Das musst du wissen

  • Am 31. Dezember haben chinesische Behörden der WHO einen neuen Virus gemeldet. Der Name des neuen Virus ist Sars-CoV-2.
  • Über 10,8 Millionen Personen haben sich bisher angesteckt, rund 520 000 Personen sind gestorben.
  • Um die Pandemie zu bremsen, ist Abstand Halten und regelmässiges Händewaschen zentral.
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Letztes Update: 3. Juli, 15:30 Uhr

Im Dezember 2019 ist in China ein neuer Virus aufgetaucht. Mittlerweile haben sich weltweit mehr als 10,8 Millionen Personen angesteckt. In der Schweiz sind laut BAG 32 101 Fälle positiv getestet worden, 1686 Personen sind gestorben. Die Anzahl der neuen bestätigten Fälle steigt momentan, am 2. Juli wurden 116 neue Fälle gemeldet. Der Bundesrat hat deshalb ab Montag, 6. Juli, eine schweizweite Maskenpflicht im ÖV beschlossen. Seit dem 22. Juni sind Veranstaltungen mit mehr 300 Personen wieder erlaubt. Die Schengen-Staaten haben ihre Grenzkontrollen per 15. Juni weitgehend aufgehoben. Die wichtigsten Antworten im Überblick.

 

Was gibt es Neues aus der Wissenschaft zu Sars-CoV-2?

  • Eine Herdenimmunität könnte in einer Bevölkerung bereits ab ungefähr 43 Prozent erreicht werden. Zu diesem Schluss kommen Forschende in neuen Berechnungen, welche einbeziehen, dass vor allem sozial aktive Personen die Verbreitung einer Krankheit fördern. Herdenimmunität bedeutet, dass so viele Personen einer Gruppe mit dem Virus infiziert und dadurch immun wurden, dass die Infektionskette stark verlangsamt oder gar gestoppt wird. Dies kann über Impfungen oder Ansteckungen passieren. Bisherige Berechnungen gingen davon aus, dass es für eine Herdenimmunität etwa 60 Prozent der Bevölkerung braucht. Bei Sars-CoV-2 wird die Herdenimmunität in der Schweiz aber noch lange nicht erreicht sein: Im Kanton Genf zum Beispiel, einem der stärksten betroffenen Kantone der Schweiz, waren Anfang Mai nur rund zehn Prozent der Bevölkerung mit Sars-CoV-2 infiziert worden.
  • UV-C-Licht in öffentlichen Räumen könnte die Ansteckungsrate in Innenräumen eindämmen. Sars-Cov-2 bleibt in kleinsten Tröpfchen schwebend minutenlang in der Luft und kann auf glatten Oberflächen, zum Beispiel Türklinken, mehrer Stunden überleben. Autoren einer neuen Studie schlagen deshalb vor, mit UV-C-Licht das Virus auf exponierten Flächen abzutöten. Ausserdem betonen sie die Bedeutung von Klimaanlagen: In diesen könnten Partikel einerseits herausgefiltert werden und der Virus zudem chemisch unschädlich gemacht werden. Diese beiden Varianten seien aber kostenintensiv und die Chemikalien je nachdem ungesund. Auch hier also wäre UV-C-Licht, das in der Klimaanlage leuchten würde, eine Lösung. Doch auch UV-C-Licht birgt Risiken: Es kann die Augen schädigen und ist zudem auf längere Dauer krebserregend. Ausserdem führt es zur Bildung von Ozon. Das UV-C-Licht sollte deshalb nicht sichtbar installiert werden – zum Beispiel eben im Inneren einer Klimaanlage – oder aber Räume desinfizieren, wenn sie nicht in Gebrauch sind.

Was ist das für ein neuer Virus?

Der neue Virus ist im Dezember 2019 in der  Stadt Wuhan ausgebrochen. Über 10,8 Millionen Personen sind weltweit bisher erkrankt. Mehr als 200 Länder sind betroffen. Der Name des neuen Virus ist Sars-CoV-2. Der Name der verursachten Krankheit ist Covid-19.

In der Schweiz liegen laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) bisher 32 101 Ansteckungen mit dem Virus vor, 1686 Personen sind gestorben. Derzeit empfiehlt das BAG, alle Personen mit Symptomen zu testen. Da viele Personen aber asymptomatisch bleiben oder nur schwache Symptome haben, ist die tatsächliche Anzahl der Angesteckten höher. Auch hinkt das Meldesystem des Bundes teilweise hinterher. Die Webseite des statistischen Amts des Kanton Zürich, die auf kantonale Daten zugreift, zählt 32 026 Erkrankte und bereits 1965 Verstorbene. Zu beachten ist: Registrierte Fälle spiegeln nicht die aktuelle Situation wieder, da diese Ansteckungen schon vor etlichen Tagen passierten.

Die Anzahl der neuen bestätigten Fälle steigt momentan, am 2. Juli wurden 116 neue Fälle gemeldet. Der Bundesrat hat deshalb ab Montag, 6. Juli, eine schweizweite Maskenpflicht im ÖV beschlossen. Reisende in Zügen, Trams und Bussen ebenso wie in Bergbahnen, Seilbahnen oder auf Schiffen müssen eine Maske tragen. Zudem müssen Einreisende aus Risikogebieten für zehn Tage in Quarantäne. Das BAG wird eine Liste der betroffenen Länder publizieren.

Die effektive Reproduktionszahl Re liegt aktuellen Berechnungen der Covid-Taskforce des Bundes zufolge bereits bei 1,4. Sie gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Sie sollte unter eins bleiben, um eine zweite Welle zu verhindern. 

Die SwissCovid-App ist seit dem 25. Juni für alle verfügbarMit dem Contact Tracing werden die Kontakte einer positiv auf das Coronavirus getesteten Person zurückverfolgt, so dass diese sich in Quarantäne begeben können. Damit werden Infektionsketten unterbrochen. Die SwissCovid App warnt Menschen, die sich für eine bestimmte Dauer in der Nähe einer mit dem Coronavirus infizierten Person aufgehalten haben, sofern sie bei beiden Personen auf dem Mobiltelefon installiert ist. Sowohl der Gebrauch der App als auch die Eingabe des Codes sind freiwillig.

Der Bundesrat hat am 19. Juni weitere Lockerungen verkündet: Veranstaltungen bis zu 1000 Personen sind nun wieder erlaubt. Bei mehr als 300 Personen ist eine Unterteilung in Sektoren zu je 300 Personen angezeigt. Die Sperrstunde in Gastrobetrieben wird aufgehoben und Konsumation ist nun auch wieder im Stehen erlaubt, der Mindestabstand wird von zwei Meter auf 1,5 Meter reduziert. An Demonstrationen gilt Maskenpflicht. Der Leiter der wissenschaftlichen Taskforce, Matthias Egger, kritisierte die Lockerungen in der NZZ am Sonntag. Der Bundesrat hat zudem die ausserordentliche Lage gemäss Epidemiengesetz am 19. Juni beendet. 

Seit dem 6. Juni waren Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen erlaubt. Alle Freizeitbetriebe und touristischen Angebote sind wieder offen, inklusive Schwimmbäder, Campingplätze, Bergbahnen, Wellnesoasen und Nachtclubs. Bedingung ist, dass für alle Einrichtungen und Veranstaltungen Schutzkonzepte vorhanden sind. Die Hygiene- und Abstandsregeln müssen weiterhin eingehalten werden. Können die Distanzregeln nicht eingehalten werden, muss die Nachverfolgung enger Personenkontakte (Contact Tracing) sichergestellt sein, etwa mit Präsenzlisten. Die Schengen-Staaten haben ihre Grenzkontrollen per 15. Juni weitgehend aufgehoben.

Kommt es in der Schweiz zu einer zweiten Welle der Coronavirus-​Pandemie, wird diese deutlich langsamer anrollen als die erste. Zu diesem Schluss kommen Forschende der ETH in Berechnungen. Die Resultate dieser Studie sind allerdings noch nicht peer-reviewed. Die Zahl der Erkrankten werde bei einer allfälligen zweiten Welle langsamer ansteigen, weil die Gesellschaft einen Lernprozess durchgemacht habe und sich heute vorsichtiger verhalte als zu Beginn der Pandemie. In einer zweiten Welle werde es in der Schweiz daher auch kaum zu einem Engpass im Gesundheitswesen kommen. Die Zahl der zu erwartenden Todesopfer bei einer allfälligen zweiten Welle hänge stark von ihrem Ausmass und ihrer Dauer ab. Die zweite Welle könnte aber mehr Opfer fordern als die erste.

Ab dem 11. Mai haben die Kantone die konsequente Rückverfolgung von Infektionsketten wieder aufgenommen: infizierte Personen sollen frühzeitig entdeckt, behandelt und isoliert, die Übertragungsketten eruiert und weitere Übertragungen verhindert werden. Dazu werden eine erweiterte Teststrategie, ein Contact-Tracing-Konzept und eine App verwendet, die über Kontakte mit infizierten Personen informiert. Die Massnahmen zum Abstandhalten und zur Hygiene bleiben gültig und wichtig.

Der Bund hat zudem das Nationale Sonder-Forschungsprogramm «Covid-19» gestartet. Dieses erstreckt sich über einen Zeitraum von 24 Monaten und umfasst einen Finanzrahmen von insgesamt 20 Millionen Franken. Zudem wurde in der Schweiz ein Label für Community-Masken lanciert. Empa-Forschende haben gemeinsam mit der Schweizer Textilbranche Technologien und Qualitätsstandards für textile Masken entwickelt. Sicher gestellt wurden die Luftdurchlässigkeit, die Undurchlässigkeit für Speichelspritzer und die Filtrationseffizienz von mindestens 70 Prozent bei einer Partikelgrösse von 1 Mikrometer. Die Maske schütz dabei die Aussenwelt vor Tröpfchen, die der Tragende ausspucken könnte. Das unabhängige Schweizer Prüf- und Zertifizierungsunternehmen Testex in Zürich geht nun zusammen mit verschiedenen einheimischen Textilunternehmen daran, die Stoffmasken in Massen zu produzieren.

Würden im öffentlichen Raum alle eine Maske tragen, könnte das eine zweite Pandemiewelle verhindern. Die effektive Reproduktionszahl Re, also wie viele Personen eine infizierte Person ansteckt, könne doppelt so effektiv eingedämmt werden, als wenn eine Maske erst bei ersten Symptomen getragen werden, so die Autoren einer neuen Studie der Universität Cambridge. Diese Zahl R muss unter 1 bleiben, um eine zweite Welle zu verhindern. Mittels Modellierungen kommen die Forschenden zum Schluss, dass, würden 100 Prozent einer Bevölkerung Masken tragen, die 75 Prozent Filtereffektivität aufweisen, dann könne selbst eine extrem hohe Reproduktionszahl von 4 auf unter 1 gedrückt werden – und das ohne Lockdown-Massnahmen. Und selbst wenn die Masken nur 50 Prozent Effektivität aufwiesen, sei ein Effekt zu erwarten.

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Der Bundesrat hatte am 16. März die ausserordentliche Lage erklärt: Alle Läden, Restaurants, Bars, Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe waren bis am 11. Mai geschlossen worden. Die Massnahmen sollen die Ausbreitung der Krankheit verlangsamen, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Denn: Epidemien haben kein lineares, sondern ein exponentielles Wachstum. Sie verbreiten sich rasend schnell. Der Bund hat am 31. März deshalb ein wissenschaftliches Beratungsgremium einberufen.

Wie stecken sich Menschen mit dem Virus an?

Coronaviren werden von Tieren auf den Menschen übertragen. Fachleute gehen davon aus, dass  der neue Virus über Fledermäuse übertragen wurde – eine direkte Übertragung auf den Menschen ist aber unwahrscheinlich. Der neue Virus ist wahrscheinlich auf einem Tiermarkt der chinesischen Stadt Wuhan erstmals aufgetaucht. Aber: «Es gibt nichts Gesichertes. Gesichert ist, dass als letztendliches ökologisches Reservoir all dieser Coronaviren bestimmte Fledermaus-Arten dienen, und zwar die Hufeisennasen-Fledermäuse. Das kann man wirklich so genau sagen, weil da sehr viel Forschung dazu gemacht worden ist», sagt Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité-Universität Berlin, gegenüber dem Science Media Center. «Dieses Virus wird wahrscheinlich, wie andere solche Viren auch, Zwischenwirte haben.»

Coronaviren werden durch Tröpfcheninfektion weitergegeben, das Virus vermehrt sich im Rachen. Von dort können die Erreger schneller als aus der Lunge wieder aus dem Körper freigesetzt werden, etwa durch Niesen, Husten oder Schnäuzen. So kann Sars-CoV-2 wieder auf Oberflächen gelangen und dort per Schmierinfektion über die Hände an Schleimhäute geraten und andere infizieren. Gelangen die Viren auf glatte Oberflächen wie Edelstahl oder Plastik, können sie laut einer vorveröffentlichten Studie rund drei Tage überleben. Eine weiter Studie kam sogar zum Schluss, dass sie dort neun Tage überdauern können. In Kleinsttröpfchen in der Luft überdauern sie bis zu drei Stunden. Auf anderen Oberflächen überlebt der Virus hingegen kaum.

Um sich vor dem Erreger zu schützen, gelten die gleichen Massnahmen, wie bei einer Grippe: Regelmässig Händewaschen, rund zwei Meter Abstand nehmen von Personen, die Husten oder Fieber haben, und in Taschentücher oder in die Armbeuge Husten oder Niesen. Auch Händeschütteln, Umarmungen und Begrüssungs-Küsschen stellen eine Gefahr dar. Das Tragen von Masken schützt das Umfeld vor einer Ansteckung.

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen, beträgt zwei bis 14 Tage. Im Durchschnitt zeigen sich Symptome nach fünf Tagen, wie eine Studie, die noch nicht peer-reviewed wurde, ermittelte. Besonders hoch sind die Virusmengen im Rachen am Anfang der Erkrankung, wenn noch kaum Symptome erkennbar sind. Das heisst, Personen, die noch keine Symptome zeigen, können ebenfalls sehr ansteckend sein. Auch infizierte Personen, die gar keine Symptome zeigen, könnten ansteckend sein – laut WHO ist das aber eher selten.

Nach bisherigen Analysen steckte ein Index-Patient in China zu Beginn der Epidemie zwischen zwei und drei Personen an, wenn er mit diesen im engen Austausch stand. Man geht also von einer sogenannten Basisreproduktionszahl R0 von 2 bis 3 aus. Zum Vergleich: Die saisonale Grippe hat eine R0 von 1,1 bis 1,5. Covid-19 ist also viel ansteckender als eine saisonale Grippe.

Covid-19 könnte sich saisonal unterschiedlich ausbreiten. Eine Studie, die in Australien zu Beginn der Pandemie durchgeführt wurde, hat einen Zusammenhang zwischen tiefer Luftfeuchtigkeit und Covid-19-Fallzahlen festgestellt. Die Autoren stellen die These auf, dass Covid-19 eine Winterkrankheit ist. Die tiefe Temperatur spiele dabei eine geringe Rolle, entscheidend sei die Luftfeuchtigkeit. Die Autoren warnen deshalb davor, die Resultate als allgemeingültig anzunehmen. Ein Sommer in einem Land, mit wenig Luftfeuchtigkeit, könne ebenso vorteilhaft sein für den Virus. Eine amerikanische Studie kam zu ähnlichen Resultaten: Die Temperatur beeinflusst demnach die Verbreitung des Virus negativ bis zur Schwelle von 11 Grad. Darüber hat die Temperatur kaum mehr einen zusätzlich dämmenden Einfluss. Auch der Einfluss von UVA- und UVB-Licht gemessen am UV-Index wurde einbezogen: Dieses hatte auf die Verbreitung nur eine kleine Wirkung. Der Niederschlag hatte in beiden Studien keinen Einfluss. Die Covid-19-Taskforce des Bundes zitiert eine Studie, in der der Klimaeffekt auch für die Schweiz modelliert wurde. Diese Studie schätzt, dass in der Schweiz der Sommer zu einer Abnahme des Übertragungsrisikos 10-15 Prozent führen könnte.

Ist der neue Virus gefährlich?

Von den rund 10,8 Millionen getesteten Infizierten sind bisher rund 520 000 Personen gestorben. Die Letalität, also er Anteil der Todesfälle an allen bestätigten Infizierten, liegt nach jetzigem Wissensstand zwischen rund zwei Prozent (Südkorea) und rund vierzehn Prozent (Italien) bzw. 15 Prozent (Frankreich). In der Schweiz beträgt sie derzeit rund sechs Prozent. Je nach Anzahl unbekannter – da leichter – Erkrankungen liegt sie jedoch bedeutend tiefer. Berechnungen zeigen, dass die Zahl der Infizierten um den Faktor fünf bis elf unterschätzt sein könnte.

Im Kanton Genf waren Anfang Mai nur rund zehn Prozent der Bevölkerung mit Sars-CoV-2 infiziert worden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, in der Forschende der Universitätsspitäler Genf (HUG) die Bluttests von 2766 Personen auf Antikörper analysiert haben. Die Test wurden vom 6. April bis zum 9. Maid durchgeführt. Der Kanton Genf ist neben dem Kanton Waadt der am stärksten betroffene Kanton der Schweiz.

Da Südkorea sehr genau Daten über seine Testungen sammelt, gehen Experten davon aus, dass das Land als gute Datengrundlage für die Berechnung der Letalität herangezogen werden kann. Auf jeden Fall steht nun fest, dass Covid-19 mindestens rund zehn Mal tödlicher ist als die Grippe.

Die Sterblichkeit variiert je nach Land und Altersklasse aber stark. Bei den über 70-Jährigen ist die Sterblichkeit laut einer chinesischen Studie über acht Prozent, bei unter 50-Jährigen liegt sie bei 0,4 Prozent oder weniger. Es spielt aber auch eine Rolle, wie gut das Gesundheitssystem vorbereitet ist und wie früh Eindämmungsmassnahmen ergriffen werden.

Das Chinese Centre for Disease Control and Prevention (CCDC) hat am 17. Februar einen ersten umfassenden Bericht des Seuchengeschehens zum neuen Virus veröffentlicht, bei der die Anzahl der Infektionen nach dem Datum des Auftretens erster Symptome sortiert wurden. Daraus ergibt sich, dass rund 80 Prozent der Fälle mit Symptomen einen milden Krankheitsverlauf zeigen. Umgekehrt heisst das, dass circa jeder fünfte Fall schwer verläuft. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Besonders gefährdet sind laut BAG Personen über 65 und auch solche, die an Vorerkrankungen leiden. Zu diesen zählen: Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Krebs und Erkrankungen und Therapien, welche das Immunsystem schwächen.

Bis zu 45 Prozent der Sars-CoV-2-Träger könnten asymptomatisch sein. So lautet das Resultat einer Überblicksstudie, welche 16 verschiedene Datensets aus der ganzen Welt analysierte. Keine Symptome bedeute aber nicht zwangsläufig keine Schäden: Auf Lungenscans von asymptomatischen Patienten des Kreuzschiffs Diamond Princess waren Veränderungen an der Lunge festzustellen. Ausserdem äussern die Forschenden die These, dass asymptomatische Träger den Virus über eine längere Zeit verbreiten könnten, vielleicht sogar länger als 14 Tage. Wie ansteckend asymptomatische Träger allerdings tatsächlich sind, dazu brauche es noch weitere Forschung.

Jährlich infizieren sich rund 10 Prozent der Bevölkerung mit der saisonalen Grippe – und dies, obwohl es Impfstoffe gibt. Sars-CoV-2 ist aber neu und könnte deshalb theoretisch alle Menschen infizieren. Berechnungen kommen zum Schluss, dass 40 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert werden könnten.

Die besondere Risikogruppe sind ältere Patienten – Kinder sind praktisch nicht betoffen. Unter Zehnjährige machen nur etwa ein Prozent der bestätigten Fälle aus und bis zu 90 Prozent entwickeln kaum SymptomeBei wenigen könnte die Infektion aber eine schwere Entzündungsreaktion auslösen. Eine neue Studie hat nun ergeben: Es handelt sich um ein neues Leiden und nicht um das Kawasaki-Syndrom. Das neue Syndrom trägt den Namen PIMS-TS (Multisystem Syndrome Temporally associated with Sars-CoV-2). 

Robert Koch-Institut

Die Symptome von Covid19 (Wissensstand 20.2.20).

Erkrankte Personen leiden normalerweise unter Fieber, trockenem Husten und haben teilweise Atemprobleme. Auch Geschmacksverlust gehört zu den Symptomen. Der Virus infiziert die unteren Atemwege und kann eine Lungenentzündung verursachen. Die Symptome sind aber milder als bei Sars. Leichte Erkrankungen dauern eine Woche, schwere zwei und schwerste Fälle müssen in der Intensivstation behandelt werden. Bei den Todesfällen starben die Patienten meist an Lungenentzündungen, Atemnot oder Blutvergiftung.

Studien und Beobachtungen geben Hinweise, dass die Erkrankung zu neurologischen Schäden sowie Schäden am Herz führt. Auch Lungenschäden werden vermutet.

Spezifische Medikamente oder Impfstoffe gibt es noch nicht. Weltweit wird derzeit an insgesamt 155 Medikamenten und 79 Impfungen zur Bekämpfung von Covid-19 gearbeitet, wie eine Untersuchung des Austrian Institute for Health Technology Assessment ergeben hat. Ein Impfstoff wird wohl nicht vor 2021 verfügbar sein. Pharmafirmen und Wissenschaftler testen aber bereits bekannte antivirale Medikamente, zum Bespiel HIV-Medikamente, auf ihre Wirksamkeit gegen den neuen Coronavirus.

Es ist wahrscheinlich, dass Personen, welche die Krankheit überwunden haben, danach immun sind. «Wir haben schon Daten dazu, dass Covid-19-Patienten nach einer Infektion mit dem Virus Antikörper bilden. Etwas anderes haben wir auch nicht erwartet aufgrund von Erfahrungen mit anderen Coronaviren, wie den Erregern von Sars oder Mers», sagt Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe emerging viruses am Universitätsklinikum in Genf. «Wir gehen also davon aus, dass Patienten nach einer durchgemachten Infektion auch eine Immunität gegen das Virus entwickeln. Wir wissen allerdings noch nicht, wie lange diese anhält. Wenn man eine Analogie zu den anderen Coronaviren annimmt, könnte man von einem Zeitraum von ein paar Jahren ausgehen: Bei Sars beispielsweise sind Antikörper drei bis fünf Jahre nachweisbar. Die Zeiträume sind also eher Jahre; es ist nicht so, dass man nach ein paar Tagen oder nach ein paar Wochen mit genau dem gleichen Virus wieder infizieren kann.»

In der Schweiz soll eine Antikörper-Studie durchgeführt werden, sobald genügend Tests zur Verfügung stehen, um herauszufinden, wie viele Leute sich bereits angesteckt haben, ob sie immun sind und wie lange die Immunität anhält.

Es gibt erste, wissenschaftliche Modell-Berechnungen zum weiteren Verlauf der Pandemie. Diese sind aber noch mit Vorsicht zu geniessen, da sie sehr stark von der Genauigkeit der Annahmen, zum Beispiel darüber, wie schnell sich die Viren übertragen, abhängen. Eine neue Studie geht davon aus, dass die Pandemie Social Distancing bis mindestens 2022 nötig machen wird und dass sie bis ins Jahr 2025 dauern könnte.

Schweizer Forschende haben einen Biosensor zum Nachweis des neuen Coronavirus entwickelt. Er könnte künftig eingesetzt werden, um die Virenkonzentration in der Umwelt zu bestimmen – beispielsweise an Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten, wie Bahnhöfen, oder in Lüftungssystemen von Spitälern. Auch im Abwasser könnte das Virus entdeckt  und neue Ansteckungswellen so frühzeitig erkannt werden.

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