld Wissensthemen journalistisch auf und stellt die Artikel Zeitungen unentgeltlich zur Verfügung. Glogger zieht in einem Blog-Eintrag ein kritisches Fazit. Die Stiftung wolle den Anschub finanzieren, um Wissensthemen für Redaktionen wieder zum Pflichtstoff zu machen. Doch sobald die Finanzierung stoppt, verschwänden diese wieder. Glogger organisiert sich deshalb neu und gründet die Stiftung «Wissen für alle». Diese soll mit Beiträgen von Hochschulen und Stiftungen, der öffentlichen Hand, aus der Wirtschaft und von Privaten alimentiert werden, um auf Higgs.ch Wissensthemen zu publizieren.

Kritisch würdigten die Stiftungsvertreter an ihrer Tagung das Basler Projekt «Tageswoche», das von den Stiftung Levedo finanziert wird. Mutmasslich sei am Anfang zu viel Geld vorhanden gewesen. Dies habe dazu geführt, dass zu lange kein marktfähiges Geschäftsmodell entwickelt wurde. Von einem «goldenen Käfig» hatte schon Thomas Gilgen gesprochen, dessen Radioprojekt «open broadcast» zuvor von der Stiftung Levedo finanziert wurde.

Tim Göbel, Sprecher der deutschen Schöpflin-Stiftung, skizziert für Schweizer Kollegen einen Ausweg. Seine Organisation baut in Berlin ein Medienhaus für Journalisten. Statt in Inhalte zu investieren, werde Geld für Infrastruktur bereitgestellt. Eine technische Plattform will der «Watson»-Gründer Hansi Voigt mit «we publish» aufbauen. Er ist auf der Suche nach Geld, etwa bei Stiftungen.

Diesen Beitrag teilen