Das musst du wissen

  • Am 31. Dezember haben chinesische Behörden der WHO einen neuen Virus gemeldet. Der Name des neuen Virus ist Sars-CoV-2.
  • Über 1,4 Millionen Personen haben sich bisher angesteckt, rund 82 000 Personen sind gestorben.
  • Bis 19. April gilt in der Schweiz die ausserordentliche Lage: Alle Restaurants und Freizeitbetriebe sind geschlossen.
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Letztes Update: 8. April, 12:30 Uhr

Im Dezember ist in China ein neuer Virus aufgetaucht. Mittlerweile haben sich weltweit mehr als 1,4 Millionen Personen angesteckt. In der Schweiz sind laut BAG 22 789 Fälle positiv getestet worden, 705 Personen sind gestorben. Der Bundesrat hat die ausserordentliche Lage erklärt: Ansammlungen im öffentlichen Raum von mehr als fünf Personen sind verboten. Bei Verstössen droht eine Ordnungsbusse. Alle Läden, Restaurants, Bars, Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe sind bis mindestens am 19. April 2020 geschlossen. Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittelläden und die Gesundheitseinrichtungen. Detailhändler beschränken die Anzahl Kunden pro Laden. Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Was ist das für ein neuer Virus?

Der neue Virus ist im Dezember 2019 in der  Stadt Wuhan ausgebrochen. Über 1,4 Millionen Personen sind weltweit bisher erkrankt. Mehr als 200 Länder sind betroffen. Der Name des neuen Virus ist Sars-CoV-2. Der Name der verursachten Krankheit ist Covid-19.

In der Schweiz liegen laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) bisher 22 789 Ansteckungen mit dem Virus vor, 705 Personen sind gestorben. Da aber derzeit nur Risikopersonen und Senioren getestet werden, ist die tatsächliche Anzahl der Angesteckten höher. Auch hinkt das Meldesystem des Bundes teilweise hinterher. Die Webseite des statistischen Amts des Kanton Zürich, die auf kantonale Daten zugreift, zählt 22 488 Erkrankte und bereits 846 Verstorbene. Zu beachten ist: Registrierte Fälle spiegeln nicht die aktuelle Situation wieder, da diese Ansteckungen schon vor etlichen Tagen passierten.

Pro Kopf ist die Schweiz in Europa unter den am stärksten getroffenen Ländern. Die Kurve der neuen bestätigten Fällen flacht seit Anfang April ab.

Der Bundesrat hat die ausserordentliche Lage erklärt: Alle Läden, Restaurants, Bars, Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe sind bis mindestens am 19. April 2020 geschlossen. Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittelläden und die Gesundheitseinrichtungen. Bundesrat Berset sagte in den Medien, die Krise sei sicher nicht vor Mitte Mai ausgestanden. Die Massnahmen per 20. April aufzuheben, sei im Moment illusorisch. Die SBB reduzieren ihr Angebot. Die Schweizer Schulen bleiben mindestens bis zum 4. April geschlossen. Die Massnahmen sollen die Ausbreitung der Krankheit verlangsamen, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Denn: Epidemien haben kein lineares, sondern ein exponentielles Wachstum. Sie verbreiten sich rasend schnell. Der Bund hat am 31. März deshalb ein wissenschaftliches Beratungsgremium einberufen.

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Von der Pandemie in absoluten Zahlen am stärksten betroffen sind weltweit die USA, Italien und Spanien. Am meisten Tote verzeichnet Italien.

Auch in den Ländern Südkorea und Iran stiegen die Zahlen explosionsartig. Südkorea hat die Ansteckungsrate mittlerweile in den Griff bekommen – durch grossflächiges Testen. Dieses wird in der Schweiz nicht durchgeführt, aber von verschiedenen Experten gefordert. Der Bund betont, dass das Testmaterial knapp sei und mehr Tests deshalb im Moment nicht möglich seien. Mit mehr als 10 000 pro Millionen Einwohner liegt die Schweiz unter den testenden Ländern zudem vorne.

Es handelt sich um einen neuen Stamm des Coronavirus. Zu den Coronaviren gehören sowohl harmlose Erreger, welche Erkältungen hervorrufen, sowie auch beispielsweise der Virus, welcher Sars verursacht. Bei dem neuen Virus, der nun in China aufgetaucht ist, handelt es sich um einen Sars-ähnlichen Erreger. Er ist aber nur zu etwa 70 Prozent genetisch verwandt.

Wie stecken sich Menschen mit dem Virus an?

Coronaviren werden von Tieren auf den Menschen übertragen. Fachleute gehen davon aus, dass  der neue Virus über Fledermäuse übertragen wurde – eine direkte Übertragung auf den Menschen ist aber unwahrscheinlich. Der neue Virus ist wahrscheinlich auf einem Tiermarkt der chinesischen Stadt Wuhan erstmals aufgetaucht. Aber: «Es gibt nichts Gesichertes. Gesichert ist, dass als letztendliches ökologisches Reservoir all dieser Coronaviren bestimmte Fledermaus-Arten dienen, und zwar die Hufeisennasen-Fledermäuse. Das kann man wirklich so genau sagen, weil da sehr viel Forschung dazu gemacht worden ist», sagt Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité-Universität Berlin, gegenüber dem Science Media Center. «Dieses Virus wird wahrscheinlich, wie andere solche Viren auch, Zwischenwirte haben.»

Coronaviren werden durch Tröpfcheninfektion weitergegeben, das Virus vermehrt sich im Rachen. Von dort können die Erreger schneller als aus der Lunge wieder aus dem Körper freigesetzt werden, etwa durch Niesen, Husten oder Schnäuzen. So kann Sars-CoV-2 wieder auf Oberflächen gelangen und dort per Schmierinfektion über die Hände an Schleimhäute geraten und andere infizieren. Gelangen die Viren auf glatte Oberflächen wie Edelstahl oder Plastik, können sie rund drei Tage überleben. Eine Studie kam sogar zum Schluss, dass sie dort neun Tage überdauern können. In der Luft überdauern sie bis zu drei Stunden. Auf anderen Oberflächen überlebt der Virus hingegen kaum.

Um sich vor dem Erreger zu schützen, gelten die gleichen Massnahmen, wie bei einer Grippe: Regelmässig Händewaschen, rund zwei Meter Abstand nehmen von Personen, die Husten oder Fieber haben, und in Taschentücher oder in die Armbeuge Husten oder Niesen. Auch Händeschütteln, Umarmungen und Begrüssungs-Küsschen stellen eine Gefahr dar. Einfache Atemmasken hingegen bieten Gesunden nur wenig Schutz, die Befeuchtung der Maske durch kondensierte Atemluft hebt den Barriereschutz schon nach 20 Minuten auf.

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen, beträgt zwei bis 14 Tage. Im Durchschnitt zeigen sich Symptome nach fünf Tagen, wie eine neue Studie, die noch nicht peer-reviewed wurde, ermittelte. Besonders hoch sind die Virusmengen im Rachen am Anfang der Erkrankung, wenn noch kaum Symptome erkennbar sind. Auch infizierte Personen, die gar keine Symptome zeigen, sind ansteckend.

Nach bisherigen Analysen steckte ein Index-Patient in China zu Beginn der Epidemie zwischen zwei und drei Personen an, wenn er mit diesen im engen Austausch stand. Man geht also von einer sogenannten Basisreproduktionszahl R0 von 2 bis 3 aus. Zum Vergleich: Die saisonale Grippe hat eine R0 von 1,1 bis 1,5. Covid-19 scheint also viel ansteckender zu sein als eine saisonale Grippe.

Ist der neue Virus gefährlich?

Von den rund 1,4 Millionen getesteten Infizierten sind bisher rund 82 000 Personen gestorben. Die Letalität, also er Anteil der Todesfälle an allen bestätigten Infizierten, liegt nach jetzigem Wissensstand zwischen rund einem Prozent (Südkorea) und rund zehn Prozent (Italien). Je nach Anzahl unbekannter – da leichter – Erkrankungen könnte sie noch bedeutend tiefer liegen. Berechnungen zeigen, dass die Zahl der Infizierten um den Faktor fünf bis elf unterschätzt sein könnte.

Da Südkorea sehr genau Daten über seine Testungen sammelt, gehen Experten davon aus, dass das Land als gute Datengrundlage für die Berechnung der Letalität herangezogen werden kann. Auf jeden Fall steht nun fest, dass Covid-19 mindestens rund zehn Mal tödlicher ist als die Grippe.

Die Sterblichkeit variiert je nach Land und Altersklasse aber stark. Bei den über 70-Jährigen ist die Sterblichkeit laut einer chinesischen Studie über acht Prozent, bei unter 50-Jährigen liegt sie bei 0,4 Prozent oder weniger. Es spielt aber auch eine Rolle, wie gut das Gesundheitssystem vorbereitet ist und wie früh Eindämmungsmassnahmen ergriffen werden.

Das Chinese Centre for Disease Control and Prevention (CCDC) hat am 17. Februar einen ersten umfassenden Bericht des Seuchengeschehens zum neuen Virus veröffentlicht, bei der die Anzahl der Infektionen nach dem Datum des Auftretens erster Symptome sortiert wurden. Daraus ergibt sich, dass rund 80 Prozent der Fälle mit Symptomen einen milden Krankheitsverlauf zeigen. Umgekehrt heisst das, dass circa jeder fünfte Fall schwer verläuft. Männer scheinen leicht häufiger betroffen zu sein als Frauen. Besonders gefährdet sind laut BAG Personen über 65 und auch solche, die an Vorerkrankungen leiden. Zu diesen zählen: Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Krebs und Erkrankungen und Therapien, welche das Immunsystem schwächen.

Zudem gibt es asyptomatische Träger. Wie viele, das ist noch unklar. Verschiedene Studien kommen 59 Prozent, auf 28 Prozent oder 18 Prozent der Infizierten, die keine Symptome zeigen.

Jährlich infizieren sich rund 10 Prozent der Bevölkerung mit der saisonalen Grippe – und dies, obwohl es Impfstoffe gibt. Sars-CoV-2 ist aber neu und könnte deshalb theoretisch alle Menschen infizieren. Berechnungen kommen zum Schluss, dass 40 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert werden könnten.

Die besondere Risikogruppe sind ältere Patienten – Kinder sind praktisch nicht betoffen. «Man sieht, dass Kinder zwar infiziert, aber praktisch nicht krank werden. Ausserdem ist auch unklar, inwieweit Kinder zur Übertragung des Virus beitragen, obwohl sie kaum Symptome zeigen», so Isabella Eckerle vom Universitätsklinikum in Genf.

Robert Koch-Institut

Die Symptome von Covid19 (Wissensstand 20.2.20).

Erkrankte Personen leiden normalerweise unter Fieber, trockenem Husten und haben teilweise Atemprobleme. Der Virus infiziert die unteren Atemwege und kann eine Lungenentzündung verursachen. Die Symptome sind aber milder als bei Sars. Leichte Erkrankungen dauern eine Woche, schwere zwei und schwerste Fälle müssen in der Intensivstation behandelt werden. Bei den Todesfällen starben die Patienten meist an Lungenentzündungen, Atemnot oder Blutvergiftung.

«Im Moment können wir nur feststellen, dass der Krankheitsverlauf anscheinend extrem variabel sein kann. Der Symptombeginn kann von Kopfschmerzen über leichte Abgeschlagenheit, über typische Symptome mit Fieber, mit Husten gehen bis hin zur schweren Lungenentzündung. Also den typischen Verlauf können wir im Moment nicht ausmachen, weil einfach die Bandbreite der Viruserkrankung extrem gross ist», sagt Isabella Eckerle vom Universitätsklinikum in Genf gegenüber dem Science Media Center.

Spezifische Medikamente oder Impfstoffe gibt es noch nicht. Ein Impfstoff wird wohl nicht vor 2021 verfügbar sein. Pharmafirmen und Wissenschaftler testen aber bereits bekannte antivirale Medikamente, zum Bespiel HIV-Medikamente, auf ihre Wirksamkeit gegen den neuen Coronavirus. Bis es so weit ist, gilt: «Alles was wir tun können ist supportiv – Bettruhe, genügend Flüssigkeit und gegebenenfalls Unterstützung der Atmung in den verschiedenen Stufen», sagt Salzberger. Die Proteine der Coronaviren sind über ganze Familie hinweg wenig konserviert, also sehr unterschiedlich, was Medikamente, die gegen alle Coronaviren wirken, eher unwahrscheinlich macht. Deshalb ist die bisherige Strategie: bereits bekannte, breit wirkende Virusmedikamente einsetzen. Verschiedene klinische Studien zur Behandlung wurden gestartet.

Es ist wahrscheinlich, dass Personen, welche die Krankheit überwunden haben, danach immun sind. «Wir haben schon Daten dazu, dass Covid-19-Patienten nach einer Infektion mit dem Virus Antikörper bilden. Etwas anderes haben wir auch nicht erwartet aufgrund von Erfahrungen mit anderen Coronaviren, wie den Erregern von Sars oder Mers», sagt Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe emerging viruses am Universitätsklinikum in Genf. «Wir gehen also davon aus, dass Patienten nach einer durchgemachten Infektion auch eine Immunität gegen das Virus entwickeln. Wir wissen allerdings noch nicht, wie lange diese anhält. Wenn man eine Analogie zu den anderen Coronaviren annimmt, könnte man von einem Zeitraum von ein paar Jahren ausgehen: Bei Sars beispielsweise sind Antikörper drei bis fünf Jahre nachweisbar. Die Zeiträume sind also eher Jahre; es ist nicht so, dass man nach ein paar Tagen oder nach ein paar Wochen mit genau dem gleichen Virus wieder infizieren kann.»

Es gibt erste, wissenschaftliche Modell-Berechnungen zum weiteren Verlauf der Pandemie. Diese sind aber noch mit Vorsicht zu geniessen, da sie sehr stark von der Genauigkeit der Annahmen, zum Beispiel darüber, wie schnell sich die Viren übertragen, abhängen.

Eine neue Studie des Imperial College London hat die zu erwartenden Opferzahlen in Grossbritannien und den USA modelliert – die Berechnungen dürften aber auch für andere Länder gelten. Demnach würde die Epidemie wieder aufflammen, sobald die restriktiven Massnahmen gelockert würden. So könnte es im November und Dezember zu einer zweiten Welle kommen.

Eine andere Studie, die noch nicht peer-reviewed wurde, also einem Entwurf gleicht, versucht ebenfalls, den potentiellen Verlauf der Pandemie zu berechnen. Der Peak könnte demnach im Frühsommer erreicht sein. In einem weiteren Szenario wird der Peak nächsten Winter erst kommen. Ein Drittes hält zwei Peak für möglich.

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